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Italien und Spanien Deutsche Bank schließt mehr Auslandsfilialen und fokussiert sich auf Wohlhabende

Das Geldhaus setzt künftig auf Auslandskunden, die Geld für Investments übrig haben und anspruchsvollere Produkte oder Kredite verlangen.

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In Italien und Spanien zusammen hatte die Bank zeitweise fast 700 Filialen Quelle: dapd

Die Deutsche Bank will ihr ausgedehntes Filialnetz in Italien und Spanien zusammenstreichen. Stattdessen will das Institut in einer kleineren Anzahl von Flagschiff-Niederlassungen vorwiegend wohlhabende Kunden betreuen.

Der Schritt bedeutet eine Refokussierung in diesen Ländern: weg davon, alle Privatkunden bedienen zu wollen und hin zu Kunden, die Geld für Investments übrig haben und die anspruchsvollere Produkte oder Kredite verlangen, sagte Claudio de Sanctis, der Chef des Privatkundengschäfts außerhalb Deutschlands. Los geht es in Spanien, gefolgt von Italien und schließlich Belgien. Anderswo in Europa sollen die vermögenden Kunden vorwiegend digital betreut werden.

De Sanctis nannte das Geschäft einen „fantastischen Kanal“, um mehr Kunden für das Wealth Management zu gewinnen. Wenn man sich erstmal um die Wohlhabenden kümmere, gewinne man am Ende auch eine Menge Reiche und Superreiche als Kunden, so de Sanctis in seinem Büro in Zürich. Für weniger Betuchte will die Bank ihr Angebot dagegen zurückfahren.

In Italien und Spanien zusammen hatte die Bank zeitweise fast 700 Filialen, ein teures und geringmargiges Geschäft, erst recht im Niedrigzinsumfeld. De Sanctis kam 2018 von der Credit Suisse zur Deutschen Bank, kümmert sich auch um das Wealth Management und strebt in seinem Bereich ein Ertragswachstum von zehn Prozent bis Ende nächsten Jahres an. Zeitgleich sollen die Kosten um 300 Millionen Euro sinken.

Um das zu schaffen, schaut er auch bei seinem vormaligen Arbeitgeber ab: Teil der Strategie ist die enge Kooperation der Berater vermögender Kunden und jener, die sich um Unternehmen im Familienbesitz kümmern. Damit will die Bank an Mandate für die Privatvermögen wohlhabender Unternehmerfamilien herankommen. In Italien wird diese Strategie bereits umgesetzt, Spanien soll folgen und auch Belgien.

„Ganz besonders in Europa trennen diese Unternehmerfamilien nicht wirklich zwischen Geschäft und Privat“, so de Sanctis. „Es ist beides Teil eines Bildes.“

Das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank in Belgien, Indien, Italien und Spanien kam letztes Jahr unter die Verantwortung von de Sanctis. In Spanien hat die Bank bereits einige Filialen geschlossen und betreibt derzeit noch 158, in Italien wurde die Zahl in den letzten Jahren auf 266 fast halbiert.

Versuche, das Geschäft in Spanien und Indien zu verkaufen, blieben in vergangenen Jahren erfolglos. Indien ist weiterhin langfristig interessant wegen seiner großen Bevölkerung, sagte de Sanctis.

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