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Geldpolitik Mehrere Euro-Notenbankchefs sprechen sich für baldiges Ende der Notfallhilfen aus

Die EZB hat über das Anleihenkaufprogramm PEPP bisher über 1,4 Billionen Euro in die Märkte gepumpt. Der Zeitpunkt für ein Ende rücke nach Ansicht mehrerer Zentralbanker näher.

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Das Notfallprogramm PEPP soll nach bisherigen Planungen noch bis mindestens Ende März 2022 laufen. Quelle: dpa

Mehrere Notenbankchefs von Euro-Ländern denken laut über eine Abkehr von den billionenschweren Corona-Notfallhilfen der Europäischen Zentralbank (EZB) nach. „Das Motto heißt Ausstieg“, sagte Belgiens Notenbankchef Pierre Wunsch am Freitag auf einer Konferenz im slowakischen Strbske Pleso.

Dies werde ein schwieriges Vorhaben, denn es gehe darum, weniger zu machen und nicht mehr. Auch seine EZB-Ratskollegen, der slowakische Notenbankchef Peter Kazimir und Slovieniens oberster Währungshüter Bostjan Vasle, waren auf der Veranstaltung der Ansicht, dass der Zeitpunkt für ein Ende der Hilfen nun näherrücke.

Das auf 1,85 Billionen Euro angelegte Notfall-Anleihenkaufprogramm PEPP soll nach bisherigen Planungen noch bis mindestens Ende März 2022 laufen. Seit März 2020 hat die EZB auf diese Weise bereits über 1,4 Billionen Euro in die Anleihenmärkte gepumpt.

Den Euro-Ländern beschert das unter anderem ultraniedrige Refinanzierungskosten. „Gegenwärtig sind wir die besten Freunde der Finanzminister, aber das wird nicht für immer so bleiben“, sagte Kazimir auf der Konferenz. Sein Ratskollege Vasle merke an, er sehe das „Potenzial für weitere Spannungen zwischen Zentralbankern und Regierungen“, wenn die EZB ihre Geldpolitik normalisiere.

Sorgen bereitet den Währungshütern jedoch derzeit der Blick auf die rasant steigenden Preise. Die Inflation werde wohl höher ausfallen als von der EZB zuletzt vorhergesagt, merkte Wunsch an. Die Teuerungsrate im Euro-Raum war im September mit 3,4 Prozent so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr.

EZB lotet bereits mögliche PEPP-Alternativen aus

Ein Großteil des Auftriebs ist aus Sicht der Euro-Wächter aber nur vorübergehend und durch die Folgen der Corona-Krise bedingt – so auch Lieferkettenprobleme und Materialengpässe. Eine Bemerkung von EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte jüngst jedoch aufhorchen lassen: Demnach gibt es mehrere Unsicherheitsfaktoren, die einen länger andauernden Inflationsdruck mit sich bringen könnten. Am europäischen Geldmarkt wird bereits über eine Zinserhöhung Ende 2022 spekuliert.

Zunächst dürfte es für die Währungshüter jedoch darum gehen, zu klären, wie es mit dem PEPP-Programm weitergeht. Wenn sich die Konjunktur normalisiere und die Covid-Lage es erlaube, werde PEPP seine Aufgabe erfüllt haben, betonte jüngst EZB-Vizepräsident Luis de Guindos.

Im Dezember werde die EZB über „mögliche Alternativen“ entscheiden, falls dieses Projekt im März beendet werden sollte. Viele Experten gehen davon aus, dass die EZB dann ihre Anleihenkäufe nicht komplett einstellt, sondern ihr aktuell kleineres Kaufprogramm APP in der einen oder anderen Form weiterführen wird.

Im Dezember werden auch die Inflationsprognosen der EZB-Volkswirte aktualisiert. Die EZB erwartet bisher, dass die Inflation mittelfristig unter ihrem Ziel von zwei Prozent bleiben wird. Für 2021 wird eine Teuerung von 2,2 Prozent unterstellt, die 2022 auf 1,7 und 2023 auf 1,5 Prozent fallen soll.

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