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Geschäftsjahr 2014 Ein Jahr der Rekorde – aber nicht für alle

Blickt man auf den deutschen Leitindex, sieht man viel Licht und viel Schatten. Während unter dem Strich fabelhafte Nettogewinne verzeichnet werden, erreicht fast die Hälfte der Dax-Unternehmen angepeilte Ziele nicht.

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Für sie geht es langsam, aber mühsam nach oben: Der Lanxess-Vorstandsvorsitzende Matthias Zachert (links) und Finanzvorstand Bernhard Düttmann bei der Bilanzpressekonferenz. Quelle: dpa

Frankfurt Mit 67,645 Milliarden Euro haben Deutschlands 30 größte börsennotierte Unternehmen 2014 den zweithöchsten Nettogewinn in ihrer Geschichte eingefahren. Was nach viel Geld klingt, relativiert sich: Der iPad-Hersteller Apple und der Ölmulti Exxon verdienten 2014 so viel wie alle Dax-Konzerne zusammen.

Deutschlands Gewinnkönig bleibt VW. Starke Zuwächse in den Schwellenländern – in China verkauft VW jedes dritte Auto – und den USA glichen Schwächen in Europa mehr als aus. Auch die Limousinen von Daimler und BMW verkauften sich glänzend. Insgesamt steuerten die drei Autobauer mit 23,6 Milliarden Euro gut ein Drittel des Gesamtgewinns aller 30 Konzerne bei.

Mehr Klasse, weniger Masse: Die meisten Unternehmen verdienten 2014 mehr, ohne jedoch nennenswert mehr Produkte zu verkaufen, darunter BASF, Henkel und Siemens. Insgesamt erhöhten die Dax-Konzerne ihre Umsätze nur schwach um 2,6 Prozent auf 1,3 Billionen Euro. Weil der Nettogewinn stark um 14,6 Prozent stieg, legte die wichtige Nettoumsatzrendite rasant von 4,5 auf 5,0 Prozent zu.

Die Unternehmen wirtschafteten also profitabler. Grund dafür sind effizientere Arbeitsabläufe, Sparprogramme und die stärkere Hinwendung zum Kunden als Folge der Globalisierung: Vor Ort zu produzieren ist preiswerter, weil die Löhne in den meisten Absatzländern niedriger sind und Transportkosten entfallen.

Zweiklassen-Gesellschaft: Der Autobauer BMW, der Zulieferer Conti und der Pharmaspezialist Fresenius verdienten so viel wie noch nie in ihrer Firmengeschichte. Der Softwareriese SAP und der Markenkonzern Henkel verfehlten ihren Rekordgewinn nur knapp. Doch die Schattenseite ist groß: Elf Unternehmen sind mehr als 50 Prozent von ihren besten Zeiten entfernt, am weitesten Eon. Der Versorger bilanzierte nach Abschreibungen auf unrentable Kraftwerke einen Nettoverlust von 3,16 Milliarden Euro. Auch Thyssen-Krupp, Lufthansa und die Deutsche Bank erlebten schon sehr viel bessere Zeiten. Gründe dafür sind die Suche nach einem neuen Geschäftsmodell, Überkapazitäten, ein harter Wettbewerb oder eine fehlende Strategie.


Ziel erreicht: Lanxess ist aus den roten Zahlen heraus

Lanxess ist 2014 zwar in die Gewinnzone zurückgekehrt und weist bei acht Milliarden Euro Umsatz ein Nettoergebnis von 47 Millionen Euro aus – gegenüber 159 Millionen Euro Verlust im Vorjahr. Seine grundlegende Schwächephase hat er damit aber noch nicht überwunden. „Das Wettbewerbsumfeld bleibt eine Herausforderung, insbesondere im Kautschukbereich“, sagte Firmenchef Matthias Zachert. Für 2015 stellt er ein Ebitda auf dem Vorjahresniveau von 808 Millionen Euro in Aussicht. Gleichzeitig hat er jetzt die zweite Stufe seines Umbauprogramms gestartet. Er will in diesem Zuge eine Anlage für EPDM-Kautschuk in Marl mit 120 Mitarbeitern schließen sowie Kapazitäten in Frankreich und Brasilien kürzen. Lanxess reagiert damit auf erhebliche Überkapazitäten im Kautschukbereich.

Heidelberg Cement findet dagegen nach jahrelangem Schuldenabbau zurück zu alter Stärke. „Wir befinden uns in der besten Verfassung der letzten 15 Jahre“, sagte Unternehmenschef Bernd Scheifele bei der Bilanzvorstellung. 2007 hatte der größte deutsche Baustoffhändler kurz vor der Finanzkrise den britischen Konkurrenten Hanson gekauft und über 14 Milliarden Euro Schulden. Heute sind es nur noch 5,6 Milliarden. Dank verringerter Zinslast und höherer Ertragskraft erwartet Heidelberg Cement, in den kommenden Jahren jeweils eine halbe Milliarde Euro mehr Cashflow zu erwirtschaften. Die gute US-Konjunktur und der niedrige Ölpreis stimmen Scheifele optimistisch, 2015 den Umsatz von 12,6 Milliarden Euro und das operative Ergebnis von 1,6 Milliarden Euro jeweils zweistellig zu steigern.

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