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Gold - Ein verlorenes Jahr

HSBC Daily Trading
 

 

Ein verlorenes Jahr

Gemessen an den Entwicklungen des vergangenen Jahres – Stichworte: Handelsstreit, Brexit, Aktienmarktkorrektur, inverse Zinsstruktur – muss der Jahrgang 2018 an den Edelmetallmärkten als Enttäuschung bezeichnet werden. So hat der Goldpreis sein Jahreshoch (1.366 USD) unmittelbar nach Jahresbeginn im Januar ausgeprägt und musste im Anschluss an ein konstruktives 1. Quartal deutlich Federn lassen. Die steigenden Opportunitätskosten der Goldhaltung in Form deutlich anziehender US-Zinsen sowie fallender EUR/USD-Notierungen haben sich letztlich als dominierende Belastungsfaktoren erwiesen. Noch schlimmer hat es 2018 den Ölpreis erwischt. Der scharfe Kursverfall des letzten Quartals sorgt hier für einen Jahrgang „zum Vergessen“. Per Saldo gehen also Gold- bzw. Ölinvestoren eher mit „verbrannten Fingern“ ins neue Jahr, was sprunghafte Handlungen begünstigen dürfte. In die gleiche Kerbe schlägt die geringe Schwankungsintensität – besonders beim Goldpreis. Die entscheidenden Signalmarken, welche eine neue Bewegungsdynamik entfachen dürften, werden wir im Folgenden herausarbeiten. Beim Blick in die „große Glaskugel“ gilt wie in jedem Jahr der alte Bergmannsspruch: „vor der Hacke ist es dunkel!“

Gold (Annually)



Zweites „inside year“ in Folge

Um Licht in dieses Dunkel zu bringen, starten wir mit dem Blick auf den Jahreschart des Goldpreis-Future. Grundsätzlich möchten wir Ihnen, liebe Leser, die Analyse langfristiger Charts und hoher Zeitebenen wärmstens ans Herz legen. Abseits des hektischen „auf und ab“ im Tagesbereich lassen sich mit Hilfe der Analyse einer hohen Zeiteinheit oftmals die großen Trends identifizieren. Diese Feststellung sollte durchaus als flammendes Plädoyer für den Nutzen langfristiger Chartbetrachtungen verstanden werden und der Jahreschart des Goldpreis-Future liefert hierfür ein nahezu lehrbuchmäßiges Beispiel. Das zweite Jahr in Folge liegt hier ein sog. „inside year“ vor, d. h. sowohl die Kursaktivität von 2017 als auch jene von 2018 verblieb innerhalb der im Jahr 2016 gesetzten Leitplanken von 1.061 USD auf der Unter- bzw. 1.378 USD auf der Oberseite (siehe Chart 1). Neben den beschriebenen Innenstäben fällt noch ein weiteres Verhaltensmuster ins Auge: In den letzten Jahren hat das Edelmetall seine Jahreshochs regelmäßig auf ähnlichen Niveaus ausgebildet. Seit 2016 lagen diese sogar in einer äußerst engen Range zwischen 1.359 USD und 1.378 USD. Damit haben wir einen ersten strategischen Signalgeber ermittelt!

Gold (Annually)



Innenstäbe + Bodenbildung: 1.378 USD als Trigger

Schließlich würde ein Sprung über die zuletzt angeführten Hürden nicht nur für ein neues Verlaufshoch, sondern auch für eine „bullishe“ Auflösung der beschriebenen „inside years“ sorgen. Ein weiterer Aspekt ist an dieser Stelle wichtig, denn der Jahreschart des Goldpreis-Future beinhaltet auch eine positive Botschaft: So stammt das zyklische Verlaufstief von 1.046 USD aus dem Jahr 2015 und liegt damit bereits vier Jahre zurück. In den darauffolgenden Jahren hat das Edelmetall jeweils höhere Verlaufstiefs ausgeprägt. Letztlich macht dieses Verhaltensmuster Mut, indem es eine Bodenbildung begünstigt. Abgeschlossen ist diese freilich erst, wenn dem Goldpreis der Spurt über die jüngsten Jahreshochs gelingt. Hiermit schließt sich der Kreis, so dass Investoren die Tragweite einer Auflösung der beschriebenen Innenstäbe gar nicht hoch genug einschätzen können. Im nächsten Schritt möchten wir die Zeitebene sukzessive herunterbrechen. Eine Vorgehensweise, die wir Ihnen – wir können uns nur wiederholen – wärmstens ans Herz legen möchten. Mit Hilfe des hohen Zeithorizonts wird das „große Bild“ herausgearbeitet, während in den untergeordneten Zeitebenen in einem zweiten Schritt die konkrete Timingentscheidung vorgenommen wird.

Gold (Annually)



Pullback an den Abwärtstrend seit 2011

Deshalb analysieren wir als nächstes den Monatschart des Goldpreises. Bereits auf den ersten Blick verdeutlicht dieser Chart, dass der Goldpreis seit Juni 2013 unter dem Strich lediglich seitwärts hin und her pendelt. Der Bruch des im September 2011 etablierten Abwärtstrends (akt. bei 1.163 USD) hat (bisher) also kein nennenswertes Aufwärtsmomentum nach sich gezogen. Vielmehr musste das Edelmetall im August bzw. September 2018 einen lehrbuchmäßigen Pullback an den seit dem Allzeithoch bei 1.920 USD bestehenden Baissetrend hinnehmen (siehe Chart 2). Da es bei diesem idealtypischen Rücksetzer blieb, sorgt selbst die verhaltene Kursentwicklung des Jahres 2018 letztlich für eine Bestätigung des beschriebenen Trendbruchs. Damit gewinnt auch eine multiple Bodenbildung – definiert durch die Tiefs bei 1.181/1.046/1.122/1.160 USD – zusehends an Konturen. Abgeschlossen ist die untere Umkehr allerdings erst, wenn die Hochs der letzten Jahre bei 1.366/1.375 USD übersprungen werden. Untermauert werden die angeführten Hürden durch das 38,2%-Fibonacci-Retracement des gesamten Korrekturimpulses von September 2011 bis Dezember 2015 (1.380 USD). Lohn der Mühen wäre im Erfolgsfall ein kalkulatorisches Anschlusspotential von rund 300 USD.

Gold (Monthly)



Strategische Absicherung bei 1.160 USD

Auf dem Weg zum Ausschöpfen dieses Anschlusspotentials definiert die Kombination aus der Parallelen zum Erholungstrend seit Ende 2015 (akt. bei 1.521 USD) sowie den Tiefs vom Dezember 2012 und Mai 2012 bei 1.522/1.527 USD ein wichtiges Etappenziel. Das Aufzeigen möglicher Renditepotentiale ist aber nur die eine Seite der Medaille. Wichtiger als die Anlaufmarken auf der Oberseite sind zweifelsfrei die Absicherungen auf der Unterseite. Schließlich geht es aus Investorensicht in erster Linie darum, das Risiko unter Kontrolle zu halten. Nur diesen Teil eines Trades können Anleger durch die Wahl ihres Stopps tatsächlich beeinflussen. Als strategische Absicherung ist das Jahrestief der letzten zwölf Monate (1.160 USD) prädestiniert, welches im Zusammenspiel mit der Kreuzunterstützung aus dem Erholungstrend seit Dezember 2015 (akt. bei 1.175 USD) sowie dem o. g. ehemaligen Abwärtstrend einen markanten Auffangbereich bildet. Fällt diese Bastion wäre auch die sich abzeichnende Bodenbildung mit einem dicken Fragezeichen zu versehen. Ein weiteres Herunterbrechen der Zeitebene auf Wochenbasis fördert den wichtigen kurzfristigen Signalgeber bei rund 1.240 USD zu Tage (siehe Chart 3).

Gold (Weekly)



Vor Vola-Impuls: 200-Wochen-Linie als Taktgeber

Ein Sprung über die Kombination aus der flach verlaufenden 200-Wochen-Linie (akt. bei 1.234 USD) sowie den verschiedenen Hoch- und Tiefpunkten bei rund 1.240 USD würde den Grundstein für einen Anlauf auf die bereits herausgearbeitete strategische Leitplanke bei rund 1.370 USD legen. Der Wochenchart des Goldpreises ist noch aus einem anderen Blickwinkel heraus hoch interessant: So hat die Schiebezone der letzten Jahre zur Konsequenz, dass sich die Bollinger Bänder sehr stark zusammengezogen haben. Im Verlauf des Jahres 2018 erreichte der Abstand zwischen den beiden Begrenzungen des Volatilitätsindikators sogar das niedrigste Niveau des Jahrtausends. Mit anderen Worten: Die Schwankungsbreite des Edelmetalls notiert auf einem sehr niedrigen Level. In der Vergangenheit diente eine solche Konstellation regelmäßig als der ideale Nährboden für einen dynamischen Bewegungsimpuls. In die gleiche Kerbe schlägt derzeit der Point & Figure-Chart des Goldpreises. Zunächst einmal unterstreicht diese Chartdarstellungsform die Bedeutung des Triggers bei 1.240 USD bzw. des großen Signalgebers bei 1.370 USD (siehe Chart 4). Letztlich zeichnet sich diese in Europa etwas in Vergessenheit geratene Chartart dadurch aus, dass das Marktrauschen herausgefiltert wird.

Gold (Weekly)



Aufgestautes Bewegungspotential

Damit eine neue Spalte im Chartverlauf begonnen wird, bedarf es einer Mindestbewegung in entgegengesetzter Trendrichtung. Kleinere Schwankungen werden indes nicht abgebildet. Die beschriebene Bewegungsarmut findet also auch in der geringen Spaltenanzahl im P & F-Chart der Jahre 2017 und 2018 ihren Niederschlag. Um die gesamte Kursaktivität der vergangenen zwölf Monate abzubilden, waren nur acht Spalten nötig – auch dabei handelt es sich um den niedrigsten Wert des Jahrtausends. Nur damit Sie einen Vergleichsmaßstab haben: Die Kursentwicklung des Jahres 2015 nahm mit 19 Spalten einen mehr als doppelt so großen Raum ein wie die gerade beendete 12-Monats-Periode. Per Saldo begünstigt auch der P & F-Chart einen dynamischen Kursschub. Das Jahr 2019 ist also prädestiniert, um auf der Edelmetallseite für einen neuen Vola-Impuls zu sorgen. Ein Spurt über den Trigger bei rund 1.240 USD bzw. über den strategischen Signalgeber bei rund 1.370 USD liefert hierfür den Startschuss. Fast noch dramatischer präsentiert sich die beschriebene Schwankungsarmut, wenn Anleger den Goldpreis in EUR analysieren. Im 3. Quartal 2018 hat das Edelmetall auf EUR-Basis zwei Mal im Bereich der 61,8 %-Korrektur der Aufwärtsbewegung von 2013 bis 2016 (1.012 EUR) die Kurve bekommen (siehe Chart 5).

Gold (Weekly)



Kreuzwiderstand als Taktgeber

Dank der anschließenden Kursavancen liegen mittlerweile wieder Kaufsignale seitens der trendfolgenden Indikatoren MACD und Aroon vor. Doch mit Blick auf den Chartverlauf gilt es noch eine ganz entscheidende Hürde zu nehmen. Gemeint ist die Kombination aus der 200-Wochen-Linie (akt. bei 1.091 EUR) und dem im November 2016 etablierten Abwärtstrend (akt. bei 1.093 EUR). Gelingt der Befreiungsschlag, kann die Kursaktivität der letzten gut zwei Jahre als langgezogene Korrekturflagge interpretiert werden, deren Auflösung nach oben für ein großes Investmentkaufsignal sorgt. In der Folge würden die Hochpunkte des Jahres 2016 bei 1.233/1.246 EUR wieder in den Blickpunkt rücken. Auf dem Weg zum Ausschöpfen dieses Kurspotentials markieren die verschiedenen Hoch- und Tiefpunkte bei rund 1.155 EUR ein wichtiges Zwischenziel. Als Absicherung bietet sich im Ausbruchsfall das Tief vom vergangenen November bei 1.047 EUR an, so dass im Umkehrschluss ein Longtrade mit attraktivem Chance-Risiko-Verhältnis entsteht. Aufgrund der „Nähe“ des charttechnischen Signalgebers wird auf EUR-Basis eine positive Weichenstellung vermutlich früher als auf USD-Basis vorgenommen. Der Chart des Goldpreises in EUR besitzt also mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Vorlauffunktion.

Gold (Weekly)



US-Vorwahljahr: Saisonaler Rückenwind

Traditionell gehen wir im Jahresausblick auch auf zyklische Aspekte ein. Angelehnt an den US-Präsidentschaftszyklus haben wir deshalb untersucht, wie sich der Goldpreis typischerweise in Vorwahljahren der USA entwickelt. Als Datenbasis dienen dabei alle Vorwahljahre seit 1971. Der Jahresauftakt bis zum Ende des 1. Quartals fällt dabei verhalten aus. Letztlich ist diese Periode durch ein volatiles Nullsummenspiel geprägt. Ab dem Frühjahr greift dem Goldpreis allerdings der dann einsetzende saisonale Rückenwind unter die Arme. Diese saisonal starke Phase hält bis zum Ende des Vorwahljahres an und wird lediglich durch die typische Korrektur von Ende Mai bis Juni sowie einer seitlichen Schiebezone im Herbst unterbrochen (siehe Chart 6). Im Durchschnitt beschert das Vorwahljahr Goldinvestoren ein zweistelliges Kursplus bei einer Trefferquote von 67 %. D. h., acht der zwölf Vorwahljahre seit 1971 konnte der Goldpreis mit Kursgewinnen beenden. Im Ergebnis stellt das gerade eingeläutete Vorwahljahr unter saisonalen Gesichtspunkten den zweitbesten Teilabschnitt innerhalb des vierjährigen US-Wahlzyklus dar. Die Saisonalität stellt aber nur einen von vielen Einflussfaktoren dar. Ein Ausbruch über die o. g. charttechnischen Schlüsselgrößen gehört ebenfalls dazu (wird fortgesetzt).

Gold (Annually)



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