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Jahresbilanz Genossenschaftsbanken Kundennähe zahlt sich aus

Die rund 400 Volks- und Raiffeisenbanken sind mit einer Mischung aus Tradition und Innovation erfolgreich: Sie wachsen überdurchschnittlich. Dabei ist ihre Anzahl im vergangenen Jahr gesunken.

Das große Filialnetz und die Präsenz auf dem Land sind nach wie vor eine wesentliche Stärke der Genossenschaftsbanken. Quelle: imago/Sebastian Widmann

FrankfurtBitcoins, Fintechs, Robo-Adviser, Onlinebanken – die Finanzbranche erlebt einen Ansturm von Innovationen und von Angreifern auf die Welt der klassischen Banken. Die Genossenschaftsbanken – Volks- und Raiffeisenbanken – verschließen sich den neuen Trends keineswegs. Vor Kurzem haben sie zum Beispiel ein neues Bezahlsystem angekündigt, das auf dem Smartphone basiert. Aber letztlich begründet dieser Bankenverbund den eigenen Erfolg sehr traditionell mit der Kundennähe.

Nach Aussage des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hat der Verbund im Jahr 2017 seinen Marktanteil bei Privatkundenkrediten um 0,2 Prozentpunkte auf 24 Prozent erhöht. Der Bereich der geschäftlichen Kredite wuchs um 6,2 Prozent auf 243 Milliarden Euro, der entsprechende Marktanteil damit um einen halben Prozentpunkt auf 19,5 Prozent. Das gesamte Kreditvolumen erreichte 551 Milliarden Euro. In den letzten zehn Jahren lag das Kreditwachstum laut BVR im Schnitt bei 4,1 Prozent und damit über dem Branchendurchschnitt.

Die Zahl der genossenschaftlichen Banken ist im Laufe des vergangenen Jahres in erster Linie durch Fusionen von 430 auf 400 gesunken. Trotzdem ist das große Filialnetz immer noch die wesentliche Stärke des Sektors. Während die Volksbanken vor allem in Städten residieren und dort mit allen anderen Banken konkurrieren, teilen sich auf dem Land die Raiffeisenbanken den Markt häufig mit den Kreissparkassen, die privaten Großbanken sind dort oft kaum sichtbar.

Nach einer Studie der Managementberatung Beikelach sind kleine Sparkassen und Genossenschaftsbanken deutlich krisenresistenter als große Banken. Tatsächlich hat sich in der Finanzkrise der Jahre ab 2008 der Genossenschaftssektor als besonders stabil erwiesen. Weil er sich Eigenkapital in Form von Genossenschaftsanteilen im eigenen Kundenkreis besorgt, kam ihm zu Gute, möglichst weit von den zusammenbrechenden Kapitalmärkten entfernt zu sein. Die Sparkassen erwiesen sich als ähnlich stabil, allerdings stimmt dieses Bild nur, wenn man die zu ihrem Verbund gehörenden Landesbanken ausblendet.

Laut Beikelach sind die Genossenschaften deutlich besser organisiert als die Sparkassen. Tatsächlich haben die Genossenschaften mit der DZ Bank schon lange ein einziges Spitzeninstitut und mit der R+V einen großen Versicherer, der zudem relativ viele Produkte über die Bankschalter verkauft. Die Sparkassen sind dagegen noch stärker an der Struktur der einzelnen Bundesländer orientiert. Außerdem lobt auch die Beratungsgesellschaft die Kundennähe vor allem kleiner Banken, wo oft selbst die Vorstände noch direkt erreichbar sind. Zugleich loben die Experten die Standardisierung der Prozesse in dem Sektor.

Die Genossenschaften sind insofern ein Lehrstück, als sie scheinbare Gegensätze vereinen. Sie sind privat organisiert, aber weitgehend unabhängig vom Kapitalmarkt, überwiegend sehr klein, aber nutzen im Verbund trotzdem Größenvorteile. Außerdem passen offenbar digitale Strategien und direkter Kundenkontakt zusammen. In Zeiten niedriger Zinsen sind das alles noch wichtigere Themen als in der Vergangenheit.

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