Geldpolitik China rührt Zinsen trotz Ukraine- und Corona-Krise nicht an

Der Zins für einjährige Kredite bleibt bei 3,70 Prozent. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Geldpolitik in China in den kommenden Monaten gelockert wird.

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An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Geldpolitik in den kommenden Monaten gelockert wird. Quelle: dpa

Die chinesische Zentralbank hat ungeachtet der erhöhten wirtschaftlichen Unsicherheit nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine und steigender Corona-Zahlen ihre Zinsen nicht angetastet. Der Zins für einjährige Kredite wurde bei 3,70 Prozent gehalten, während der für fünfjährige Darlehen bei 4,60 Prozent verharrte, wie die chinesische Notenbank am Montag mitteilte. Die von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Ökonomen hatten mehrheitlich damit gerechnet. Die meisten neuen und ausstehenden Kredite in China orientieren sich an dem einjährigen Zins, während der fünfjährige die Preisgestaltung von Hypothekendarlehen beeinflusst.

An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Geldpolitik in den kommenden Monaten gelockert wird. Die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist nicht nur wegen der Ukraine-Krise heftigem Gegenwind ausgesetzt, sondern auch durch das Aufflammen der Corona-Pandemie. Die Ausbreitung der hochinfektiösen Omikron-Variante hat in diesem Monat wichtige Produktionszentren wie Shenzhen und Dongguan getroffen. Dort standen in vielen Werken die Bänder still – von Fabriken für den Bau von Computer-Zubehör wie Flash-Laufwerken bis hin zu Autoteilen.

„Wir werden eine Runde von Zinssenkungen zu Beginn des zweiten Quartals sehen“, sagte Analyst Win Thin von Brown Brothers Harriman angesichts der drohenden Konjunkturflaute. Diese Anreize seien erforderlich, will die Regierung ihr Wachstumsziel von etwa 5,5 Prozent in diesem Jahr schaffen. Einige Experten argumentieren jedoch, dass niedrigere Zinsen zu Kapitalabflüssen führen könnten. Der Grund: Andere große Volkswirtschaften wie die USA oder Großbritannien straffen gerade ihre Geldpolitik wegen der hohen Inflation, was Anlagen dort attraktiver machen und Investoren dazu veranlassen könnte, ihr Geld dort anzulegen.

Der chinesische Vizepremier Liu He, der für die allgemeine Wirtschaftspolitik zuständig ist, drängt derweil auf marktfreundliche Maßnahmen zur Unterstützung der Konjunktur.

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