Humorvolle Chefs Ein bisschen Spaß muss sein

Dort, wo gelacht wird, fühlen sich Menschen wohl. Das gilt auch fürs Büro – nur das ist den wenigsten bewusst. Dabei können Chefs mit Humor die Motivation ihrer Mitarbeiter beeinflussen. Doch dabei lauern Fettnäpfchen.

Zwar waren die Deutschen 2016 zufriedener mit der Vergütung als noch ein Jahr zuvor. Doch die Analyse zeigt laut Kununu, dass Arbeitnehmer das Miteinander mit den Kollegen besser bewerten als ihre Entlohnung. „Klar, wir freuen uns alle über eine Gehaltserhöhung oder einen Bonus“, sagt Kununu-Pressesprecher Johannes Prüller. Aber Geld motiviert nun mal nicht dauerhaft. „Ein gutes Miteinander mit den Kollegen, ein attraktives Arbeitsumfeld und ein interessanter Aufgabenbereich sind genauso wichtig.“ Quelle: Fotolia

In der Vorweihnachtszeit schlägt der Stresspegel in Deutschlands Büros aus: Arbeitnehmer ackern im Akkord – um bloß die Tage zwischen Weihnachten und Jahreswechsel mit ihren Lieben daheim verbringen zu können. Dafür nehmen sie Stress in Kauf, schieben teilweise Überstunden. Für Gespräche mit den Kollegen fehlt die Zeit. Alle stehen unter Strom – nur der Chef offenbar nicht: Er hat noch Zeit, um Witze zu reißen.

Was viele nicht wissen: Gerade in stressigen Situationen kann Humor eine gute Führungseigenschaft sein. Denn so distanziert sich der Vorgesetzte ein Stück weit von den Problemen und bekommt einen klaren Blick auf die Verhältnisse. „Wenn es einer Führungskraft gelingt, sich aus der Befangenheit einer Situation zu lösen, eröffnen sich ihr neue Handlungsmöglichkeiten“, sagt Philipp Schollmeyer, Vorstandsmitglied des Verbandes „Die Führungskräfte“.

Was Ihre Gesten über Sie verraten

Er schätzt, dass der Humor des Chefs zu 30 Prozent den Erfolg des Unternehmens beeinflussen kann. Doch: „Die Rolle von Humor im Management wird erst seit 15 Jahren diskutiert“, sagt Werner Bruns, Senior Fellow der Rheinischen Fachhochschule Köln (RFH). Mit der Fachhochschule Burgenland und deren Projektpartner FHS St. Gallen hat die RFH das „Europa-Institut Erfahrung & Management“ (Metis) gegründet, das mit dem Verband „Die Führungskräfte“ über die Wichtigkeit von Humor aufklären will.

Denn viele ältere Manager unterschätzen seiner Meinung nach die Wirkung von guter Laune. „Humor – das ist etwas für die Familie, das Ehrenamt, den Stammtisch, für den Verein. Aber nichts fürs auf Rationalität ausgerichtete Arbeitsleben“, lautet der weit verbreitete Tenor. Der Leistungsgedanke dominiere: Man geht zur Arbeit, um Leistung zu bringen und nicht, um zu lachen. Denn wer seine Zeit mit Lachen verschwendet, kann gleichzeitig nichts leisten.

Was vielen aber nicht bewusst ist: „Da, wo Leute selbst in stressigen Situationen zusammen lachen, herrscht ein besserer Zusammenhalt, sodass Teams effizienter arbeiten“, weiß Schollmeyer. Das bestätigt eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass der Humor des Chefs einen Einfluss darauf hat, wie sehr sich die Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizieren. „Auch im seriösen Wirtschaftsleben hat Humor also einen berechtigten Platz“, sagt der Mannheimer Psychologie Alexander Pundt, der die Untersuchung durchgeführt hat.

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