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Human-Challenge-Studie Großbritannien plant Corona-Impfstoffstudie mit freiwillig Infizierten

In Großbritannien sollen im Januar sogenannte Human-Challenge-Studien starten. Dabei lassen sich Teilnehmer freiwillig mit dem Coronavirus infizieren.

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Bei Challenge-Studien werden Freiwillige geimpft und dann absichtlich mit dem neuen Coronavirus infiziert, um die Wirksamkeit von Impfstoffkandidaten zu testen. Quelle: AP

In Großbritannien sollen im Januar Corona-Impfstoffstudien mit freiwillig Infizierten starten. Die britische Regierung kündigte am Dienstag an, ein entsprechendes Projekt mit 33,6 Millionen Pfund (umgerechnet rund 37 Millionen Euro) finanzieren zu wollen.

Die sogenannten Human-Challenge-Studien sind in Partnerschaft mit dem Imperial College London, dem Studiendienstleister hVIVO sowie dem Royal Free London NHS Foundation Trust geplant. Falls die zuständigen Regulierungsbehörden und eine Ethikkommission den Studien grünes Licht geben, sollten sie nach Angaben der Regierung im Januar beginnen und Ergebnisse bis Mai nächsten Jahres vorliegen.

Bei Challenge-Studien werden Freiwillige geimpft und dann absichtlich mit dem neuen Coronavirus infiziert, um die Wirksamkeit von Impfstoffkandidaten zu testen. Solche Studien sind eine Möglichkeit, um die Entwicklung eines Impfstoffs zu beschleunigen.

Denn eine bestimmte Anzahl von Studienteilnehmern muss sich im Laufe der Zeit infizieren, um die Wirksamkeit des Impfstoffs bewerten zu können. Das könnte unter Umständen aber lange dauern. Human-Challenge-Studien sind allerdings wegen ethischer Bedenken und gesundheitlicher Risiken umstritten.

In der nun geplanten Studie wollen die Wissenschaftler zunächst die geringste Virusmenge ermitteln, die zur Auslösung einer Corona-Infektion erforderlich ist. Das soll an einer kleinen Gruppe gesunder junger Erwachsener im Alter von 18 bis 30 Jahren getestet werden, die das geringste Schadensrisiko hätten. Bis zu 90 Freiwillige könnten in der Anfangsphase beteiligt sein, das eingesetzte Virus soll aus den Laboren des Londoner Great Ormond Street Krankenhauses kommen.

WHO fordert Aufsicht durch Ethikkommission

Chris Chiu, Wissenschaftler am Imperial College, erklärte, die Sicherheit der Studienteilnehmer stünde an oberster Stelle. Sie sollen direkt nach ihrer Infektion mit dem Corona-Mittel Remdesivir des US-Konzerns Gilead behandelt werden. Auch wenn eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO gerade erst zu dem Ergebnis kam, dass Remdesivir keinen substanziellen Einfluss auf die Genesung von Covid-19-Patienten hat, sei sein Team der festen Überzeugung, dass es eine wirksame Behandlung sei, wenn Remdesivir in den frühesten Stadien der Infektion verabreicht werde, sagte Chiu.

Eine Sprecherin der WHO erklärte, dass es bei solchen Studien „sehr wichtige ethische Überlegungen“ gebe. Entscheidend sei, dass sie von einer Ethikkommission beaufsichtigt würden und die Freiwilligen ihr volles Einverständnis geben. Die Testpersonen müssten zudem so ausgewählt werden, dass das Risiko möglichst gering gehalten werde. „Keine Studie ist völlig risikofrei, aber wir werden hart daran arbeiten, die Risiken so gering wie möglich zu halten“, sagte Chiu.

Berichte, dass eine Human-Challenge-Studie in Großbritannien bevorsteht, machen schon seit einiger Zeit die Runde. Anfang der Woche hatte die hVIVO-Mutter, die britische Pharma-Dienstleistungsgruppe Open Orphan, erklärt, darüber mit der britischen Regierung und anderen Partnern in fortgeschrittenen Gesprächen zu sein. Open Orphan ist nach eigenen Angaben Marktführer für Human-Challenge-Studien.

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