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Greensill-Krise Monheim, Osnabrück, Emmerich: Deutschen Städten drohen 58 Millionen Euro Verlust

Der Niedergang der Greensill-Bank könnte für einige Deutsche Städte teure Folgen haben. Am meisten Geld steht für Monheim am Rhein auf dem Spiel.

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Rund 14 Millionen Euro Verlust drohen der Stadt in Niedersachen. Quelle: Gerald Haenel/laif

Die Zahl der durch die Schließung der Bremer Greensill Bank AG betroffenen Städte in Deutschland weitet sich aus. Nach Monheim am Rhein haben sich am Freitag nun auch Osnabrück und Emmerich am Rhein als weitere mögliche Greensill-Opfer offenbart.

Osnabrücks Finanzvorstand Thomas Fillep erklärte, dass die Stadt rund 14 Millionen Euro bei der Bremer Bank angelegt habe. Die Stadt Emmerich hat ihrerseits rund sechs Millionen Euro bei der Privatbank liegen. Monheim am Rhein drohen 38 Millionen Verlust.

Die Greensill Bank ist der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken zugeordnet und dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken angeschlossen. Gebietskörperschaften wie Städte sind allerdings explizit von Entschädigungen ausgenommen. Private Sparer sind dagegen durch die zuständige Einlagensicherung geschützt.

„Wenn es tatsächlich zu einer Insolvenz der Bank kommt, müssen wir befürchten, dass der allergrößte Teil des Geldes weg ist. So ehrlich muss man sein“, gestand der Emmericher Bürgermeister Peter Hinze ein.

Die Greensill Bank war diese Woche von der Aufsicht geschlossen worden. Die Bafin hatte in einer forensischen Sonderprüfung festgestellt, dass das Institut nicht in der Lage ist, den Nachweis über die Existenz von einigen bilanzierten Forderungen zu erbringen. Die Behörde ordnete daraufhin ein Moratorium an, um die Vermögenswerte zu sichern.

Über die Aufsichtsarbeit der Behörde, die derzeit wegen Versäumnissen vor dem Kollaps der Wirecard AG in der Kritik steht, bahnt sich in Sachen Greensill Bank eine weitere Debatte an. Nachdem gestern bereits der Bankenverband leise Kritik anklingen ließ, wurde der Osnabrücker Kämmerer heute deutlich.

Wenn die Bafin „die kommunalen Kunden der Bank über die Sonderprüfung aufgrund des mittlerweile bestätigten Anfangsverdachts des Bilanzbetrugs informiert hätte, dann hätten zumindest wir dort Mitte November keine 11,5 Millionen Euro eingelegt“, sagte Fillep.

Bafin seit über einem Jahr über Probleme informiert

Der Bankenverband hatte am Donnerstag erklärt, sein Prüfungsverband habe die Bafin bereits Anfang 2020 auf Probleme der Greensill Bank hingewiesen. Diese habe sich nicht an Regeln des Verbands gehalten. Insbesondere hätte die Greensill Bank das Geschäft zu schnell ausgeweitet. Alleine im Jahr 2019 hatte sich die Bilanzsumme der Bank fast versechsfacht auf 3,8 Milliarden Euro.

Die Bafin sieht bei sich keine Fehler. Sie habe „bereits 2020 entschlossen und tatkräftig gehandelt“ und eine forensische Sonderprüfung initiiert, sagte ein Sprecher. Nach dem Beginn der Prüfung im September habe man bald eigene Maßnahmen erlassen wie etwa einen Sonderbeauftragen einzusetzen.

Der australischen Finanzier Lex Greensill und sein gleichnamiger Konzern gerieten diese Woche aus der Spur, nachdem Zweifel am Wert der von ihm vermittelten Lieferkettenfinanzierungen aufkamen. In solche Finanzierungen waren auch Einlagen der Greensill Bank gewandert.

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