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Großbanken Fusionsgerüchte treiben die Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank

Neben der Bundesregierung scheinen inzwischen auch die Führungsebenen der beiden Geldhäuser einer Fusion offen gegenüber zu stehen.

In Frankfurt stehen die Zentralen von Commerzbank und Deutscher Bank schon nah beieinander. Ob eine Fusion folgt? Quelle: dpa

FrankfurtSpekulationen über eine Fusion von Commerzbank und Deutsche Bank haben die Aktien der beiden Geldhäuser am Dienstag in die Höhe getrieben. Nach einem Bericht des „Spiegel“ kann sich mittlerweile nicht nur die Bundesregierung eine Fusion der beiden Großbanken vorstellen.

Auch die Führungszirkel der beiden Finanzinstitute um Deutsche-Bank-Boss Christian Sewing und Commerzbank-Chef Martin Zielke seien dafür durchaus offen. Deutsche Bank, Commerzbank und Bundesfinanzministerium lehnten eine Stellungnahme ab. Die zuletzt arg gebeutelten Papiere der beiden Geldhäuser legten zu.

Die Commerzbank-Aktie gewann in der Spitze vier Prozent, die Titel der Deutschen Bank ein Prozent. Zuletzt notierte die Aktie der Commerzbank noch 2,3 Prozent im Plus, das Papier der Deutschen Bank 0,6 Prozent.

Seit Jahren kochen regelmäßig Spekulationen über einen Zusammenschluss der beiden größten deutschen Privatbanken hoch. Zuletzt hatten die beiden Institute Mitte 2016 Chancen eines Zusammengehens ausgelotet. Dieser sogenannte „Sommerflirt“ war damals aber schnell wieder beendet worden. Beide kamen bald zu dem Schluss, dass sie ihre Institute zunächst einmal aufräumen müssen, bevor sie über weitergehende Schritte nachdenken können.

Laut dem „Spiegel“-Bericht hält der neue Deutsche-Bank-Chef Sewing an dieser Position fest. In den nächsten 18 Monaten sei eine Fusion kein Thema, habe er intern gesagt. Zunächst müsse man die immer noch nicht abgeschlossene Integration der Postbank verdauen und nun endlich komplett in den Konzern eingliedern will. Zudem läuft noch ein Kostensparprogramm, das die Bank sanieren soll.

Commerzbank-Chef Zielke sei dagegen aufgeschlossener für das Vorhaben. „Zielke würde lieber heute als morgen“, zitierte das Magazin einen Insider.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte Ende August beim Bankengipfel des Handelsblatts in Frankfurt gesagt, es sei ein Problem für eine große Volkswirtschaft wie die deutsche und auch für die Europäische Union, dass die Institute nicht die notwendige Größe haben, um die Wirtschaft zu begleiten. „Denn das bleibt ja so, dass der Erfolg unserer Wirtschaft, auch der Exporterfolg zum Beispiel der deutschen Wirtschaft, davon abhängt, dass sie global tätig ist.“

Der Staat hat bei der Commerzbank ein gewichtiges Wort mitzureden, da er nach der Rettung des Instituts in der Finanzkrise immer noch 15,6 Prozent besitzt. Ein Ausstieg zum jetzigen Zeitpunkt wäre für den Bund voraussichtlich mit Milliardenverlust verbunden.

Der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick hatte nach Scholz' Worten erklärt, mit seinen Aussagen bereite der Finanzminister die Öffentlichkeit auf eine Großfusion vor und gleichzeitig vor einem solchen Schritt gewarnt. „Offenbar hat unser Finanzminister vergessen, dass zu große Banken zwangsläufig ihre Risiken auf die Steuerzahler auslagern, weil sie im Ernstfall von den Steuerzahlern rausgehauen werden müssen“, sagte Schick vergangen Woche.

Analysten bleiben skeptisch

Auch Experten äußern ihre Zweifel. Der Analyst Stuart Graham von Autonomous Research verwies auf der Bankenkonferenz Ende August auf die bisherige Bilanz von Bankenfusionen in Deutschland. Wohl kaum jemand würde die Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank oder der Dresdner Bank durch die Commerzbank als Erfolg bezeichnen, sagte er.

An der Börse fände eine Fusion der beiden Geldhäuser dennoch ihre Befürworter. „Besser eine starke Bank aus Deutschland, als zwei schwache Geldhäuser“, sagte ein Händler. „Eine Fusion der Deutschen Bank und der Commerzbank wäre eine logische Konsequenz aus der aktuellen Lage der Branche in Deutschland“, sagte ein zweiter.

An den internationalen Finanzmärkten sind die beiden Banken nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Commerzbank muss am 24. September ihren Platz im Leitindex Dax räumen, die Deutsche Bank fällt dann aus dem europäischen Leitindex EuroStoxx50.

Die Deutsche Bank kam zwar ohne Geldspritze durch die Krise, hat aber seitdem Probleme über Probleme. Vor allem das Investmentbanking schwächelt so stark, dass der neue Chef Sewing seinem Haus eine radikale Schrumpfkur verordnete, der auch tausende Jobs zum Opfer fallen werden.

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