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Gründerin des Netzwerks „Fondsfrauen“ Wie Anne Connelly für mehr Führungskräfte in der Finanzbranche sorgen will

Die ehemalige Deutschlandchefin des Analysehauses Morningstar möchte Frauen im Job fördern. Deshalb hat sie ein Finanzportal mit weiblichem Blick gegründet.

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Mit dem weiblichen Blick aufs Geld. Quelle: danielaprusina.pass.us/fondsfrauen

Frankfurt Der erste Eindruck ist klassisch feminin: hellblondes, langes Haar, strahlend blaue Augen, lippenstiftbetonter Mund, enges Kostüm, Pumps. Anne Connelly wirbt weiblich für mehr Frauen in jenem Bereich, in dem sie selbst seit Jahrzehnten arbeitet: in der Fondsbranche im deutschsprachigen Raum.

Ihre Mission leitet die Gründerin des Karrierenetzwerks „Fondsfrauen“ aus ihrem eigenen Weg ab. „Ich habe immer einfach mein Ding gemacht, mich aber gefragt: Wo sind die anderen Frauen?“, erzählt die 53-jährige ehemalige Deutschlandchefin des US-Analysehauses Morningstar.

Ihr Anliegen bei den Fondsfrauen: mehr Frauen in Führungspositionen der Fondsbranche zu bringen durch Vernetzen, Mentoring, Austausch. In Deutschland ist weniger als jeder zehnte Fondsmanager weiblich, in Führungspositionen sind Frauen noch rarer. „Männer in der Finanzbranche treten gern in den Wettbewerb, Frauen weniger“, sagt Connelly. Und in Deutschland kämen Mitarbeiter der Finanzbranche schon mal als arrogant rüber, weiß sie aus Erfahrung.

Im Jahr 2014 hat sie das Karrierenetzwerk in Deutschland gegründet, zusammen mit der Journalistin Anke Dembowski und der Managerin des Luxemburger Fondsanbieters LRI Invest, Manuela Fröhlich. Die Fondsfrauen „sind kein Prosecco-Klub“, betont die Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin Connelly. Das Netzwerk wird als GmbH geführt mit einer vierstelligen Zahl zahlender weiblicher Mitglieder, einer zweistelligen Zahl von Firmenpartnern und ähnlich vielen weiteren Förderern.

Das Netzwerk ist Connelly zufolge profitabel, sie bezieht als Geschäftsführerin ein Gehalt. Seit dem Jahr 2016 sind die Fondsfrauen auch in der Schweiz aktiv, seit März in Österreich. Konkrete Pläne für Luxemburg gibt es bereits. Die Treiberin hinter allem ist Connelly. „Anne ist eine Macherin“, lobt Mitgründerin Fröhlich. „Sie ist fokussiert, weiß, was sie will und findet sich nicht mit Dingen ab.“ Connelly stehe für einen modernen Typ Frau, der weiblich sei, emanzipiert und etwas erreichen wolle. Dabei sei man bei den Fondsfrauen „nicht gegen Männer“, so Fröhlich.

Geboren und aufgewachsen im osthessischen Hünfeld bei Fulda, machte Connolly zunächst eine Lehre als Industriekauffrau. Mitte der 80er-Jahre zog sie dann mit ihrem Mann, einem amerikanischen Studenten, nach Boston. Dort fasste sie im Marketing und Vertrieb der Fondsbranche Fuß. Zurück in Deutschland baute Connelly in den Neunzigerjahren für das US-Fondshaus Pioneer, heute eine Tochterfirma des französischen Vermögensverwalters Amundi, den hiesigen Vertrieb auf.

Ende der 90er-Jahre bekam sie einen Sohn und eine Tochter, arbeitete aber dennoch voll weiter, ebenso wie ihr Mann. „Für mich war mein berufliches Dasein immer wichtig“, sagt Connelly. Der Typ Rund-um-die-Uhr-Mutter sei sie nie gewesen. Eine Kinderfrau versorgte die Familie. Sie und ihr Mann hätten sich abends immer Zeit für die Kinder frei geräumt, erzählt die Fondsfrau. In den USA habe sie solche Familienmodelle kennen und schätzen gelernt. Im Jahr 2001 wurde es dann bei Morningstar als deutliches Plus gewertet, dass Connelly es geschafft hatte, Fondskarriere und Familienleben zu vereinen – sie bekam den Job als Deutschlandchefin.

Trotz eines respektvollen Umfelds habe es bei Morningstar schon auch Druck gegeben, Geschäft aufzubauen, erinnert sie sich. Nach neun Jahren übernahm Connelly bei dem US-Ratinghaus dann das Marketing für Europa, bevor sie sich 2016 ganz ihren übrigen Projekten widmete. Unter anderem sitzt sie bei der Fondstochter der Bayerischen Landesbank Bayern Invest im Aufsichtsrat, ein weiteres Mandat soll demnächst folgen.

„Anne ist eine begnadete Relationship-Managerin“, sagt Werner Hedrich, der eineinhalb Jahre nach Connellys internem Wechsel Deutschlandchef bei Morningstar wurde. Ihren Abgang beim Analysehaus erklärt Connelly damit, dass sie „immer schon lieber etwas Neues aufbauen wollte, als in einem großen Haus Geschäft zu verwalten“.

Ein weiteres Thema treibt die Finanzexpertin um: „Frauen und Geld“. Ihre Mutter sei unglücklich verheiratet gewesen, habe aber nicht mit Geld umgehen können, erzählt Connelly. Als Tochter habe sie beobachten müssen, wie die Mutter deshalb in ihrer Lebenssituation gefangen lebte. Auch heute kümmerten sich viele Frauen nicht selbst um ihre Finanzen, beklagt Connolly. Die mittlerweile selbst Geschiedene beobachtet oft, welche zusätzlichen Probleme dann etwa eine Trennung bringt.

Im vergangenen Jahr gründete Connelly daher das werbefinanzierte Internetportal „Hermoney“, über das sie Frauen mit Geldthemen vertraut machen will. Wichtig ist ihr dabei die Tonalität: Connelly skizziert typische Lebensphasen und empfiehlt dafür passende Finanzprodukte. „Frauen wollen nicht gleich mit Renditecharts bombardiert, sondern abgeholt werden“, meint sie. Missionieren wolle Connelly aber niemanden: „Ich werte nicht, wie jemand lebt, sage aber, regele deine Finanzen selbst.“

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