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Hannover Messe Aufschwungsjahr für den deutschen Maschinenbau

Dem deutschen Maschinenbau geht es so gut, dass er seine Wachstumsprognose um zwei Prozent erhöht. Nur Donald Trump könnte dazwischenfunken.

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Sorge bereiten den Herstellern weiter die Folgen des Brexit. Quelle: dpa

Hannover So gut ging es dem deutschen Maschinenbau schon lange nicht mehr. Verantwortlich dafür ist das boomende Exportgeschäft. Mehr als drei Viertel aller Güter werden ins Ausland verkauft. In diesem Jahr will die Branche ihre Produktion nun um fünf Prozent steigern. Bislang hatten die Hersteller ein Wachstum von drei Prozent angepeilt.

„Durch den hohen Export sind unsere Maschinen in Deutschland so ausgelastet, wie seit sechs Jahren nicht mehr“, verkündet der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) Carl Martin Welcker am Montag auf der Hannover Messe.

Die bis zum 27. April dauernde Hannover Messe – verknüpft mit der Logistik-Messe Cemat – soll den neuesten Stand bei Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsabläufen (Industrie 4.0) abbilden. Mehr als 5000 Aussteller aus 75 Ländern stellen neue Produkte und Technologien rund um die Zusammenarbeit von Robotern und Menschen, künstliche Intelligenz sowie die Vorbereitung der Stromnetze auf die E-Mobilität vor.

Bereits auf der Eröffnungsfeier am Vorabend richteten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Mexikos Präsident Enrico Pena Nieto einen Appell für den Freihandel. Auch Welcker sieht im aufkommenden Nationalismus und dem drohenden Handelskrieg zwischen den USA und China das größte Risiko für den deutschen Maschinenbau.

„Über all den positiven Aussichten schwebt das Damoklesschwert des aktuellen Handelskonflikts, dessen Auswirkungen heute noch nicht abschätzbar sind“, warnt der VDMA-Präsident.

Am meisten gewachsen ist im vergangen Jahr das Ausfuhrgeschäft nach China. Nach einem Rekordjahr mit einem satten Plus von 23 Prozent, rechnet der Verband im kommenden Jahr allerdings mit einem moderateren China-Geschäft. Auch der Brexit wird schon in diesem Jahr spürbar für den deutschen Maschinenbau. Bereits 2017 gingen die Exporte nach Großbritannien um drei Prozent zurück, für das laufende Jahr schließt der VDMA sogar ein Minus in zweistelliger Größenordnung nicht aus. „Der Brexit wird deutliche Spuren hinterlassen“, prognostiziert Welcker.

Trotzdem bleibt der deutsche Maschinenbau mehr als optimistisch. Das „dynamisch laufende USA-Geschäft und ein reger Inlandsumsatz“ werden den Rückgang im Handel mit Großbritannien und ein entschleunigtes China-Geschäft kompensieren, glaubt Welcker.

Alles steht und fällt mit den Handlungen von US-Präsident Donald Trump. Wenn sich die Amerikaner weiter von der Welthandelsorganisation (WTO) abwenden, droht in Welckers Augen die Gefahr, dass das „multilaterale Handelssystem weiter geschwächt wird.“

Das würde gerade den exportorientierten deutschen Maschinenbau hart treffen. Immerhin 1,35 Millionen Menschen arbeiten allein in Deutschland, 400.000 kommen noch einmal im Ausland dazu. Damit es erst gar nicht so weit kommt, fordert der VDMA-Präsident ein neues, schlankeres Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA. „TTIP Light“ wolle er es aber nicht nennen, wiegelt Welcker ab.

Das TTIP-Abkommen zwischen der EU und den USA liegt seit Mitte 2017 auf Eis. Nun aber werden Stimmen laut, die fordern, das Abkommen aus dem „Eisschrank“ zu holen. So formulierte es Holger Bingmann, Chef des Außenhandelsverbands BGA. Im Gegensatz zu China hat der US-Präsident die Europäer vorerst von Strafzöllen verschont, doch seine Drohung steht weiter im Raum. Um den Streit dauerhaft beizulegen, empfehlen TTIP-Befürworter eine Wiederaufnahme der Freihandelsgespräche.

Eine simple Wiedervorlage des Abkommens ist aber unwahrscheinlich – schon, weil TTIP für viele Bürger zum Reizwort geworden ist. „Ich halte wenig davon, an Namen festzuhalten, die mit ganz anderen Zusammenhängen verbunden sind", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) im März. Richtig sei aber, dass man mit den USA mehr Gespräche führen müsse, insbesondere zur Zollpolitik.

Das könnte bedeuten, dass zumindest jener Teil von TTIP reaktiviert wird, in dem es um so genannte tarifäre Handelshemmnisse wie Zölle oder Steuern geht. Durch Freihandelsabkommen werden Zölle weitgehend abgeschafft. Damit wäre auf einen Schlag ein wichtiger Grund für den Zorn von Trump entkräftet: Der Republikaner stört sich daran, dass die Europäer zum Teil deutlich höhere Zölle erheben als die Amerikaner - etwa auf Autos.

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