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Devisen weekly: BoE überrascht Märkte, US-Konjunktur schwächelt

Der Euro konnte gegenüber dem US-Dollar in der aktuellen Woche um 0,4 % auf 1,114 EUR/USD zulegen. Die erste Schätzung für das Wachstum der US-Wirtschaft in Q2 fiel mit annualisierten 1,2% (+0,22 % QoQ) deutlich schwächer aus als erwartet. Es ist damit das dritte schwache Quartal in Folge. Eine solche Serie gab es seit 2009 nicht. Veröffentlichte Einkaufsmanagerindizes zeigten sich dies wie jenseits des Atlantiks solide und deuten auf weiterhin gemäßigtes Wachstum hin. Der einflussreiche New Yorker Zentralbankchef Dudley teilte diese Woche mit, dass Zinserhöhungen in diesem Jahr zwar nicht ausgeschlossen werden sollten, die Abwärtsrisiken für die US-Wirtschaft allerdings hoch sind. Gemeinsam mit den schwachen Wachstumszahlen belastete dies den Wert des US-Dollars. Ob dieser Trend anhält, wird entscheidend vom morgigen USArbeitsmarktbericht für Juli abhängen.

EUR/GBP notiert aktuell (13:30 Uhr) bei 0,85. Grund für die Abwertung des Pfunds um 0,7% im Vergleich zur Vorwoche war die Leitzinssenkung der BoE auf 0,25% in Verbindung mit dem neu aufgelegten Ankaufprogramm von Staats- und Unternehmensanleihen. Jüngste Konjunkturindikatoren malten ein düsteres Bild für Großbritanniens Wirtschaft und schürten die Angst vor einer Rezession. So wurde der PMI des Verarbeitenden Gewerbes für Juli von 49,1 auf 48,2 herunter korrigiert und liegt somit, wie auch der PMI (alle Sektoren) mit 47,5 Punkten, tief im Kontraktionsbereich. Auch das GfKKonsumentenvertrauen zeigte einen ähnlichen Abfall und liegt derzeit bei -12 Punkten. Die ergriffenen expansiven Maßnahmen sollen die Stimmung wieder beleben und ein Abrutschen in die Rezession verhindern. Die Wirtschaft der Eurozone zeigte sich dagegen überraschend robust und wies nur einen leichten Stimmungsdämpfer auf. Belastet wird der Euro allerdings durch die Sorgen um den europäischen Bankensektor.

USD/JPY steht derzeit bei 101,5. Der Yen hat seit der Vorwoche um 3% aufgewertet. Die Sitzung der Bank of Japan vergangenen Donnerstag und Freitag ergab nur eine moderate Lockerung der Geldpolitik. Jedoch wird das jährliche Kaufvolumen von börsengehandelten Fonds (ETF) von 3,3 Mrd. Yen auf 6 Mrd. Yen angehoben (etwa 52 Mrd. Euro). Das von Premierminister Shinzo Abe vorgestellte Konjunkturpaket im Umfang von 246 Mrd. Euro soll von Strukturreformen, wie Infrastrukturprojekte und Neueinstellungen, begleitet werden. Dagegen bleibt der Umfang anzukaufenden Staatsanleihen unverändert und der derzeitige Leitzinssatz wurde nicht wie spekuliert von -0,1% auf -0,2% gesenkt. Durch die Helikoptergeld-Debatte hatte der Yen die letzten Wochen abgewertet. Gestützt durch die schwachen US-Konjunkturdaten, wie dem gefallenen ISM Index für Juli, erwarten wir für die kommende Woche jedoch eine weitere Stärkung.

Der Schweizer Franken ist erneut erstarkt, die Äußerungen des Chefs der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Thomas Jordan von vor 1,5 Wochen zeigen keine Wirkung mehr auf dem Devisenmarkt. Seit der Vorwoche ist EUR/CHF um 0,8% auf ein Niveau von 1,084 gefallen. Nicht einmal die überraschend guten Konjunkturdaten aus der Eurozone konnten diese Aufwertung dämpfen. Die Resultate des EBA Stresstests wiegen stärker. Kommende Woche dürfte der Schweizer Franken weiter aufwerten, sollten nicht neue Signale für eine Stabilisierung kommen.

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