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Internet-Bank Solarisbank bringt „Islamic Banking“ nach Deutschland

Die Solarisbank mischt den Finanzplatz auf. Erstmals kooperiert mit der türkischen Albaraka-Bank ein ausländisches Institut mit den Berlinern.

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Andreas Bittner (COO), Roland Folz (CEO), Peter Grosskopf (CTO), Marko Wenthin (CCO) leiten die Solarisbank.

„Die türkische Bank Albaraka Türk will Dienstleistungen für Privatkunden in Deutschland auf der Basis unserer Bank-Lizenz anbieten“, sagte der Vorstandschef der Solarisbank, Roland Folz, in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Offiziell soll das Projekt im Juli starten. Dann steht Kunden ein volldigitales Mobile-Banking-Angebot mit Konto, Debitcard sowie Überweisungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an Türken in Deutschland und deutschstämmige Türken – eine Zielgruppe, die rund fünf Millionen Menschen umfasst. Die Finanzgeschäfte sollen sich dabei am Wertekanon des Islams orientieren. So bestehen ein Zinsverbot für Kreditgeschäfte, auch wenn im ersten Schritt noch keine Kredite vergeben werden, ein Verzicht auf Spekulationsgeschäfte und ein Glücksspielverbot.

In der Praxis sieht das so aus, dass beispielsweise die Einsatzbereiche der Karte beschränkt, andererseits auch bankferne Services wie Gebetserinnerungen in die App integriert werden können, erläutert Folz. Das Angebot sieht Albaraka damit nicht nur als Banking-App, sondern als „digitalen Lebensbegleiter“.

Die Bank Albaraka Türk wurde 1984 gegründet, ist in der Türkei mit mehr als 200 Filialen präsent und beschäftigt 3.900 Mitarbeiter. An der börsennotierten Bank ist die Albaraka Banking Group aus Bahrain mehrheitlich beteiligt.

Die Entscheidung des türkischen Partners, auf die Solarisbank zu setzen, markiert für Folz einen Trend: „Banken lösen sich allmählich von dem Gedanken, alles selbst zu bauen, zu besitzen und zu kontrollieren, sondern setzen auf Partnerschaft.“ Weitere Partnerschaften mit Banken befänden sich in der Pipeline.

Die Solarisbank ist ein Phänomen unter den Fintechs. Sie gehört zu den wenigen Technologieunternehmen, die eine Vollbank-Lizenz der Finanzaufsicht Bafin besitzen. Das berechtigt sie, normale Bankgeschäfte zu tätigen. Tatsächlich ist sie auch im Einlagengeschäft aktiv und vergibt Kredite.

Aber das ist nur ein Fokus des ehemaligen Start-ups. Im Kern sind die Berliner nicht unbedingt ein klassischer Wettbewerber der Banken, sondern ermöglichen es anderen Unternehmen, Finanzdienstleistungen in ihr Geschäftsmodell zu integrieren, die dann von der Solarisbank gemanagt werden.

So gibt es beispielsweise eine strategische Partnerschaft mit dem Berliner Start-up Kontist. Gemeinsam wurde ein Geschäftskonto speziell für Freelancer und Selbständige konzipiert. Mit der Albaraka-Bank wendet sich die Solarisbank jetzt an klassische private Bankkunden.

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