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Investments in Schwellenländer Modi macht Indien mobil

Indiens Ministerpräsident Narendra Modi will sein Land modernisieren. Vier Faktoren machen Hoffnung auf mehr Wachstum und steigende Aktienkurse. Auf welche Produkte Anleger setzen können.

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Indiens komplizierter Staatsapparat, aufgebaut auf britischer Kolonialtradition, gilt als nicht reformierbar. Quelle: dpa

Düsseldorf Anleger, die auf einen Boom indischer Aktienkurse gesetzt hatten, wurden in der Vergangenheit immer wieder bitter enttäuscht. Seit fast 20 Jahren wird Indien neben China als große Wachstumslokomotive in Asien gehandelt.

Doch vor allem die schlechte Infrastruktur des Landes und sein fast schon sprichwörtlicher Bürokratismus wirken wie Bremsklötze, die die Wirtschaft auf dem Subkontinent bisher daran gehindert haben, durchzustarten.

„Hightech-Güter werden immer noch mit Eseln transportiert“, scherzt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Fakt ist: Ein Autobahnnetz ist in dem riesigen Flächenstaat mit seinen 1,25 Milliarden Einwohnern nur marginal vorhanden, die Bahnverbindungen sind marode.

Und Indiens komplizierter Staatsapparat, aufgebaut auf britischer Kolonialtradition, gilt als nicht reformierbar. Gerade ausländische Unternehmen, die in Indien Fuß fassen wollen, bekommen das immer wieder deutlich zu spüren. Dabei ist nicht nur die Bürokratie an sich, sondern vor allem die systemimmanente Korruption ein riesiges Wachstums-Hemmnis für die Wirtschaft.

Geht es nach Narendra Modi, dem im vergangenen Mai neu gewählten Ministerpräsidenten, sollen jedoch genau diese Probleme in kürzester Zeit gelöst werden. „Modi hat einen ehrgeizigen Plan. Er geht die wichtigen Kernthemen an. Er will in Bildung und Infrastruktur investieren, das Steuerrecht transparenter machen, die Bürokratie abbauen und gegen die Korruption vorgehen“, sagt Robert Halver. „Die internationalen Marktteilnehmer sehen China immer kritischer und blicken nun gespannt nach Indien.

An der Börse gab es für Modis Pläne bereits Vorschusslorbeeren“, so Halver. Doch es gibt tatsächlich gute Gründe dafür, dass die Hoffnungen der Investoren auf eine nachhaltige positive Entwicklung auf dem indischen Subkontinent diesmal nicht enttäuscht werden.


Indien profitiert vom niedrigen Öl-Preis

Wer Reformen angehen will, braucht Geld. Gerade, wenn es darum geht, Subventionen zu streichen, die den Staatshaushalt belasten. Eine der teuren Subventionen auf der Streichliste ist die Subventionierung des Treibstoffs. Dank des Ölpreisverfalls in den vergangenen Monaten konnte die Regierung die Treibstoffpreise in Indien stabil halten – und gleichzeitig Geld sparen. „Der niedrige Ölpreis und auch der Verfall von Preisen bei anderen Rohstoffen ist für ein Land wie Indien ein sehr willkommenes Konjunkturpaket“, so Robert Halver.

Sinken die Rohstoffe, steigt das Bruttoinlandsprodukt. Der Effekt ist gigantisch: Allein die aktuellen Einsparungen beim Ölimport heben das Bruttoinlandsprodukt Indiens um ein Prozent. „Da Saudi-Arabien derzeit offensichtlich kein Interesse an höheren Ölpreisen hat, wird das preiswerte Öl den indischen Konjunkturmotor noch eine ganze Weile preiswert antreiben“, sagt Halver.

Auch die Zentralbank trägt ihren Teil dazu bei, dass der Import von Rohstoffpreisen preiswert bleibt. Denn Zentralbankchef Raghuram Rajan sorgt mit einer klugen und unabhängigen Politik dafür, dass die Rupie sich als stabile Währung etabliert. Gegenüber dem Euro hat die Rupie in den vergangenen zwölf Monaten rund 19 Prozent aufgewertet.

„Gleichzeitig gelingt Rajan der Drahtseilakt, Währungsreserven in US-Dollar aufzubauen und dafür zu sorgen, dass die Rupie gegenüber dem US-Dollar nicht abhebt. Denn das würde der indischen Exportwirtschaft schaden“, erklärt Vermögensverwalter Hans Heimburger von Gies & Heimburger.

Rajan hat sich zudem zum Ziel gesetzt, in den kommenden zwei Jahren die Inflation von aktuell knapp acht Prozent auf unter sechs Prozent zu drücken. Er baut dabei auf die Arbeit seiner Vorgänger auf. 2009 betrug die durchschnittliche Inflationsrate noch über 13 Prozent pro Jahr. Die Zinssenkung am Mittwoch dieser Woche passt in dieses Gesamtbild, der Wirtschaft und der Währung fein dosierte Impulse in die richtige Richtung zu geben: Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr hat die Zentralbank den Leitzins um 25 Basispunkte auf jetzt 7,5% gesenkt.

„Den Schritt kann man als Vertrauensbeweis des Zentralbankchefs in die Wirtschaftspolitik von Premierminister Narendra Modi verstehen. Es würde uns nicht wundern, wenn die Zentralbank in diesem Jahr sogar noch einmal die Zinsen um weitere 25 Basispunkte senkt“, so Heimburger. Rajan hatte die Zinssenkung unmittelbar nach der Veröffentlichung des mit Spannung erwarteten ersten Jahreshaushaltes beschlossen.
Wachstumstreiber Haushaltskonsolidierung: Der Finanzminister wird es schon richten.


Für indische Verhältnisse eine kleine Revolution

Modi profitiert nicht nur von der klugen Politik des Zentralbankchefs, sondern weiß auch einen professionellen Finanzminister an seiner Seite. Der erste Jahreshaushalt, den Finanzminister Arun Jaitley präsentiert hat, sendet klare Wachstumszeichen aus. Jaitley geht in seinem Haushaltsentwurf fürs kommende Jahr von einem Wirtschaftswachstum zwischen 8,1 und 8,6 Prozent aus. Das ist optimistisch. Schließlich hat die neue Regierung bislang nur wenige Reformen umgesetzt.

Doch Jaitlays Maßnahmenkatalog für die nächsten zwölf Monate liest sich wie ein Turbo-Wachstumsbeschleunigungs-Programm. Er will Unternehmer entlasten und hat eine Senkung der Unternehmenssteuern von 30 auf 25 Prozent angekündigt. Gleichzeitig hat er eine Reihe von neuen Möglichkeiten geschaffen, Investitionen steuerlich abzusetzen.

Das Steuersystem wird zudem vereinfacht, und Firmengründungen sollen erleichtert werden. Jüngster Coup: Die Regierung betreibt seit kurzem ein Internet-Portal, in dem Unternehmensgründer bis zu 14 Genehmigungen gleichzeitig beantragen können.

Für indische Verhältnisse ist das eine kleine Revolution. Auch ausländischen Investoren kommt Jaitley entgegen. Bisher können Ausländer in wichtigen Branchen nur Minderheitsbeteiligungen an indischen Unternehmen erwerben. Der umfangreiche Katalog an Bedingungen, die ausländische Unternehmer erfüllen müssen, um in Indien zu investieren, wird nun entschlackt.

Jaitlay will darüber hinaus Indiens Binnenhandel stärken. Dazu reformiert der das komplizierte Mehrwertsteuersystem. Bislang legt jeder Bundesstaat seine Steuersätze fest. Das soll sich ab April 2016 ändern. Dann gilt in ganz Indien ein einheitlicher Mehrwertsteuersatz. Experten erwarten allein durch diesen Schritt ein Potenzial für einen BIP-Anstieg von bis zu zwei Prozent. Ein Wachstumstreiber für den Binnenhandel sind zudem die derzeit die sinkenden Preise für Nahrungsmittel.

„In Indien geben die Menschen durchschnittlich rund 40 Prozent ihres Einkommens für Nahrung aus. Zum Vergleich: In den meisten Industrieländern sind es nur etwa zehn Prozent. Das Geld, das eine indische Durchschnittsfamilie derzeit bei der Nahrung einspart, kann in den Konsum fließen oder die Sparrate erhöhen. Beides stärkt die Binnenwirtschaft“, erklärt Hans Heimburger.


Indiens Fakten zur Bevölkerung sprechen für sich

„Indien ist nicht nur aktuell, sondern vor allem langfristig als Investitionsziel interessant. Dafür sorgt schon der demografische Faktor“, sagt Franz Schulz von der Fondsgesellschaft Quint:Essence Capital in Luxemburg. Die Fakten sprechen für sich: Rund zwei Drittel der Bevölkerung ist jünger als 35 Jahre alt. Bis 2040 wird die Einwohnerzahl Indiens Schätzung der UN zufolge von aktuell 1,25 Milliarden auf 1,6 Milliarden ansteigen.

Jährlich strömen derzeit rund 13 Millionen Arbeitskräfte auf den Markt. Für die Wirtschaft ist das Bevölkerungswachstum ein Segen. Denn die Sparrate in der Bevölkerung liegt bei rund 30 Prozent des BIP. Das ist ein Topwert im Vergleich zu anderen Emerging-Markets. „Nicht zuletzt aufgrund der hohen Sparraten steht die Finanzindustrie auf sicheren Füßen“ so Schulz.

Das wiederum ist für Anleger, die in den indischen Aktienmarkt investieren wollen, ein wichtiger Faktor. Banken und Versicherer spielen im Aktienindex MSCI India zwar nicht eine so große Rolle wie beispielsweise in den chinesischen Indizes. Doch die Finanzindustrie ist auch hier stark vertreten. „In Falle Indiens ist das eine gute Nachricht. Die indischen Finanzinstitute sind weniger im Investmentbanking engagiert, sondern konzentrieren sich mehr auf die Finanzierung indischer Unternehmen. Und damit sind sie gut beschäftigt“, so Schulz.

Deutsche Anleger, die vom Aufschwung Indiens profitieren wollen, können in entsprechende Indien-Fonds, Zertifikate und ETFs investieren. Der direkte Zugang zu den Aktien an der ältesten Börse Asiens ist ihnen als Ausländer verwehrt. Verzweifeln müssen sie trotzdem nicht. Vor allem die Auswahl an Indien-Fonds ist groß. Es gibt rund 100 Fonds mit Schwerpunkt Indien, einige Indien-Index-Zertifikate und vier ETFs.

Die drei erfolgreichsten Indien-Fonds der vergangenen fünf Jahre sind der Aberdeen Global Indian Equity Fonds (WKN A0HMTV) mit einer Performance von rund 90 Prozent in den letzten zwölf Monaten, der First State Indian Subcontinent Fund (WKN A0QYLS), dessen Manager David Gait und Sashi Reddy das angelegte Vermögen ihrer Investoren in den zurückliegenden zwölf Monaten um 94 Prozent steigern konnten und der Goldman Sachs India Equity Fonds (WKN A0QYZP), der in dieser Zeit sogar eine Rendite von über 100 Prozent erzielen konnte. Bei diesen Zahlen spielt die Entwicklung der Rupie eine nicht zu unterschätzende Rolle: Rund 25 bis 30 Prozentpunkte der Performance gehen bei diesen Fonds auf Währungsgewinne zurück.


Preiswerte Alternative zu aktiv gemanagten Fonds

Die preiswerte Alternative zu den aktiv gemanagten Fonds sind ETFs. Dem Indien-ETF von Deutsche Bank x-trackers (WKN DBX1NN) dient der S&P CNX NIFTY Index als Basiswert. In dem Index 50 der größten und liquidesten indischen Wertpapiere zusammengefasst, die an der indischen Börse NSE (National Stock Exchange of India) gelistet sind. Die drei anderen zur Verfügung stehenden Indien-ETFs von Amundi (WKN A0RF48), Lyxor (WKN LYX0BA) und db x-trackers (WKN DBX0G0) beziehen sich auf den MSCI India Index. Wobei letztgenannter ETF von der Deutschen Bank mit 0,75 Prozent die günstigste Gesamtkostenquote aufweist.

Die Auswahl an passenden Indien-Zertifikaten ist leider erstaunlich gering. Nennenswert sind nur drei Zertifikate. Die Deutsche Bank bietet das Indien Top Select Zertifikat (WKN DB6ARC) an, mit dem Anleger auf die Entwicklung eines nicht gemanagten Aktienkorbes mit neun indischen Aktien setzen können. Von der UBS gibt es ein Partizipations-Zertifikat auf den MSCI India Index (ISIN UB26SF), der 67 indische Werte umfasst, die etwa 85 Prozent der Marktkapitalisierung des indischen Aktienmarktes repräsentieren.

Das dritte Index-Zertifikat im Bunde ist das RBS Indien II ADR/GDR Index-Zertifikat von BNP Paribas (WKN ABN537). Gemeinsam ist den drei Zertifikaten, dass die dort versammelten Aktien als ADRs in London oder New York gehandelt werden. Vorteil: Die Aktien in den Indizes und Baskets sind hoch liquide. Der Handel in New York oder London ist kein Nachteil.

Fazit: Indien boomt, die politische Troika aus Ministerpräsident Modi, seinem Finanzminister Jaitley und Notenbankchef Rajan hat sich viel vorgenommen. Schaffen es die Reformer, sich langfristig durchzusetzen, könnte Indiens Wirtschaft und Aktienmarkt tatsächlich ein nachhaltiger Boom bevorstehen.

Die Börse hat bereits Vorschusslorbeeren verteilt. Indische Aktien und die entsprechenden Fonds, ETFs und Zertifikate darauf sind kein Schnäppchen mehr. Für langfristig orientierte Anleger bleibt Indien dennoch interessant.

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