Geldpolitik EZB-Währungshüter sinniert über härteren Kurs und früheres Ende der Anleihekäufe

Ein weiterer Vertreter der EZB hat sich für ein baldiges Ende der milliardenschweren Wertpapierkäufe ausgesprochen. Eine Zinswende könnte noch 2022 erfolgen.

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Die Notenbank befragt regelmäßig Volkswirte zu ihren Konjunktur- und Zinserwartungen. Quelle: dpa

Angesichts der hohen Inflation mehren sich Signale aus der EZB für einen strafferen geldpolitischen Kurs. Mit dem luxemburgischen Notenbankchef Gaston Reinesch meldete sich wenige Tage vor dem für Donnerstag in Paris angesetzten informellen Treffen der Führungsriege ein weiterer Vertreter aus dem EZB-Rat zu Wort, der eine härtere Gangart fordert. Zwar seien die Inflationsrisiken hauptsächlich kurzfristig hoch, doch könne die Teuerungsrate auch länger hoch bleiben, warnte er in einem Blog-Eintrag. Es sei daher nicht „völlig grundlos“ zu erwägen, dass ein Ende der Anleihenkäufe im Rahmen des laufenden Programms namens APP früher komme als noch Ende vorigen Jahres angenommen.

Ein Ende des Programms, das bisher von der Europäischen Zentralbank nicht terminiert worden ist, gilt als Voraussetzung für eine Zinswende. Die Anleihen-Zukäufe über das Pandemie-Notprogramm PEPP enden im Frühjahr. Damit die Finanzmärkte nach dem Auslaufen des groß angelegten Programms ab April nicht auf dem Trockenen sitzen, hatte die EZB im Dezember beschlossen, das kleinere APP in abgewandelter Form weiterzuführen. Von Reuters befragte Ökonomen erwarten, dass die Währungshüter die Ankäufe im dritten Quartal stoppen werden. Eine Zinswende könnte dann im selben Quartal oder Ende des Jahres folgen.

Angesichts der hohen Inflation hatte auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel eine Zinswende noch 2022 ins Spiel gebracht. Das niederländische Ratsmitglied Klaas Knot rechnet mit einer Erhöhung „um das vierte Quartal herum“, wobei wohl eine Anhebung um einen Viertel Punkt angezeigt sei. An den Börsen sind Zinsspekulationen ins Kraut geschossen, die von Erhöhungen bis Dezember von bis zu einem halben Prozent ausgingen. Die EZB beließ den geldpolitischen Schlüsselsatz zuletzt bei 0,0 Prozent. Zugleich müssen Banken weiter Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken: Der Einlagesatz liegt bei minus 0,5 Prozent. Der nächste Zinsentscheid der EZB steht am 10. März an, wobei auch aktualisierte Konjunktur- und Inflationsprognosen auf den Tisch kommen werden.

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