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Hauptversammlung ISS gegen Entlastung von Ex-Deutsche-Börse-Chef Kengeter

Der Stimmrechtsberater ISS geht hart mit Ex-Börsenchef Kengeter ins Gericht, aber unterstützt eine Wiederwahl von Chefkontrolleur Faber.

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Der neue Vorstandsvorsitzende der Deutsche Börse will in den nächsten zwei Jahren 100 Millionen Euro Kosten einsparen. Quelle: dpa

Frankfurt Als Aufsichtsratschef der Deutschen Börse hatte Joachim Faber im vergangenen Jahr wenig zu lachen. Erst wurde ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen Vorstandschef Carsten Kengeter bekannt, dann platzte die Fusion mit der London Stock Exchange (LSE). „Wir haben 2016 und 2017 viel gewagt, doch wir haben unsere Ziele nicht erreicht“, bilanzierte Faber später.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass der Stimmrechtsberater Glass Lewis und mehrere Investoren es kritisch sehen, dass sich der 67-Jährige auf der Hauptversammlung am 16. Mai für weitere drei Jahre wiederwählen lassen will. Doch im Ringen um eine neue Amtszeit kann Faber nun einen wichtigen Etappensieg feiern. Der einflussreiche Stimmrechtsberater ISS unterstützt eine Wiederwahl des früheren Allianz-Vorstands. Das geht aus der Empfehlung von ISS zur Hauptversammlung der Deutschen Börse hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Im Gegensatz zu Glass Lewis plädiert ISS auch dafür, Faber und seine Aufsichtsratskollegen zu entlasten.

Beim Vorstand sieht das in einem Fall anders aus. „Es ist angemessen, gegen die Entlastung des ehemaligen Vorstandschef Carsten Kengeter zu stimmen, da die Anschuldigungen wegen Insiderhandels im vergangenen Jahren schwerwiegender geworden sind“, heißt es in der ISS-Empfehlung. Darüber hinaus sei die Hauptversammlung in zwei Wochen die letzte Gelegenheit, „bei der die Aktionäre die Möglichkeit haben, Kengeter für mögliche Verfehlungen verantwortlich zu machen“. Auch Glass Lewis hatte sich gegen eine Entlastung Kengeters ausgesprochen.

Viele Fonds und Großanleger aus den USA und Großbritannien folgen bei ihren Abstimmungen auf Aktionärstreffen dem Rat von Stimmrechtsberatern wie Glass Lewis oder ISS. Die Deutsche Börse lehnte eine Stellungnahme zu den ISS-Empfehlungen ab.

Glass Lewis war in seiner Studie auch mit Faber hart ins Gericht gegangen. „Wir gehen davon aus, dass sich einige Aktionäre die Frage stellen werden, ob eine Wiederwahl von Aufsichtsratschef Joachim Faber für eine dreijährige Amtszeit in ihrem besten Interesse ist.“ Unter dem Strich sprach sich Glass Lewis angesichts zahlreicher Veränderungen im Aufsichtsrat und dem Tausch des Vorstandschefs zwar für eine Wiederwahl Fabers aus, um für Kontinuität zu sorgen. Der Stimmrechtsberater fordert jedoch auch, dass der von Faber geleitete Nominierungsausschuss unverzüglich damit beginnen müsse, einen Neuanfang zu planen, „um in der Lage zu sein, bei der Hauptversammlung 2019 einen Nachfolger für Herrn Faber vorzuschlagen“.

Mehrere Großaktionäre der Deutschen Börse tendieren dazu, Faber wiederzuwählen. Einige wünschen allerdings, dass er vorher erklärt, wie lange er noch an der Spitze des Kontrollgremiums stehen will. Faber hatte in Gesprächen mit Investoren Finanzkreisen zufolge angedeutet, dass er bereits vor dem Ablauf der dreijährigen Amtszeit an einen Nachfolger übergeben könnte. Doch einige Aktionäre haben inzwischen Zweifel, ob er sein Amt nach einer Wiederwahl tatsächlich vorzeitig aufgeben würde. Auf Fragen dazu habe Faber zuletzt ausweichend reagiert, sagt ein Investor – und fordert wie andere Aktionäre klare Ansagen.

„Die Debatte, ob Faber eine ganze Amtszeit am Ruder bleiben will oder nicht, ist unglücklich“, sagt auch Klaus Nieding, der Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Wir fordern, dass er sich spätestens auf der Hauptversammlung dazu eindeutig erklärt. Denn wir brauchen Klarheit, bevor wir zur Wahl schreiten.“

Faber steht besonders wegen der Insideraffäre in der Kritik. Er hatte mit dem Aufsichtsrat und mit Zustimmung der Aktionäre ein Vergütungsprogramm für Kengeter aufgelegt, das später ein Ermittlungsverfahren gegen den Vorstandsboss auslöste. Kengeter kaufte im Rahmen des Programms im Dezember 2015 Deutsche-Börse-Aktien – zwei Monate vor Bekanntwerden der Gespräche mit der Londoner Börse. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er damals schon über den Deal verhandelte.

Kengeter und Faber haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Wie das Verfahren ausgeht, steht in den Sternen.

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