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Geschäftsmodell Datenanalyse Die Verschmelzung der Welten

Die Digitalisierung der produzierenden Industrie steht erst am Anfang. Kein IT-Konzern kann die ganze Bandbreite abdecken. Das führt immer wieder zu neuen Allianzen – selbst mit hartnäckigen Wettbewerbern.

Der Vorteil für die Industrie: Mit solchen Dienstleistungen lässt sich langfristig mehr und dauerhaft Geld verdienen als mit dem einmaligen Verkauf einer Maschine.

Wuchtig liegt es da auf dem Stand von Microsoft, übermannsgroß. Vorn die riesigen Turbinenschaufeln, die Seiten überziehen Kabel, Schläuche und dünne Rohre wie feines Nervengeflecht. Das jüngste Rolls-Royce- Triebwerk für den A350 von Airbus ist ein echter Hingucker auf der diesjährigen Hannover Messe. Doch die XWB-84 ist nicht nur in der Lage, im Doppelpack gut 300 Passagiere in die Luft zu hieven und über Stunden zu transportieren, die Turbine liefert dabei jede Menge Daten. Informationen, die für den britischen Triebwerksbauer und seine Kunden immer wichtiger werden.

„Fluggesellschaften hassen nichts mehr als Überraschungen“, sagt Mark Goodhind, bei Rolls Royce für den Datenservice zuständig. Die Analyse des permanenten Informationsstroms verhindert genau das – ein Komplettausfall soll damit ausgeschlossen werden. Gibt es Unregelmäßigkeiten, fallen die sofort auf. Das nächste Serviceintervall bestimmt nicht mehr ein starrer und vorgegebener Zeitplan, sondern das Triebwerk selbst. Aus den Daten wird errechnet, wann die Unterbrechung in den Ablauf passt und wo dann Wartungs-Kapazitäten frei sind. Das alles optimiert den Einsatz des Flugzeugs und senkt die Kosten. „Ein Flugzeug verdient ja nur Geld, wenn es in der Luft ist“, sagt Goodhind.

Als Partner für die Speicherung und Analyse der Daten hat sich Rolls Royce den US-Softwaregiganten Microsoft an Bord geholt. „Die haben viel mehr Erfahrung damit als wir“, sagt Goodhind. So lässt sich in der Cloud von Microsoft auch anhand von Wetterprognosen und laufend übermittelten Daten anderer Flieger exakt berechnen, wie viel Sprit der Airbus für seinen Flug an Bord nehmen sollte, einschließlich Sicherheitsreserve. In der Vergangenheit wurde das eher anhand von Erfahrungswerten entschieden. „Jedes Kilo Gewicht, das ein Flugzeug nicht mitnehmen muss, spart der Fluggesellschaft richtiges Geld“, sagt Goodhind.

Welche Roboter unseren Alltag erobern
Johanna Wanka Quelle: dpa
Roboter YuMi Quelle: ABB
Schunk Fünf-Finger-Hand Quelle: Schunk GmbH & Co. KG
DLR IPS-Box Quelle: DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik (CC-BY 3.0)
Smart Home Quelle: Hager
Fraunhofer Dedave Quelle: Fraunhofer IOSB
AMFIS Quelle: Fraunhofer IOSB

Überall bietet die Industrie inzwischen diese neuen Geschäftsmodelle rund um die Datenanalyse an. Der Vorteil für sie: Mit solchen Dienstleistungen lässt sich langfristig mehr und dauerhaft Geld verdienen als mit dem einmaligen Verkauf einer Maschine. Auch der Kunde profitiert: Er kann seine Anlagen optimal einsetzen, erhöht dadurch die Produktivität und spart Kosten.

Der Einsatz von IT- und Software macht dabei den Unterschied. Schon jetzt trägt das digitale Element rund ein Drittel der Wertschöpfung einer Maschine bei, ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. „Die Hardware wird zum Container für Software“, sagt Frank Riemensperger, Deutschlandchef von Accenture und Präsidiumsmitglied des Branchenverbands der digitalen Wirtschaft, Bitkom. „Alles Physische was künftig durch Software ersetzt werden kann, wird auch ersetzt werden.“

Der Markt muss sich zurechtruckeln

Nicht umsonst sind auf der Hannover Messe inzwischen IT-Und Software-Konzerne großflächig vertreten. Da die Digitalisierung der produzierenden Industrie erst am Anfang steht, kann jedoch kein IT-Konzern die ganze Bandbreite abdecken. Das führt immer wieder zu neuen Allianzen, selbst mit hartnäckigen Wettbewerbern.

„Wir machen inzwischen 97 Prozent unseres Geschäfts mit Partnern“, sagt der Deutschland-Chef des Netzwerkspezialisten Cisco, Oliver Tuszik. „Unsere Produkte sind zwar leistungsfähig, bieten allein aber nicht den Wert, den der Kunde sucht. Das ist dann der Job der Partner.“ Doch nicht nur die IT- und Software-Spezialisten rangeln um die beste Ausgangsposition bei der Digitalisierung der Wirtschaft, auch Telekom-Konzerne wie AT&T oder die Deutsche Telekom bieten Plattformen, Cloud-Dienste und sichere Datenleitungen an.

Zurück in die Zukunft
Wenn so viele Unternehmen aus Maschinenbau, IT und der Autobranche zusammenkommen, ist auch die Politik nicht weit. Auf der Hannover Messe gehören Forschungsministerin Johanna Wanka (links) und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel zu den Stammgästen. Da die USA Partnerland der diesjährigen Messe sind, sind die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen TTIP nochmals auf die Agenda gerückt. Gabriel machte in Hannover nochmals seine Bedingungen deutlich, ansonsten könne TTIP auch noch scheitern. Quelle: dpa
Volkswagen zeigt an seinem Stand nicht nur, wie sich die Wolfsburger die Produktion und den Arbeitsplatz der Zukunft vorstellen. Die Digitalisierung ermöglicht auch immer genauere Fahrsimulatoren – wie die Messebesucher selbst erfahren können. Quelle: dpa
Dieser Demonstrator am Kuka-Stand zeigt, wie der Roboterarm, der auf einem fahrbaren Tisch montiert ist, mit anderen Maschinen zusammenarbeiten kann. In diesem Fall ist es eine Kreissäge, die Holzlatten zuschneidet. Die Herausforderung ist, dass Säge und Roboter sich verstehen, obwohl sie von unterschiedlichen Herstellern kommen. Auch die Sicherheit spielt eine entscheidende Rolle: Der Roboter ist nicht mehr in einen Käfig eingesperrt, sondern kann auch direkt mit Menschen zusammenarbeiten – indem er etwa die zurechtgesägten Holzteile anreicht. Quelle: dpa
Die Firma BionicRobotics will demonstrieren, wie feinfühlig ihr Roboter arbeiten kann. Die Herausforderung ist weniger die Anpassung der Griffkraft, damit das Ei nicht zerdrückt wird. Vielmehr geht es darum, dass die Maschine eigenständig erkennt, wie die Eier in dem Korb im Hintergrund genau liegen und wie sie bestmöglich zu greifen sind. Für einen Menschen trivial, für einen Roboter allerdings (noch) nicht. Quelle: dpa
Mehr als eine Nummer größer geht es am Stand von Enercon zu. Der Windkraftanlagen-Generator E-115 des Unternehmens aus dem ostfriesischen Aurich wird von Rotoren mit 115 Metern Durchmesser angetrieben – komplett montiert hätte die Anlage nicht in die Messehalle gepasst. Die Nabe, in der die drei Herren in der Bildmitte knien, ist mindestens in 92 Metern Höhe angebracht. Quelle: dpa
Der DeLorean DMC-12 ist eines der Kult-Autos der 1980er Jahre. Bekannt wurde er mit dem Film "Zurück in die Zukunft". Für den Stecker-Spezialisten Phoenix Contact ist das Grund genug, den DeLorean als Demonstrator für seine Elektro-Lade-Vision der Zukunft zu nutzen – auch wenn das bei einem ursprünglich von einem V6-Benziner angetriebenen Sportwagen etwas gewollt wirkt. Wie dem auch sei: Außen ist der in Hannover ausgestellte DeLorean nicht mehr ganz im Serien-Zustand, sondern dem Auto aus dem Film nachempfunden. Quelle: dpa
Selbiges gilt auch für den Innenraum. So hat man sich in den Achtzigern eine Zeitmaschine vorgestellt, nicht ein zeitgemäßes Autocockpit. Quelle: dpa

So gab der Aufzugshersteller Otis in Hannover eine Kooperation mit AT&T und Microsoft bekannt, um Daten für eine vorausschauende Wartung auswerten zu können. Diesen Service hat Konkurrent Thyssen-Krupp schon Ende vergangenen Jahres in den USA installiert – Partner auch hier Microsoft. Für den Bau einer Infrastruktur-Plattform haben sich Intel, Cisco und der Telekom-Ausrüster Ericsson zusammengefunden. Ist so ein Projekt einmal installiert, enden meist auch die Allianzen.

Für Experten wie Riemensperger sind solche Kooperationen auch Ausdruck für einen Markt, der sich erst findet. „Ein klarer Gewinner ist nicht absehbar“, sagt er. „Der Markt muss sich erst zurechtruckeln, das wird noch drei bis fünf Jahre dauern.“ Spätestens dann werde allerdings eine Konsolidierungswelle einsetzten: „Derzeit gibt es über 100 verschiedene IoT-Plattformen, viele sind aber redundant. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle überleben werden.“

Die Nominierten für den "Oscar der Ingenieure"
Hermes Award Preisübergabe mit Johanna Wanka Quelle: PR
BLOCK Transformatoren-Elektronik GmbH, Verden Quelle: PR
DDM Systems, Atlanta, GA, USA Quelle: PR
Harting IT Software, Espelkamp Quelle: PR
ITM Power, South Yorkshire, Großbritannien Quelle: PR
J. Schmalz GmbH, Glatten Quelle: PR

Riemensperger ist jedoch davon überzeugt, dass es im Industriebereich nicht zu einer entsprechenden Konzentration und Dominanz einzelner IT- und Internet-Konzerne wie im Konsumentenbereich mit Amazon und Google kommen wird. „Dafür ist in der produzierenden Industrie zu viel Spezial-Know-how gefragt“, sagt er. Eine beruhigende Nachricht für all die, die auch beim industriellen Internet immer wieder nervös schauen, was denn eigentlich Google macht.

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