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Großinvestor Cerberus Insidern zufolge nicht mehr Berater der Deutschen Bank

Das umstrittene Beratungsmandat des Großaktionärs soll Insidern zufolge auslaufen. Cerberus stand wegen seiner Doppelrolle zuletzt in der Kritik.

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Cerberus Insidern zufolge nicht mehr Berater der Deutschen Bank Quelle: Reuters

Der Großaktionär Cerberus agiert einem Insider zufolge künftig nicht mehr als Berater der Deutschen Bank. Das umstrittene Beratungsmandat laufe aus, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Deutschlands größtes Geldhaus hatte die Beratungssparte des Finanzinvestors angeheuert, um der Bank dabei zu helfen, die Kosten zu drücken und neue Gewinnquellen zu erschließen.

Die im Sommer 2018 bekanntgewordene Doppelrolle von Cerberus als Großaktionär und Berater hatte bei anderen Investoren und auch in Teilen der Bank für Kritik gesorgt. Schließlich ist Cerberus seit Ende 2017 mit einem Anteil von drei Prozent einer der größten Aktionäre des Geldhauses.

Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte, die Beratungssparte von Cerberus sei seit Mitte 2018 eine große Unterstützung gewesen. Die Cerberus Operations and Advisory Company habe der Bank geholfen, den tiefgreifenden Konzernumbau auf den Weg zu bringen. „Nun geht es um die Umsetzung“, sagte der Sprecher.

Im Juli hatte die Deutsche Bank einen Radikalumbau angekündigt: Aus dem verlustreichen Investmentbanking zieht sich das Geldhaus größtenteils zurück, weltweit fallen 18.000 Jobs weg, ein Fünftel der Bilanzrisiken wurden in eine Art interne „Bad Bank“ ausgelagert.

Damit will die Deutsche Bank die Rendite auf acht Prozent treiben. Doch der schärfere Gegenwind durch die niedrigen Zinsen und die Eintrübung der Konjunktur machen dieses Ziel ambitionierter, wie Sewing jüngst auf einem Investorentag eingestand.

Cerberus unterstütze die Entwicklungen, die unter der Leitung von Christian Sewing stattfinden, sagte ein Sprecher des Finanzinvestors. „Wir sind weiterhin zuversichtlich, dass sein Team den Restrukturierungsplan zur Verbesserung der finanziellen und operativen Leistung der Bank umsetzen kann.“

Das Cerberus-Team um den ehemaligen JP-Morgan-Manager Matt Zames half der Deutschen Bank unter anderem dabei, ihre vergleichsweise hohen Liquiditätsreserven gewinnbringender anzulegen. Schließlich kostet es die Bank wegen der Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld, wenn die Milliarden einfach bei der Notenbank geparkt werden.

Für die Beratungsleistung kassierte Cerberus 2018 einen einstelligen Millionenbetrag, wie Konzernchef Sewing auf der Hauptversammlung im Mai 2019 erläuterte. Für 2019 könne Cerberus mit einer ähnlichen Summe rechnen. Durchschnittlich seien fünf bis zehn Cerberus-Berater bei der Bank tätig.

Da Cerberus vertrauliche Informationen erhalten habe, unterliege der Finanzinvestor den einschlägigen gesetzlichen Verboten zum Insiderhandel, sagte Sewing damals weiter. Finanzkreisen zufolge darf Cerberus auch nach dem Ende des Beratervertrags für eine gewisse Zeit nicht mit Aktien der Deutschen Bank handeln. Danach steht dem Finanzinvestor diese Option wieder offen.

Das Investment in die Deutsche Bank hat sich für Cerberus bislang als Enttäuschung erwiesen. Seit dem Einstieg haben die Deutsche-Bank-Aktien mehr als die Hälfte an Wert verloren. Aus der Wette auf eine Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank, an der Cerberus mit fünf Prozent beteiligt ist, wurde vorerst nichts. Die Gespräche über einen Zusammenschluss der beiden größten deutschen Privatbanken scheiterten im Frühjahr.

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