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Öl weekly: Venezuela stützt Preise

Ein geordneter Machtwechsel in Venezuela würde das Anliegen der OPEC, die Preise zu stabilisieren, unterminieren, glaubt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

In den vergangenen zwei Wochen haben sich die Brent-Ölpreise stabilisiert. Bei WTI konnte ein weiterer Anstieg registriert werden, so dass hier mit über 54 US-Dollar/Barrel der höchste Wert seit Ende November letzten Jahres verzeichnet wurde. Im Mittelpunkt des Nachrichtenflusses stand und steht Venezuela, wo zwischen Bürgerkrieg und einem geordneten Machtwechsel alles möglich ist. Das Davos-Treffen hat den Investoren wiederum die Risiken auf der Nachfrageseite in Erinnerung gerufen. So hat der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognosen nach unten angepasst und erwartet für die Weltwirtschaft 2019 eine Wachstumsrate von 3,5 % statt der bisherigen 3,7 %.

Vor dem Hintergrund des Machtkampfes in Venezuela zwischen Präsident Nicolás Maduro und dem selbst ernannten und von den USA anerkannten Interimspräsidenten Juan Guaidó hat die USA Sanktionen gegen den venezolanischen Ölkonzern PDVSA erlassen. Grundsätzlich dürfen US-Raffinerien weiterhin Öl aus Venezuela kaufen, jedoch müssen die Zahlungen laut Finanzminister Mnuchin auf Sperrkonten erfolgen. Letztlich läuft diese Maßnahme auf ein Ölimport-Embargo hinaus. Die USA haben im vergangenen Jahr im Durchschnitt 514.000 Barrel/Tag importiert, im bisherigen Jahresverlauf ist dieser Wert auf 600.000 Barrel/Tag gestiegen. Das sind immerhin rund 0,6 % der weltweiten Ölnachfrage. Ohne diese Importe muss die USA das Öl woanders besorgen. Überlegt wird offensichtlich, die staatliche Ölreserve anzuzapfen, was aber nur eine temporäre Lösung darstellt. Versinkt das Land zudem noch tiefer im Chaos, dürfte die Erdölproduktion weiter sinken, was den Ölpreisen zusätzliche Unterstützung geben sollte.

Umgekehrt würde ein in geordneten Bahnen verlaufender Machtwechsel vermutlich zu sinkenden Ölpreisen führen. Denn in diesem Fall steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die am Boden liegende Ölindustrie – namentlich das staatliche Unternehmen PDVSA – mittelfristig wieder Fuß fasst. Das Potenzial Venezuela, das über die größten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt verfügt, ist sehr groß. Derzeit fördert es lediglich 1,2 Mio. Barrel/Tag. Vor gut 20 Jahren, als Hugo Chávez die Macht übernahm, produzierte PDVSA in der Spitze noch 3,7 Mio. Barrel/Tag. Allein in den vergangenen drei Jahren ging der Output um etwa 1,3 Mio. Barrel/Tag zurück. An diesen Wert sollte man bei geordneten Verhältnissen wieder einigermaßen zügig heranreichen.

Derweil versucht Saudi-Arabien das bis vor kurzem zu beobachtende Aufwärtsmomentum bei den Ölpreisen durch erneute Ankündigungen bezüglich Kürzungen von Ölexporten aufrecht zu erhalten. In den US-Daten lässt sich ablesen, dass die Ankündigungen mehr als leere Worte sind. In der vergangenen Woche hat die USA nur 440.000 Barrel/Tag aus Saudi-Arabien importiert, der tiefste Wert seit einem Ausreißer Ende 2017 und rund etwa die Hälfte unter dem durchschnittlichen Import des Vorjahres. Aber: Es ist lediglich eine Momentaufnahme, die man nicht überbewerten sollte.

Insgesamt gehen wir von kurzfristig relativ gut unterstützten Preisen aus, wobei sich mittelfristig die schwächere globale Nachfrage als preisdämpfender Faktor durchsetzen sollte.

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