Geldpolitik EZB-Chefvolkswirt sieht Sorgen über konjunkturelle Folgen von Omikron schwinden

Die Corona-Variante wird nach Einschätzung von Philip Lane nur noch auf Sicht „von einigen Wochen“ ein Hemmnis sein. Auch zur Situation in der Ukraine äußert er sich.

  • Teilen per:
  • Teilen per:
„Ich halte es für weniger wahrscheinlich über ein Szenario nachzudenken, in dem die Inflation andauernd deutlich über zwei Prozent ist.“ Quelle: Reuters

Die derzeitige Virus-Welle wird die Wirtschaft laut EZB-Chefökonom Philip Lane wohl nicht das ganze Jahr belasten. Es werde immer klarer, dass dies in der Euro-Zone eher nur noch auf Sicht „von einigen Wochen“ ein Hemmnis sein werde, sagte der Ire der litauischen Zeitung „Verslo Zinios“. „Ich denke, in dieser Hinsicht haben wir weniger Sorge wegen Omikron als im Dezember.“

Der EZB-Chefökonom verwies zudem darauf, dass die EZB Ende 2021 prognostiziert habe, dass die momentan hohe Inflation in der Euro-Zone 2022 im Jahresverlauf abflauen und in den kommenden Jahren unter den EZB-Zielwert von 2,0 Prozent fallen werde. Falls sich jedoch ein gegenteiliges Szenario ergeben sollte, wobei sich die Inflation hartnäckig halten würde, müsse die EZB ihre Geldpolitik straffen.

„Ich halte es jedoch für weniger wahrscheinlich über ein Szenario nachzudenken, in dem die Inflation andauernd deutlich über zwei Prozent ist, was eine beträchtliche Straffung erfordern würde“, erklärte Lane laut dem auf der EZB-Seite am Dienstag veröffentlichten Interview-Text.

Zugleich betonte Lane mit Blick auf die Ukraine-Krise, dass geopolitische Konflikte auch die Energiepreise beeinflussten. „Somit ist dies sehr direkt relevant für uns.“ Auch EZB-Chefin Christine Lagarde hatte jüngst darauf verwiesen, dass geopolitische Faktoren mit zum Preisauftrieb beitrügen. Sie hat zugleich mehrfach betont, dass eine Zinserhöhung im laufenden Jahr sehr unwahrscheinlich sei

Angeheizt von hohen Energiekosten ist die Inflation in der Euro-Zone zuletzt auf 5,0 Prozent gestiegen. Die Teuerungsrate liegt nun weit mehr als doppelt so hoch wie das Ziel der EZB, die mittelfristig eine Rate von 2,0 Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft anpeilt.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%