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Interview Wirtschaftsweise Isabel Schnabel warnt vor Teufelskreis bei Banken

Die Kandidatin für das EZB-Direktorium bezeichnet die Lage der europäischen Banken als angespannt. Sie zweifelt auch das Geschäftsmodell der Landesbanken an.

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Die Finanzmarktexpertin erwartet Gegenwind für die gesamte Bankenbranche auch durch große Technologie- und Internetkonzerne aus den USA und China. Quelle: Reuters

Die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel sieht deutsche und europäische Banken im Dilemma. Die Branche müsse IT-Systeme umstellen und ihre digitalen Geschäftsmodelle vorantreiben, um fit für den Konkurrenzkampf zu bleiben, sagte die Ökonomin am Mittwoch im Interview mit Reuters TV. „Dafür fehlt ihnen letztlich das Geld, und es besteht die Gefahr eines Teufelskreises.“

Denn das Risiko sei, dass „die Banken unprofitabel sind, wesentliche Investitionen nicht tätigen können und dadurch auch nicht wettbewerbsfähiger werden können“. Die Lage der Banken in Europa bezeichnete Schnabel als „sehr angespannt“. Die Profitabilität sei deutlich kleiner als in den USA und die Kosteneffizienz relativ gering.

Die konjunkturelle Flaute trifft die deutsche Finanzbranche nun zur Unzeit, betonte Schnabel, die von der Bundesregierung für das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) nominiert ist. „Wir haben gesehen, dass es den Banken selbst in den relativ guten Zeiten nicht so besonders gutging“, sagte die 48-Jährige Professorin der Universität Bonn. „Deshalb ist es nur logisch, dass es den Banken im Abschwung oder sogar in einer Rezession noch schlechter gehen wird.“

Es sei klar, dass irgendwann die Kreditausfälle wieder hochgingen. „Die Banken werden dann deutlich unter Druck geraten.“ Insgesamt seien die Institute aber gut kapitalisiert und auch die Liquiditätslage sei nicht besorgniserregend. „Wir sind jetzt nicht in der Situation, dass wir morgen eine schwere Bankenkrise bekommen.“

Die Lage der deutschen Geldhäuser hänge auch davon ab, was in Europa passiere. „Wir brauchen europäische Zusammenschlüsse, um die Marktgröße in Europa nutzen zu können, um wettbewerbsfähig sein zu können in der auch immer digitaleren Finanzwelt.“ Die Bankenunion müsse vollendet und die Kapitalmarktunion vorangetrieben werden. In Deutschland sei der Wettbewerb intensiv.

„Es wird Konsolidierungen weiter geben müssen“, sagte Schnabel, die als Mitglied im Sachverständigenrat die Regierung berät. Dies gelte vor allem für die Landesbanken. Die öffentlich-rechtlichen Institute und die Großbanken hätten sich zuletzt „am schwersten getan“.

Hierbei müsse man sich zu den Landesbanken allerdings fragen, „ob das überhaupt ein Geschäft ist, das der Staat machen muss, oder ob man das abgeben muss an private Banken“. Das von Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis angestoßene Projekt eines Zentralinstituts der Sparkassen sei grundsätzlich sinnvoll, sagte Schnabel. Sie warnte aber zugleich: „Wenn große Banken entstehen, muss man sich immer Sorgen machen über die 'Too-big-to-fail-Problematik'.“

Gegenwind erwartet die Finanzmarktexpertin für die gesamte Bankbranche auch durch große Technologie- und Internetkonzerne aus den USA und China - wie Apple, Facebook, Google, Amazon oder Tencent und Alipay. Während FinTechs bisher eher Kooperationspartner der Institute seien und die Effizienz des Bankgeschäfts erhöhten, sei dies bei den „BigTechs“ anders.

„Da geht es darum, Banken in bestimmten Bereichen zu verdrängen.“ Der Markteintritt laufe wohl über den Zahlungsverkehr. „Dann ist es eben nur noch ein kleiner Schritt hin zu anderen Geschäften - vielleicht erst das Angebot von Anlageprodukten und irgendwann aber auch die Kreditvergabe.“

Die Technologieriesen müssten natürlich auch angemessen beaufsichtigt werden. Dann stelle sich die Frage, ob die Konzerne angesichts der Regulierung überhaupt noch in den Markt eintreten oder ob sie dann doch noch mit den Banken zusammenarbeiten wollten. „Aber selbst dann wäre es so, dass ein Teil der Gewinnmargen an diese großen Player gehen würde“, das würde dann die Profitabilität der Banken noch weiter beeinträchtigen, sagte die gebürtige Dortmunderin.

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