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Geldpolitik EZB hat nicht nur zwei Krisen-Instrumente im Blick

Anleihekäufe und Geldspritzen seien effektive Mittel gegen die Pandemie-Folgen, sagte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane. Doch es gebe weitere Instrumente..

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Die EZB sieht einige Instrumente gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Quelle: dpa

Die EZB wird laut ihrem Chefvolkswirt Philip Lane zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der zweiten Pandemiewelle womöglich nicht nur auf ihre Anleihekäufe und Geldspritzen für Banken setzen.

Es gebe eine breite Palette an geldpolitischen Maßnahmen hinsichtlich Sicherheiten, Tausch- (Swaps) und Rückkaufgeschäften (Repos), sagte Lane in einem am Mittwoch veröffentlichen Interview im Rahmen des Reuters Global Investment Outlook Summit. „Daher, denke ich, ist es wichtig, nicht zu folgern, dass wir nur auf zwei Programme blicken.“

Es treffe allerdings zu, dass das inzwischen auf 1,35 Billionen Euro angelegte Notfall-Anleihekaufprogramm PEPP und die umfangreichen TLTRO genannten Geldsalven für Banken als Antwort auf die Pandemie sehr effektiv gewesen seien, sagte Lane.

Zwar schloss er eine Veränderung des noch laufenden älteren Anleihekaufprogramms APP nicht aus. Er betonte aber: „Was das Design des PEPP angeht, die Flexibilität des PEPP, im Vergleich zum APP, passt es sehr gut für die Pandemie-Bedingungen.“

Die nächste Zinssitzung der Europäischen Zentralbank findet am 10. Dezember statt. EZB-Chefin Christine Lagarde hat schon signalisiert, dass die Notenbank dann handeln könnte. Hauptinstrumente seien das PEPP-Programm und die gezielten mehrjährigen Liquiditätsspritzen (TLTROs) für Banken.

Lane rechnet mit Anstieg der Inflation im Euro-Raum

„Wenn wir die Finanzierungsbedingungen da halten können, wo sie in diesen Tagen liegen, auf einem niedrigen Niveau, dann unterstützt das die wirtschaftliche Erholung“, sagte der oberste EZB-Ökonom.

Lane rechnet damit, dass die Inflation im Euro-Raum wieder zulegt, wenn die Geschäfte in den am stärksten von der Pandemie betroffenen Wirtschaftssektoren, wie dem Tourismus, der Luftfahrt, der Hotelbranche, wieder anziehen.

„Sobald sich die Wirtschaft erholt, werden sich die sehr niedrigen Preise in diesen Sektoren, die in diesem Herbst der Fall waren, in einem gewissen Maß umkehren,“ sagte der frühere Wirtschaftsprofessor am Dubliner Trinity College.

Die Inflation im Euro-Raum ist inzwischen den vierten Monat infolge negativ und damit weit entfernt vom EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent. Dieses strebt sie als Optimalniveau für die Wirtschaft an, verfehlt es aber bereits seit Jahren. Im November lag die Teuerung bei minus 0,3 Prozent.

Lane zufolge wird es für die EZB selbst dann keine einfache Aufgabe sein, die Inflation in Richtung der Zielmarke zu bewegen, wenn der Preisdruck wieder zunimmt und die Teuerung wieder auf eine Spanne um ein Niveau von Prozent anzieht. „Das wird die große Herausforderung sein“, sagte Lane.

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