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Intelligente Thermostate Per App die Heizung steuern

Intelligente Thermostate können den Energieverbrauch von Heizungen um bis zu 60 Prozent reduzieren, versprechen einige Hersteller. Die smarte Technik wird zum neuen Schlüsselfaktor für die Branche.

Die Raumtemperatur lässt sich bei den neuen Thermostaten auch mit dem Smartphone von unterwegs steuern. Quelle: ap

KölnSchon mit dem Gang zum Auto lassen sich Heizkosten sparen - zumindest im vernetzten Zuhause, neudeutsch Smart Home. Wenn der Letzte die eigenen vier Wände verlässt, fährt die Heizung automatisch herunter. Alles, was es dafür braucht: ein intelligentes Thermostat und ein Smartphone. Weil das Thermostat auf die Standortdaten des Handynutzers zugreifen kann, funkt es ein Signal an die Heizung. Je weiter weg sich der Hausbewohner bewegt, desto mehr fahren die Heizkörper herunter.

Eine solche Funktion bietet das Start-up Tado an. Die Münchener gelten als einer der führenden Anbieter für smarte Temperaturregler. Tados Thermostat wird an den Heizkessel angeschlossen und ist laut Unternehmen mit rund 5.000 europäischen Heizungstypen kompatibel. „Wir sind überzeugt, dass unser Produkt nicht nur effizient ist, sondern dem Verbraucher auch Arbeit abnimmt“, sagt Geschäftsführer Leopold von Bismarck.

Durch das Smart Home ist das Thermostat plötzlich mehr als nur ein Temperaturregler: Das Gerät kann in der digitalen Welt dafür sorgen, dass nur dann geheizt wird, wenn der Bewohner auch zu Hause ist. Diese eigentlich naheliegende Justierung drosselt Energiekosten. Einige Hersteller werben mit einer Reduktion von bis zu 60 Prozent.

Dem Thermostat kommt so eine besondere Rolle zu: Es wird zum wichtigsten Treiber für das vernetzte Heim. Für Anbieter tut sich ein lukrativer Markt auf. Die Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungs-Gesellschaft Deloitte veranschlagt den Umsatz von Smart-Energy-Anbietern auf 490 Millionen Euro im Jahr 2017. Es wären fast 60 Prozent mehr als 2013.

Die Höhe der Heizkosten steigere die Bedeutung des Themas, meint Peter Hug: „Die Heizung hat traditionell den größten Bedarf im Haushalt“, sagt der Gebäudeautomation-Experte beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Studien zufolge sind Heizkörper für drei Viertel des Energieverbrauchs in einem Haushalt verantwortlich. Natürlich lässt sich die Heizung auch per Hand abdrehen. Doch man muss daran denken. Thermostate seien „die einfachste Form der Regelung“, so Hug.


Energie-Effizienz am Arbeitsplatz

Zahlreiche Digital-Funktionen der Thermostate sind möglich - von der simplen Zeiteinstellung über die Bedienung per Smartphone bis hin zu Algorithmen, die neben persönlichen Gewohnheiten auch das Wetter einbeziehen. Das französische Start-up Netatmo bietet eine Funktion an, mit der das Thermostat auch auf Faktoren wie Isolierung und Außentemperatur reagiert. „Unser Thermostat ist einfach zu installieren und einfach zu nutzen“, wirbt Unternehmensgründer Fred Potter. Wie auch bei Tado funktioniert das Thermostat von Netatmo über den Heizkessel.

Die Steuerung von Thermostaten ist nicht nur zentral möglich, sondern auch in einzelnen Räumen. Beim Energieversorger RWE funktioniert die Bedienung über Ventile. Zwar haben sie den Nachteil, dass sie einzeln in jedem Raum angebracht werden müssen, doch sie sind dafür auch in Mietwohnungen einsetzbar. Volker Brink, Manager bei RWE Effizienz, sieht noch einen weiteren Vorteil: „Der Kunde kann die Thermostatventile genau für die Räume kaufen, für die er sie benutzen will.“

So würden manche Kunden ein Thermostat im Bad installieren, aber nicht in der Küche. Wenn der Kunde viele Räume digital kontrollieren will, kann das jedoch die Kosten treiben. Der Preis für ein Thermostat bei RWE liegt bei 50 Euro. Bei mobiler Nutzung kommen noch einmal 15 Euro jährlich hinzu. Zum Vergleich: Tado nimmt 250 Euro für sein Thermostat, Netatmo 180 Euro.

Die Frage nach der Energieeffizienz geht längst über Privathaushalte hinaus. Während sich Tado, Netatmo oder RWE gezielt an den Endverbraucher richten, spezialisieren sich Unternehmen wie MeteoViva aus Jülich auf mehr Effizienz am Arbeitsplatz. Es geht um Großprojekte: Das Unternehmen hat am Bonner Post Tower und am Neubau der EZB-Zentrale in Frankfurt mitgearbeitet und die Eventstätte BMW Welt energetisch optimiert.

„In Nutzgebäuden macht eine solche Regelung noch mehr Sinn als in Privathaushalten“, sagt VDMA-Experte Hug. Mitarbeiter würden selten die Heizung nach unten schrauben. Das Wort „Smart“ hat dort allerdings eine andere Bedeutung als im Einfamilienhaus. „Durch Licht und Computer ist die Wärmeentwicklung in einem Bürogebäude höher als in einem Privathaushalt“, bemerkt Markus Werner, Gründer von MeteoViva. So sei es an Arbeitsplätzen tendenziell eher zu warm als zu kalt.

MeteoViva setzt auf Simulationen: In die Prognosen für den Energiebedarf fließen sowohl die Bauphysik als auch die Wettervorhersage mit ein. MeteoViva funktioniert über eine kleine Box, die sich über ein Internetportal steuern lässt. Mitarbeiter bekommen dabei unterschiedliche Zugriffsrechte eingeräumt. Nicht jeder darf das Heizprofil verändern - und auch die Maximaltemperatur legt der Betreiber vorher fest. Weniger geht immer.

RWE-Manager Brink glaubt, dass Smart Energy zum großen Trend wird - auch wegen der Energiewende. „Das ist ein Zukunftsgeschäft. Thermostate sind ein guter Anfang“, sagt er.

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