Relaunch des Magazins: Ein Blick hinter die Kulissen der neuen WiWo
Vier Sekunden sind es, die darüber entscheiden, ob Sie diesen Text hier überhaupt lesen. Und Sie bewegen sich gerade in der Online-Welt, wo Schnelllebigkeit, Ungeduld und Ablenkung an der Tagesordnung sind. Diese Art und Weise des Online-Medienkonsums hat sich nach und nach auch in unsere Offline-Gewohnheiten eingeschlichen wie ein Trojaner ins IT-System. Vier Sekunden sind es inzwischen also auch, wenn wir entscheiden, ob wir ein Print-Magazin – sagen wir mal, die neue WirtschaftsWoche – in die Hand nehmen oder nicht. Ob wir das aktuelle Cover interessant finden oder nicht. Like oder dislike?
Neun Monate lang hat die Redaktion an der Neuerfindung der WirtschaftsWoche gearbeitet, in den Redaktionsräumen, externen Workshops und auch mal bei einem Getränk im Biergarten. „Der Relaunch der WiWo ist ein spannendes Experiment. Wahrscheinlich ist die neue WiWo sogar eine der derzeit modernsten Print-Publikationen auf dem Markt weltweit“, sagt Mario Garcia, international renommierter Zeitschriften- und Zeitungsdesigner. Im Team mit WiWo-Creative Director Patrick Zeh, Chefredakteur Horst von Buttlar und den beiden Designern Katharina Metschl und Maxi Virgili war er intensiv am Relaunch-Prozess beteiligt, immer mit dem Gedanken im Kopf: Was macht den Kern der WiWo aus, und wie können wir diesen hervorheben?
Creative Director Patrick Zeh und die Designer Maxi Virgili, Mario Garcia und Katharina Metschl (v.l.)
Foto: WirtschaftsWoche
Stärken stärken
„Ein Relaunch ist immer auch ein Klärungsprozess für die eigene Identität und die eigenen Stärken“, sagt von Buttlar. Und beim Nachdenken darüber, sei ihm immer wieder der Satz einer Kollegin in den Sinn gekommen: „Ich habe das Gefühl, die WiWo denkt schon an den nächsten Schritt. Und wenn ich an den nächsten Schritt denke, möchte ich diesen auch gehen, also: Weiterkommen.“ So entstand der Claim für die neue WiWo: Weiterdenken, Weiterkommen. „Denn das gilt ja für alle Bereiche im Leben“, so von Buttlar. „Für die persönlichen Finanzen, den Vermögensaufbau bis zum Kauf von Immobilien. Das gilt für Karriere und Management, das Weiterkommen im Beruf. Das gilt für weltwirtschaftliche und wirtschaftspolitische Zusammenhänge, und das gilt für das erfolgreiche Führen von großen sowie kleinen Unternehmen. In diesen Bereichen kann die WiWo einen entscheidenden Unterschied machen.“
Creative Director Patrick Zeh und Chefredakteur Horst von Buttlar mit dem druckfrischen Cover der ersten neuen WirtschaftsWoche.
Foto: WirtschaftsWocheDafür hat der Verlag investiert: in besseres Papier, ein neues, klares Design, in eine neue Bild- und Grafiksprache. Die Redaktion hat das Magazin überarbeitet: mit neuen Formaten und einer leicht veränderten Heftstruktur. Rubriken, die den WiWo-Leserinnen und -Lesern wichtig sind, werden ausgebaut. Von Buttlar: „Wir wollen unverwechselbar sein und eine gewisse Wertigkeit ausstrahlen. Sodass man die WiWo eben gerne auch mal auf dem Sofa liest oder mit an den See nimmt.“
Lesen Sie hier: In dieser interaktiven Story können Sie sehen, welche neuen Formate die WiWo von nun an enthält und wie diese aussehen.
Dabei wurde auch geschaut: Wo kann das Print-Magazin vom Online-Auftritt wiwo.de lernen? Welche Formate funktionieren dort gut und könnten diese nicht auch auf das neue Heft übertragen werden? So bekommt nun etwa das Satellitenbilder-Format „Wirtschaft von oben“ mit einer großen Optik Platz im Print-Magazin, ebenso wie das Format „WiWo History“, das mal den Durchbruch eines bekannten Unternehmens beleuchtet und mal den Ort eines wirtschaftshistorischen Ereignisses unter die Lupe nimmt.
Da steckt Musik drin
„Wir haben dieses neue Magazin so komponiert, als wäre es eine Symphonie“, sagt Designer Mario Garcia. „Man fängt mit Posaunen an, mit kurzen, knappen Infos: peng, peng, peng! Und dann geht die Lektüre nach einigen Seiten plötzlich über in Violinen, also in einen langen, tief recherchierten Artikel, bevor wir wieder zu Paukenschlägen kommen, etwa zwei Seiten lang: bäm! Danach wieder ein längeres, ausgeruhtes Stück und so weiter. Es gibt also Rhythmus. Dieses Magazin wurde konsequent strategisch durchdacht.“
Um Inspiration zu schöpfen, hat sich WiWo-Creative-Director Zeh für den Relaunch intensiv mit der Vergangenheit des Magazins beschäftigt: „Wo kommt die WirtschaftsWoche gestalterisch her? Welche Größen aus der Branche haben am Gestaltungsprozess über die Zeit bereits mitgewirkt? Was ist die DNA der WiWo, und wie können wir sie so auf das neue Heft übertragen, dass die Leserinnen und Leser das Gefühl haben: ‚Das hier ist immer noch die WirtschaftsWoche, aber wir gehen gemeinsam in die Zukunft‘?“
Die Redaktion entwickelte unterschiedlichste Ideen für die Cover-Gestaltung.
Foto: WirtschaftsWoche
Gestalterisch heißt das insbesondere, dass das Heft zwei neue Schriftarten bekommt, mit denen das Team um Zeh auch mal aus dem Raster ausbrechen kann. Dass die Seiten aufgeräumter wirken und den Bildern mehr Platz eingeräumt wird. Wöchentlich wird der renommierte Designer Pablo Amargo, der schon oft für den New Yorker gearbeitet hat, eine Illustration beisteuern. Und natürlich wird es mehr Abwechslung bei der Cover-Gestaltung geben.
Mario Garcia drückt das so aus: „Das, was die Leute ab dem 29. September zu sehen bekommen, ist mehr als nur eine Auffrischung. Es ist, als wäre dieses Magazin neu geboren worden. Aber mit dem Erbe, der Autorität und dem Branding eines Magazins, dem die Leserinnen und Leser seit vielen Jahren vertrauen“ – nicht erst seit vier Sekunden.
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