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Hannover Messe Merkel plädiert für freien Welthandel und lobt Mexiko

Auf der Hannover Messe spricht die Bundeskanzlerin über künstliche Intelligenz und die Bedeutung von freiem Welthandel – und kritisiert indirekt Donald Trump.

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Die Bundeskanzlerin bei ihrer Eröffnungsrede auf der Hannover Messe. Quelle: Reuters

Hannover Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Eröffnungsfeier der Hannover Messe für ein Plädoyer für den Freihandel genutzt. Kurz zuvor hatten sich die EU und Mexiko im Grundsatz auf ein neues Freihandelsabkommen geeinigt. Zudem sprach sich Merkel für höhere Investitionen in die Forschung und eine Bündelung der Kräfte beim Thema Künstliche Intelligenz aus.

Merkel kam zu Mariachi-Klängen mit Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto ins Kongresszentrum. Mexiko ist in diesem Jahr das Partnerland der weltgrößten Industriemesse. Ein Land also, in dem viele Autobauer produzieren und mit dem zum Beispiel Siemens im vergangenen Jahr ein umfangreiches Investitionsprogramm vereinbart hat.

Merkel sprach sich im Kuppelsaal des Kongresszentrums für eine Bündelung der Aktivitäten in Sachen Künstlicher Intelligenz aus. China und die USA seien auf diesem Gebiet hochaktiv. „Die sechs Monate Regierungsbildung dürfen nicht der Maßstab sein für die Geschwindigkeit, in der wir hier weiter arbeiten“, scherzte Merkel. Sie bekräftigte, dass die große Koalition die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bis 2025 auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigern will.

In diesem Jahr steht die Messe ganz im Zeichen der digitalen Vernetzung. Industriekonzerne wie Siemens und ABB, aber auch IT-Riesen wie Microsoft und SAP zeigen, wie sie sich die Weiterentwicklung der Industrie 4.0 vorstellen. „Fokussierung und Geschwindigkeit werden weiter eklatant steigen“, warnte Siemens-Chef Joe Kaeser zum Auftakt der Messe im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Und wir müssen mithalten, sonst werden uns andere überholen.“

Bei der Eröffnungsfeier warben die Redner für den Freihandel. Am Vortag hatten die EU und Mexiko im Grundsatz auf ein neues Freihandelsabkommen geeinigt. Dies wurde auch als Signal in Richtung von US-Präsident Donald Trump gewertet, der neue Mauern und Handelshürden in Richtung des südlichen Nachbars errichten will.

Für ihn hätte es 2018 kein besseres Partnerland geben können als Mexiko, sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker. Deutschland und Mexiko wüssten, dass Handel über die Grenzen hinweg Basis für Wachstum und Wohlstand seien. Wichtige Staaten aber schotteten sich zunehmend ab. „Jeder verliert, gleichgültig, ob links oder rechts der Mauer.“

Die Wirtschaft müsse Brücken bauen, wo andere sich abschotten. Auch Merkel sagte, Deutschland und Mexiko verträten gemeinsame Werte und Überzeugungen: „Wir treten für möglichst freien Welthandel ein.“ Sie zitierte Alexander von Humboldt: „Die gefährlichste Weltanschauung ist die derjenigen Leute, die die Welt nie angeschaut haben.“

Zum Auftakt des Abends hatte sich eine Akrobatin durch die in rotes Licht getauchte Kuppelhalle gehangelt – und durch die virtuelle Realität, die sich auf zahlreichen Bildschirmen synchron zu ihrer Performance bewegte. Nicht große Maschinen und Roboter, sondern Bits und Bytes. Das Motto der Hannover Messe in diesem Jahr lautet „Connect & Collaborate“, verbinden und zusammenarbeiten – so wie die Akrobatin, die bei ihrem Tanz eins zu werden schien mit der digitalen Welt. Allerdings betonte Merkel: „Hoffentlich können die Menschen immer etwas besser zusammenarbeiten als die Menschen.“

Nieto warb für Investitionen in seinem Land. Dieses hat seinen Auftritt in Hannover unter das Motto gestellt „México excede expectativas“ – frei übersetzt: Mexiko übertrifft alle Erwartungen. Damit ist erstmals ein spanischsprachiges Land Partner der Messe. Bei der digitalen Transformation liegt Mexiko nach eigener Einschätzung weltweit mit vorn. Mit Präsident Enrique Peña Nieto reiste eine 450-köpfige Delegation nach Hannover.

Im Mittelpunkt der Messe steht ab Montag die Digitalisierung – und wie Unternehmen, Politik und Gesellschaft damit umgehen müssen. Klaus Mittelbach, Geschäftsführungsvorsitzender des Branchenverbandes ZVEI sagte dem Handelsblatt, die Politik müsse sich noch stärker auf die neuen Herausforderungen einstellen. „Wir sehen, dass noch zuviel analoge Politik in digitalen Zeiten stattfindet.“ Insgesamt gehe die Branche aber „in hervorragender Stimmung“ in die Messe. Die Geschäfte laufen, Kunden müssen eher manchmal zu lange auf das bestellte Produkt warten, so gut sei die Fertigung bei vielen Unternehmen ausgelastet.

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