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Jes Staley Barclays-Chef bleibt trotz Whistleblower-Affäre im Amt

In der Whistleblower-Affäre muss Jes Staley nur eine Geldstrafe zahlen. Eine Nachricht zu einem wichtigen Zeitpunkt – für Barclays und für ihn persönlich.

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Barclays-Chef Staley bleibt trotz Whistleblower-Affäre im Amt Quelle: Reuters

London Die monatelange Untersuchung hatte wie ein Damoklesschwert über Jes Staley gehangen. Nun kann der Barclays-Chef aufatmen: Die Whistleblower-Affäre wird ihn nicht seinen Job kosten. Die britische Finanzaufsicht FCA und die Bankenaufsicht der Bank of England (BoE) begnügen sich mit einer Geldstrafe.

Staley hatte 2016 den Sicherheitschef der Bank beauftragt, einen Kritiker in den eigenen Reihen ausfindig zu machen, der den CEO beim Verwaltungsrat angeschwärzt hatte. Ein solcher Auftrag verstößt gegen das britische Gesetz. Die Aufseher von FCA und BoE hatten daher eine Untersuchung eingeleitet.

Staley hatte sich bereits vergangenes Jahr für den „Fehler“ entschuldigt, der Verwaltungsrat hatte ihn gerügt und angekündigt, sein Gehalt zu kürzen. Die Bank selbst entging nun einer Strafe, weil sie die internen Kontrollen nach dem Skandal verstärkt hatte.

Mit der Entscheidung der britischen Aufseher ist eine weitere Altlast der Großbank beseitigt. Zuletzt hatte sich Barclays mit dem US-Justizministerium auf eine Strafzahlung von zwei Milliarden Dollar für den US-Hypothekenskandal geeinigt. Die Bank hatte dies als Erfolg gewertet, nachdem die Behörde ursprünglich fünf Milliarden Dollar gefordert hatte. Wenn nun auch noch das seit Jahren schwächelnde Handelsgeschäft im ersten Quartal angezogen haben sollte, dann kann Staley gestärkt auf der Hauptversammlung am 1. Mai auftreten.

Der Verwaltungsrat der Bank teilte am Freitag mit, er werde Staley den Anlegern zur Wiederwahl empfehlen. Nur eine Gefahr droht ihm nun noch: Der aktivistische US-Investor Edward Bramson will angeblich auf Konfrontationskurs gehen, wie der Londoner „Evening Standard“ am Donnerstag berichtete.

Er will demnach fordern, dass Staley die Investmentbanksparte verkaufen soll. Bramsons Firma Sherborne hatte Anfang des Jahres mehr als fünf Prozent der Barclays-Aktien erworben. Über die Pläne des Großinvestors wird seither gerätselt.

Sollte Bramson tatsächlich darauf bestehen, die Investmentbanksparte abzuspalten, wäre dies ein Frontalangriff auf Staleys Strategie. Der frühere JP-Morgan-Investmentbanker hatte die Investmentbank seit seinem Amtsantritt 2015 gestärkt und allein im vergangenen Jahr 40 neue Managing Directors eingestellt. Einigen Anlegern ist die Investmentbank jedoch schon länger ein Dorn im Auge, weil sie deutlich weniger profitabel ist als das britische Privatkundengeschäft, das andere Standbein des Geldhauses.

Staley hofft nun, dass die Quartalszahlen seine Strategie bestätigen. Die großen US-Konkurrenten Goldmans Sachs und Morgan Stanley hatten diese Woche bereits hohe Gewinne im Handelsgeschäft gemeldet. Bei Barclays soll das erste Quartal ebenfalls gut gelaufen sein.

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