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Insolventer Solarkonzern Sun Power kauft US-Geschäft von Solarworld

In Deutschland ist Solarworld schon zum zweiten Mal insolvent. Für die US-Tochter des Solarmodulherstellers hat sich jetzt ein Käufer gefunden.

Allein aus dem operativen Geschäft ist die Gesellschaft laut Unternehmenskennern nicht wettbewerbsfähig. Quelle: Reuters

DüsseldorfFast ein Jahr nach der Solarworld-Pleite hat Insolvenzverwalter Horst Piepenburg nun einen Abnehmer für den wichtigsten verbliebenen Vermögenswert gefunden: Solarworld Americas, die US-Tochter von Europas einst größtem Photovoltaikkonzern, wird an den US-Solarkonzern Sun Power verkauft. Das erklärte Solarworld am Mittwoch in einer Pflichtmitteilung.

Nach der erneuten Insolvenz des deutschen Solarmodulherstellers war bislang unklar, was mit Solarworld America passiert. Die australische Investmentbank Macquarie, die Piepenburg beim Verkaufsprozess unterstützte, hatte anfangs 15 potenzielle Investoren angesprochen. Fünf Interessenten gaben daraufhin ein verbindliches Angebot ab.

Mit Sun Power geht das Unternehmen nun an einen der größten Solarmodulhersteller Amerikas. Den Kaufpreis wollte der Konzern am Mittwoch nicht offenlegen. Als realistisch gilt in Finanzkreisen aber, dass Solarworld-Insolvenzverwalter Piepenburg mit dem Verkauf einen zweistelligen Millionenbetrag erlösen könnte. Davon profitieren würden fast ausschließlich die besicherten Gläubiger von Solarworld. Noch muss der Deal aber von deutschen und amerikanischen Behörden genehmigt werden.

Solarworld-Americas-Chef Jürgen Stein zeigte sich mit dem Ergebnis nach den monatelangen Übernahmegesprächen trotzdem zufrieden. „Unsere Hunderten langjährigen Mitarbeiter sind begeistert, Teil des nächsten Kapitels der langen Geschichte von Solarworld Americas zu sein“, heißt es in einer Erklärung.

Das Unternehmen zählt mit seinem Produktionsstandort in Hillsboro im Bundesstaat Oregon zwar zu den größten Solarmodulherstellern in den Vereinigten Staaten. Doch die Geschäfte laufen schon länger alles andere als rund. Allein aus dem operativen Geschäft ist die Gesellschaft laut Unternehmenskennern nicht wettbewerbsfähig.

Dafür spricht auch, dass die Gläubiger erst kürzlich 5 Millionen Dollar zuschießen mussten, um den Betrieb fortzuführen. Allein die Fabrik in Hillsboro, die Maschinen, das Know-how der Mitarbeiter und die Marke sind für die Investoren wohl kaum von Interesse.

Mit dem Kauf von Solarworld Americas könnte Sun Power die Produktion zwar wieder auf den Heimatmarkt holen und so die unter US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle umgehen. Wichtiger dürfte aber sein, dass das Unternehmen darauf spekuliert, dass die US-Regierung neue Fördergelder für amerikanische Solarmodulhersteller gewähren oder bereits erhobene Zollgebühren auf ausländische Module unter US-Produzenten aufteilen könnte.

Das käme Sun Power nicht ungelegen, denn auch hier läuft das Geschäft alles andere als rund. Seit 2011 ist der Photovoltaik-Konzern mehrheitlich in den Händen des Ölkonzerns Total. Der will mit dem Solarmodulhersteller seine Ökobilanz aufhübschen. Zwischen 2012 und 2017 hat die Photovoltaiktochter der Franzosen nur Geld gekostet, zusammengerechnet mehr als 1,8 Milliarden Dollar.

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