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Größtes deutsches Geldhaus Die fünf wichtigsten Punkte zum Geschäftsausblick der Deutschen Bank

Die Aktionäre der Deutschen Bank sind leidgeprüft. Auch der Geschäftsbericht dämpft die Zukunftshoffnungen. Der Ausblick in der Analyse.

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Deutsche Bank: Die fünf wichtigsten Punkte zum Geschäftsausblick Quelle: dpa

Frankfurt Wirklich glücklich wird der Geschäftsbericht der Deutschen Bank die leidgeprüften Aktionäre nicht machen. Zwar verspricht Vorstandschef John Cryan nach drei Jahren mit Verlust wieder einen Gewinn. Aber allzu berauschend wird der wohl nicht ausfallen. Hier die wichtigsten Punkte zum Ausblick auf das laufende Jahr.

Die gute Nachricht zuerst: „Wir bekräftigen unser Ziel, für das Jahr 2018 wieder einen Nettogewinn und eine wettbewerbsfähige Ausschüttung zu erreichen“, betont der Vorstandschef. „Wir haben inzwischen die Grundlage dafür geschaffen, das Potenzial unserer Bank wieder auszuschöpfen.“ Aber die Grundlage schaffen, heißt eben noch nicht, dass das Potenzial auch tatsächlich ausgeschöpft wird, zumindest nicht in diesem Jahr.

Eigenkapitalrendite:
Für 2018 rechnet die Bank zwar mit höheren Erträgen im Vergleich zum Vorjahr, aber die Eigenkapitalrendite wird sich den Prognosen zufolge „nur moderat verbessern“. Die Analysten sagen im Schnitt für 2018 einen Nettogewinn von 1,6 Milliarden Euro voraus und eine Eigenkapitalrendite von mageren 2,9 Prozent. Zum Vergleich: Nach dem Ende des Umbaus will Cryan einen Wert von zehn Prozent erreichen.

Der Geschäftsbericht zeigt auch, dass die Bank 2017 tiefer in die roten Zahlen gerutscht ist als zunächst angenommen. Im testierten Jahresabschluss weist der  Dax-Konzern 735 Millionen Euro Verlust aus. Anfang Februar hatte die Bank anhand vorläufiger Zahlen von 497 Millionen Euro Verlust für das vergangene Jahr berichtet. Hauptgrund für die Abweichung sei ein einmaliger Buchungseffekt bei Steueransprüchen in Großbritannien.

Kosten:
Ein Grund für die schwache Rendite ist, dass sich die Bank in ihrem Geschäftsbericht endgültig von ihrem ursprünglichen Kostenziel verabschiedet hat. Im März 2017 hatte das Geldhaus ein Ziel von 22 Mrd. Euro für die bereinigten Kosten für dieses Jahr angekündigt. Darin waren 900 Millionen Euro Einsparungen durch Unternehmensverkäufe enthalten. Davon haben sich einige verzögert, einige wurden ganz ausgesetzt. Deshalb geht die Bank jetzt von Kosten von 23 Milliarden Euro aus.

Außerdem rechnen Cryan und seine Kollegen mit deutlich höheren Aufwendungen für faule Kredite und mit einer höheren Belastung durch Rechtsstreitigkeiten als im Vorjahr. Die Analysten gehen im Schnitt davon aus, dass die Deutsche Bank 2018 knapp 88 Cent ausgeben muss, um einen Euro einzunehmen. Die besten europäischen Banken kommen bei der so genannten Cost-Income-Ratio auf Werte zwischen 50 und 60 Prozent.

Investmentbanking:
Zumindest im wichtigen Investmentbanking verspricht die Deutsche Bank etwas Besserung. Im vergangenen Jahr gehörte vor allem das Abschneiden der Händler zu den großen Enttäuschungen, was vor allem an den geringen Kursschwankungen an den Märkten lag. Weil die Ausschläge ausblieben, hatten die Kunden keine Lust, größere Wetten einzugehen.

Anfang dieses Jahres ist die Volatilität an die Märkte zurückgekehrt. Deshalb rechnet das Geldhaus in seiner einstigen Paradedisziplin, dem Handel mit Anleihen, Devisen und Derivaten, mit einem Anstieg der Einnahmen. Auch bei der Beratung von Wertpapierplatzierungen und Übernahmen sagt die Bank solide Erträge voraus, die allerdings wohl nicht über den Spitzenwerten von 2017 liegen werden.

Privatkunden:
Hier rechnet die Bank mit weitgehend stagnierenden Einnahmen. 2017 profitierte das Geldhaus von einer Reihe von Sondereffekten, die sich nicht wiederholen werden. Dieser Effekt sollte aber durch höhere Provisionseinnahmen weitgehend ausgeglichen werden.

Asset Management:
Ausgerechnet im Jahr des Börsengangs erwartet die Fondstochter der Deutschen Bank sinkende Einnahmen. Im Geschäftsbericht heißt es, dass die DWS für 2018 zwar einen Anstieg des verwalteten Vermögens erwartet, die Einnahmen aber dennoch leicht unter dem Vorjahr liegen dürften. Ein Grund dafür: Die teilweise heftigen Kursturbulenzen der vergangenen Wochen haben die Wertentwicklung der DWS-Fonds gebremst. Deshalb werden weniger an die Performance gekoppelte Gebühren fließen.

Im vergangenen Jahr erreichte die DWS Einnahmen von 2,5 Milliarden Euro, der Nettogewinn kletterte auf 633 Millionen Euro von 452 Millionen Euro im Vorjahr. 2018 sei parallel mit dem erwarteten Einnahmeminus auch beim Ergebnis ein leichtes Minus möglich, hieß es in Finanzkreisen. Am 23. März soll die DWS an die Börse kommen. Die Deutsche Bank will sich von 20 bis 25 Prozent ihrer Anteile trennen und erhofft sich davon bis zu 1,8 Milliarden Euro.

Alles in allem haben sich die Aktionäre sicher mehr Optimismus versprochen. 2018 droht erneut ein äußerst zähes Jahr für die Deutsche Bank und ihr Top-Management zu werden.

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