Investor Relations Soziale Netzwerke werden unterschätzt

Im Internet haben die Unternehmen viele Möglichkeiten, mit ihren Investoren zu kommunizieren. Während die Inhalte auf den Webseiten immer besser werden, ist die professionelle Nutzung von sozialen Netzwerken selten.

Eigentlich sind Unternehmen überzeugt, dass soziale Netzwerke wichtig sind. Bei der Investor-Relation spielen sie allerdings noch keine große Rolle. Quelle: dpa

KölnFür börsennotierte Unternehmen stellt die Kommunikation mit ihren Investoren ein wichtiges Thema dar. Die sogenannte Investor-Relation kümmert sich um die Informationsbedürfnisse verschiedener Zielgruppen. Dazu zählen Investoren, Journalisten und Analysten. Investor Relations wird auch im Online-Auftritt der Unternehmen immer wichtiger. Auch für die deutschen Unternehmen.

„In Sachen Investor-Relation gehören die deutschen Unternehmen in ihrer Breite, digital, inhaltlich sicher weltweit zur Oberklasse“, gibt die Unternehmensberatung NetFederation gegenüber Handelsblatt-Online an. Probleme seien deshalb eher „technisch“ und „konzeptionell“ zu suchen. Die deutschen Unternehmen „hinken hier ein oder zwei Generationen hinterher.“ Das führe den Experten zufolge zu „massiven Risiken“ und „Wettbewerbsnachteilen.“

Der Benchmark wird seit 2003 von der Unternehmensberatung NetFederation in Köln erhoben. Die Studie überprüft die Online Investor-Relations-Bereiche der 100 größten deutschen Unternehmen. Neben den 30 Dax Konzernen, sind die Unternehmen an MDax, SDax und TecDax gelistet. Der Fokus liegt bei der Studie auf drei Bereichen, „Inhalt und Struktur“, „Service und Dialog“ sowie die „Nutzerfreundlichkeit.“ Für die Bewertung gibt es drei Kriterien, „weniger wichtig“, „wichtig“ und „sehr wichtig.“

In der Studie wird gelobt, dass bereits 52 Prozent der Unternehmen ihre Kennzahlen im HTML-Format bereitstellen. Allerdings kritisiert NetFederation, die Unternehmen würden nicht genug Wert auf die aktuelle Aufbereitung der Informationen legen.


BASF ist digitale Spitze

Damit wird die Chance verpasst, Inhalte kompakt und webgerecht aufzuarbeiten. Dadurch fällt es den Nutzern der verschiedenen Zielgruppen schwerer, die gesuchten Informationen zu finden. „Die Redaktionssysteme und Webseiten sind hoffnungslos veraltet, ein Relaunch erfolgt oft nur alle fünf Jahre. Das sind Welten, wenn es um Digitalisierung geht“, meint NetFederation.

Eine verpasste Chance sehen die Experten von NetFederation auch in der Nutzung von sozialen Netzwerken. Laut Studie nutzen nur fünf Prozent der Unternehmen soziale Netze zur Finanzkommunikation. Für die Experten ist das viel zu wenig. Die Unternehmen würden wichtige Trends und Meinungen in der Zielgruppe verpassen. „Es gibt aus Ressourcengründen keine eigenen professionell aufgebauten Social-Media-Kanäle, hier muss ein Umdenken erfolgen“, fordern die Experten.

Zu viele der für Investor-Relation bereitgestellten Ressourcen würden in „klassische Formen wie den gedruckten Geschäftsbericht“ gesteckt. Hierbei seien allerdings die „Erreicherkosten immens“. Social-Media ist, laut Studie, der aktuell größte Problembereich bei der Investor Relation. Nicht nur Unternehmen selbst seien wenig aktiv. Auch würden nur 28 Prozent aller Unternehmen auf ihrer Seite Inhalte bereit, die sich sofort über ein soziales Netzwerk teilen lassen.

Trends wie „Social Trading“ würden hierbei oft nicht beachtet. „Die Bedeutung der Digitalisierung für die eigene Berufsgruppe wird oft unterschätzt“, kommentiert NetFederation. Den besten Investor-Relations-Bereich im Web hat laut Studie der Chemiekonzern BASF. Das Dax-Unternehmen kommt insgesamt auf 779 Punkte. „BASF ist digital sehr breit aufgestellt und zeigt eine hohe Nutzerorientierung“, sagen die Experten dazu. Die Interessenten finden auf der Webseiten Informationen, die über das „Standart-Maß“ hinausgehen.

Die Experten loben auch, dass BASF im Investor-Relations-Bereich der Webseite auch Zahlen und Informationen zum Thema Nachhaltigkeit bereitstellt. Damit wird der Konzern „der wachsenden Bedeutung von Nachhaltigkeit bei der Investitionsentscheidung“ gerecht.

Den größten Verbesserungsbedarf sehen die Experten im Aufbereiten von Argumenten, um in das Unternehmen zu investieren. „Die ausführlichen Gründe für ein Investment und entsprechende Details, beispielsweise Risiken, Strategie oder Märkte, fehlen bei fast allen Unternehmen oder weisen erhebliche Defizite auf.“

Das Handelsblatt ist Medienpartner der Investor-Relations Benchmark. Mehr Infos und Daten zu den Studie finden Sie unter:

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