Geldpolitik US-Notenbanker Bullard fordert drastische Zinserhöhungen auf über drei Prozent

Die Fed hatte am Mittwoch entschieden das Zinsniveau um 0,25 Prozent zu erhöhen. Das reicht Notenbanker Bullard nicht aus.

  • Teilen per:
  • Teilen per:
Bullard argumentiert, die Fed müsse schnell auf die stark steigende Inflation reagieren, um ihre Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Quelle: Reuters

In der US-Notenbank Fed wird schon kurz nach der Zinswende der Ruf nach weit größeren Erhöhungsschritten laut. Der als Verfechter eines straffen Kurses bekannte US-Währungshüter James Bullard forderte am Freitag, noch dieses Jahr solle der Leitzins auf über drei Prozent steigen. Er ist dafür, das Zinsniveau in Riesenschritten anzuheben.

Auf fünf der verbleibenden sechs Fed-Sitzungen 2022 sollte es demnach Erhöhungen um jeweils einen halben Prozentpunkt geben. Auch Fed-Direktor Chris Waller sprach sich für eine schnelle Abfolge solch ungewöhnlich großer Schritte aus. Er sei dafür, sich in den kommenden Monaten mit Anhebungen um jeweils einen halben Prozentpunkt kräftig gegen die Inflation zu stemmen.

Die Datenlage schreie praktisch nach einer solchen Erhöhung, auch wenn sich die Fed aus Rücksicht auf die geopolitische Lage nach der russischen Invasion der Ukraine zunächst für einen vorsichtigen Schritt entschieden habe, sagte Waller dem Sender CNBC. Die Notenbank hatte am Mittwoch die Zinswende vollzogen und den geldpolitischen Schlüsselsatz um einen Viertel Punkt auf die neue Spanne von 0,25 bis 0,50 Prozent angehoben.

Bullard, der Chef des Fed-Bezirks St. Louis ist, hatte vergeblich für einen größeren Schritt votiert. Er argumentiert, die Notenbank müsse schneller aus dem Zinskeller heraus, um ihre Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Die hohen Verbraucherpreise belasteten Familien besonders schwer.

Die Inflationsrate war zuletzt mit 7,9 Prozent so hoch wie seit 40 Jahren nicht mehr, was die Verbraucher an Tankstellen und Supermärkten zu spüren bekommen. Die Folgen des Krieges in der Ukraine dürften für weiteren Auftrieb sorgen.

Sollte sich die Fed zu einem großen Schritt entschließen, wäre dies ein seit Jahrzehnten nicht mehr gesehenes Vorgehen: Zuletzt hob sie im Mai 2000 den Schlüsselzins um einen halben Prozentpunkt auf damals 6,5 Prozent an.

Fed-Chef Jerome Powell hat einen ähnlich großen Schritt für die Zukunft nicht ausgeschlossen: „Falls wir zu dem Schluss kommen, dass es angemessen wäre, die Zinsen schneller zu erhöhen, werden wir es tun“, betonte Powell.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%