Helmut Schleweis auf der Handelsblatt-Sparkassentagung Wie der neue Sparkassenpräsident seine Banken zukunftsfähig machen will

Helmut Schleweis, Chef des Sparkassen- und Giroverbands, beschwört das Regionalprinzip der Sparkassen und fordert Veränderungen, um die Marktstellung zu erhalten.

Der neue Sparkassenpräsident mahnt, die digitalen Banking-Angebote auszubauen, um „unsere Kunden nicht internationalen Internetgiganten auszuliefern“. Quelle: Marko Priske für Handelsblatt

BerlinEs sind immer wieder zwei Begriffe, die seine Rede durchziehen: Stärke und stark. Dutzendmal wiederholt Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), diese Worte in seinem Eingangsvortrag bei der Handelsblatt-Jahrestagung „Zukunftsstrategien für Sparkassen“. Er beschwört damit einen großen Vorteil des roten Bankenlagers: die Marktstellung mit rund 50 Millionen Privatkunden und drei Viertel aller deutschen Unternehmen, die zu den Sparkassenkunden zählen. „Das ist eine große Stärke und Verantwortung zugleich“, betont Schleweis. Und er macht schnell klar, dass die Institute sich darauf nicht ausruhen können, sondern weiterentwickeln müssen, um ihre Stärke zu behalten.

Es sind gleich vier Bereiche, die Schleweis dafür ausgemacht hat – darunter das einfache und sichere Bezahlen. Dazu zählen im Sparkassenkassenlager unter anderem Dienste wie „Kwitt“, mit dem man Geld von Mobiltelefon zu Mobiltelefon senden kann. 680.000 Kunden nutzen diese Möglichkeit bisher. Künftig soll sie auch anderen Kreditinstituten zur Verfügung gestellt werden, um „Kwitt“ als Marktstandard zu etablieren.

„Solche Standards aus der deutschen Kreditwirtschaft heraus sind wichtig, um unsere Kunden nicht internationalen Internetgiganten auszuliefern“, betont Schleweis. „Denn diese wollen eigentlich keinen Zahlungsverkehr anbieten, sondern die Zahlungsverkehrsgewohnheiten unserer Kunden ausforschen.“

Um das Bezahlen einfacher zu machen, werden die Sparkassen zudem Mitte 2018 Echtzeitüberweisungen flächendeckend einführen, kündigt der DSGV-Chef an. „Auch hier sind wir daran interessiert, dass unsere kreditwirtschaftlichen Wettbewerber nachziehen“, wirbt Schleweis.

Auch die Beratung beim Vermögensaufbau gehört laut Schleweis zu den Bereichen, die die Sparkassen noch ausbauen können. „Unsere Kunden wollen Sicherheit für ihre künftige Finanz- und Vermögenssituation, sie wollen nicht für Sparanstrengungen bestraft oder volatilen Marktbewegungen ausgesetzt werden.“ Es sei deshalb an der Zeit, Sparen neu zu verstehen. „Denn durch das klassische Sparen im Sinne von Beiseitelegen wird im Zinstief keiner mehr reich“, sagte Schleweis. Es sei daher wichtig, dass die Sparkassen überall in Deutschland ein dichtes Netz an „qualitätsvoller Beratung“ anböten.

Besondere Bedeutung kommt dabei der Dekabank zu – dem Wertpapierhaus der Sparkassen. „Aber das Recht auf Wertpapierberatung ist auch ein Anspruch an den Gesetzgeber“, sagt Schleweis und fordert weniger regulatorische Eingriffe. „Gute Regulierung sollte die Hürden für Beratung senken und möglichst vielen Menschen Wertzuwächse durch Wertpapiere erschließen.“

Doch es geht nicht nur um die Kunden, sondern auch um die Zukunft der Sparkassen: „Der Erhalt der provisionsbasierten Beratung entscheidet wesentlich über unsere betriebswirtschaftlichen Möglichkeiten, in der Fläche präsent zu bleiben“, betont der DSGV-Präsident.

Um künftig Unternehmenskunden besser bedienen zu können, mahnt Schleweis ebenfalls Änderungen an: „Wir sollten die Angebote unserer Gruppe für das Mittelstandsgeschäft besser bündeln und effektiver ausspielen.“

Schleweis spart in seiner Rede aber auch nicht mit Kritik – allen voran an der Politik. So spricht er sich gegen die EU-Einlagensicherungspläne aus. „Es wäre nicht richtig, wenn deutsche Sparer Banken retten müssten, die mit Staatsanleihen ihrer Heimatländer vollgesogen sind.“

Er hält das Regionalprinzip der Sparkassen hoch und beschwört ganz am Ende: „Die Sparkassen-Finanzgruppe ist stark, weil bei uns vor Ort dezentral entschieden wird. Das zu erhalten wird die größte Aufgabe der nächsten Jahre sein.“

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