Geldpolitik Deutsche Bank erwartet Zinsschritt von einem halben Punkt im dritten Quartal

In ihrer neuen Prognose rechnen die Ökonomen angesichts der hohen Inflation mit einer stärkeren Zinserhöhung als bislang. Auch mehrere EZB-Mitglieder haben diese bereits ins Spiel gebracht.

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Die Volkswirte der Deutschen Bank erwarten eine starke Zinserhöhung in den nächsten Monaten. Quelle: dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird laut einer Prognose der Volkswirte der Deutschen Bank ihren Leitzins im dritten Quartal während eines Zinsschrittes um einen halben Prozentpunkt anheben. Ökonomen anderer Häuser erwarten laut einer Bloomberg-Umfrage indes kleinere Zinsschritte.

Der Dax-Konzern war bislang von zwei Zinserhöhungen um je einen Viertelpunkt im Juli und September ausgegangen. Nun rechnen die Ökonomen um Mark Wall damit, dass einer der Schritte doppelt so groß ausfallen wird, wahrscheinlich der letztere.

„Die Beweislast hat sich weiter verlagert, und die Daten des Sommers müssen nun die Argumente für eine Anhebung um 50 Basispunkte zu Beginn dieses Zinserhöhungszyklus widerlegen“, schreiben die Ökonomen. „Wir glauben, dass die EZB die Inflation weiterhin unterschätzt, und wir erwarten, dass die Unterstützung für eine Anhebung um 50 Basispunkte im Laufe des Sommers zunehmen wird.“

Im Mai erreichte die Inflation im Euro-Raum mit 8,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen neuen Höchststand, wie am Dienstag bekannt wurde. Die Teuerung lag damit deutlich über der Prognose von Ökonomen und war somit vierfach so hoch wie der Wert, den die Notenbank anstrebt, um Preisstabilität zu garantieren.

Ein Zinsschritt von 50 Basispunkten würde der Vorgehensweise der Federal Reserve in den USA im vergangenen Monat entsprechen. Die EZB-Mitglieder aus Österreich, Lettland, den Niederlanden und der Slowakei haben bereits öffentlich eine solche Anhebung ins Gespräch gebracht.

„Eine Anhebung um 50 Basispunkte würde das notwendige klare Signal aussenden, dass die EZB es mit der Inflationsbekämpfung ernst meint“, sagte der österreichische EZB-Rat Robert Holzmann im Gespräch mit Bloomberg. „Ein klares Zinssignal würde auch den Euro-Kurs stützen. Der schwache Euro ist an der Inflationsfront nicht hilfreich.“

Italiens Notenbankchef mahnt zur Vorsicht

Im Gegensatz dazu mahnte der italienische Notenbankchef Ignazio Visco am Dienstag zur Vorsicht und betonte, dass Zinserhöhungen „geordnet“ erfolgen müssten, um die Integrität der Euro-Zone nicht zu gefährden.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte in der vergangenen Woche einen Fahrplan für die Geldpolitik vorgelegt, der im Juli und September jeweils einen Viertelpunkt-Schritt erwägt. Das ist ein Tempo, das EZB-Chefvolkswirt Philip Lane als „Richtwert“ bezeichnete. Dies spiegelt sich in den Prognosen der Prognostiker wider, auch wenn einige einräumen, dass eine stärkere Erhöhung möglich ist.

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