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Imtech-Insolvenz Chronik eines beispiellosen Absturzes

600 Millionen Euro nahm Royal Imtech vor zehn Monaten am Kapitalmarkt auf. Jetzt ist das Unternehmen an der Börse noch 15 Millionen Euro wert. Die Commerzbank steht mit ihren Anteilen kurz vor einem Totalverlust.

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Die deutsche Tochter des niederländischen Gebäudetechnik-Anbieters und Ausrüsters des neuen Hauptstadtflughafens BER, Imtech, hat einen Insolvenzantrag gestellt. Quelle: dpa

So einen Fall hat es schon seit langem nicht mehr gegeben. Der einst hoch angesehene Baukonzern Imtech, der auf eine Geschichte von mehr als 150 Jahren zurückblicken kann, zerfällt in seine Einzelteile. Zerfressen von jahrelanger Korruption und Missmanagement brach das Unternehmen zuletzt innerhalb von nur 14 Tagen vollkommen zusammen. Sowohl die deutsche Tochter als auch die niederländische Mutter haben Insolvenz angemeldet.

Der Name Imtech steht für Prestige-Bauten in ganz Europa, ja der ganzen Welt. Wer Kraftwerke, Stadien, Flughäfen oder seine eigene Konzernzentrale bauen wollte, setzte für viele Ingenieursleistungen auf Imtech. Die Deutsche Bank, Sony, Audi, RWE – die Liste der internationalen Top-Auftraggeber war lang.

All das ist nun vorbei. Imtech hat Insolvenz angemeldet und wird zerschlagen. Am Montag war das Unternehmen, das zuletzt mit 22.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von vier Milliarden Euro erreichte, an der Börse noch ganze 15 Millionen Euro wert. Einen der empfindlichsten Verluste erlitt die Commerzbank. Sie zeichnete im Oktober Imtech-Aktien für 70,8 Millionen Euro. Aktuell ist das Paket noch ganze 1,7 Millionen Euro wert – 97 Prozent weniger.

Das Handelsblatt hat den Niedergang von Imtech eng begleitet. Schon zwei Jahre vor dem Ausbruch der Krise 2013 erschien der erste große Bericht zu den Geschäftsmethoden, die bei Imtech üblich waren. Dann folgten zahlreiche Hintergrundartikel. 2014 lösten Recherchen des Handelsblattes unter anderem Ermittlungen des Bundeskartellamtes und der Staatsanwaltschaft München aus, 2015 belastete ein Bericht erstmals die holländische Führung in der Affäre, die bis dahin nur dem deutschen Management zugeschrieben worden war.

Imtech wird die Insolvenzverwalter, das Bundeskartellamt und mehrere Staatsanwaltschaft noch auf Jahre hinaus beschäftigen. Auch das Handelsblatt wird weiter berichten. Die bisherige Chronik des Niedergangs liest sich so:

24. Februar 2011 – Die dunklen Schatten der Türme
Das Handelsblatt berichtet von Korruption beim Projekt Blue von Imtech. Es handelt sich um den Umbau der Zwillingstürme der Deutschen Bank.

Ende Februar 2011
Imtech beauftragt einen externen Experten für Wirtschaftskriminalität mit der Untersuchung der Vorgänge, die das Handelsblatt beschreibt. Sein Bericht wird später vertuscht.

4. Februar 2013
Imtech informiert die Öffentlichkeit über mögliche Unregelmäßigkeiten und verschiebt die Vorlage der Bilanz. Der Aktienkurs stürzt um 45 Prozent.

6. Februar 2013
Der Deutschlandchef, sein Finanzchef und sein Chef-Controller werden entlassen.

23. April 2013
Imtech gibt eine Restrukturierung bekannt. 1300 Jobs werden gestrichen. Die Kosten hierfür sollen bei 80 Millionen Euro liegen. Die Abschreibungen in Deutschland erhöhen sich auf 220 Millionen Euro.

18. Juni 2013
Imtech legt einen Ermittlungsbericht von externen Beratern vor. Der Konzern sei Opfer von betrügerischen Handlungen in seiner deutschen und seiner polnischen Tochtergesellschaft geworden.

27. Juni 2013 –  Imtech vom eigenen Management ausgeraubt (zum Artikel hier klicken)
Das Handelsblatt berichtet auf drei Seiten über Korruption Scheingeschäfte, gefälschte Unterlagen und Führungschaos bei Imtech. Der Bericht zeigt auch, dass Imtech schon 2011 gewarnt war.

4. Juli 2013
Imtech startet eine Kapitalerhöhung um 500 Millionen Euro.

20. September 2013 – Der Verrat des Enkels
Das Handelsblatt berichtet von weiteren Tätern im Imtech-Skandal. Das Unternehmen sei nicht nur von seinem gefeuerten Deutschland-Chef Klaus Betz ausgeweidet worden, sondern auch von dessen Vorgänger Jörg Gerhard Schiele.

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