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Inflation EZB-Direktorin Schnabel: Preisdynamik könnte 2022 anhalten

Die EZB-Direktorin wird die Preisentwicklung in der Euro-Zone genau beobachten. Quelle: Reuters

Noch sei nicht absehbar, ob der Preisauftrieb länger anhalte oder ein vorübergehendes Phänomen sei. Der EZB-Rat hatte eine Besserung für 2022 erwartet.

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Trotz einer erwarteten Entspannung bei der Inflation könnte EZB-Direktorin Isabel Schnabel zufolge auch kommendes Jahr der Preisdruck hoch bleiben. „Es wäre voreilig zu behaupten, dass die derzeitige Preisdynamik nächstes Jahr völlig abklingen wird“, sagte die deutsche Ökonomin am Donnerstag.

Es gebe mehrere Quellen der Unsicherheit, die einen länger andauernden Inflationsdruck mit sich bringen könnten. Dazu gehörten möglicherweise veränderte Inflationserwartungen der Bürger. Auch wie sich das Thema der erhöhten Preisdrucks in den Lohnrunden niederschlage, müsse beobachtet werden. Beim mittelfristigen Inflationsausblick werde die EZB „den Finger in den Wind halten“. Dann werde sich herausstellen, ob der Preisauftrieb sich länger halte oder sich als „vorübergehende Böe“ erweise. Der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau hatte zuvor die Erwartung geäußert, dass die Teuerung „weitgehend binnen eines Jahres“ wieder unter zwei Prozent fallen werde.

Die Inflation im Euro-Raum war im September mit 3,4 Prozent so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr. Ein Großteil des derzeitigen Auftriebs ist nach Ansicht der Währungshüter jedoch nur vorübergehend und durch die Folgen der Coronakrise bedingt – so auch Lieferkettenprobleme und Materialengpässe.

Wie aus den Protokollen der jüngsten Zinssitzung hervorgeht, ist sich der EZB-Rat weitgehend in der Erwartung einig, dass sich der Inflationsausblick im kommenden Jahr durchgreifend verbessern werde. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet für 2021 eine Teuerungsrate von 2,2 Prozent, die 2022 auf 1,7 und 2023 auf 1,5 Prozent fallen soll. Im Dezember werden die Vorhersagen der EZB-Volkswirte aktualisiert. Die EZB strebt als optimalen Wert für die Wirtschaft eine Teuerung von zwei Prozent an. Die Inflation im Euro-Raum lag im September mit 3,4 Prozent allerdings sehr weit darüber.

Auch angesichts erhöhter Inflationsrisiken denken manche EZB-Währungshüter über das Abschalten des Corona-Krisenprogramms namens PEPP im Frühjahr nach. Einige zeigten sich offen für eine zeitweilige Aufstockung des kleineren und älteren Anleihenkaufprogramms APP, wie die Nachrichtenagentur Reuters jüngst von mehreren mit der Diskussion in der Führungsetage vertrauten Personen erfuhr.

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Wenn sich die Konjunktur normalisiere und die Covid-Lage es erlaube, werde das PEPP-Programm seine Aufgabe erfüllt haben, erklärte jüngst EZB-Vizepräsident Luis de Guindos. Im Dezember werde die EZB über „mögliche Alternativen“ entscheiden, falls dieses im März beendet werden sollte. 

Mehr zum Thema: Das Gespenst der Inflation geht um – und keiner will es wahrhaben

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