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Karriereleiter

So wird die Besprechung zum Erfolg

Simone Janson Freie Autorin

Autokratische Chefentscheidungen sind aus der Mode, demokratisch geführte Unternehmen sind im Trend. Das Problem ist bloß: Gemeinsame Entscheidungen kosten Zeit. Was tun? Eine Kolumne.

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Team-Entscheidungen müssen längst nicht so kompliziert sein, wie viele glauben. Quelle: Fotolia

Viele Angestellte leiden unter ineffizienter und schlechter Führung, was auch die Beliebtheit meiner letzten Kolumne zum Thema Cheffing zeigte. Die ideale Lösung scheint daher, Mitarbeiter an Entscheidungen zu beteiligen.

Doch das kostet leider viel mehr Zeit, als wenn der Chef einsam und autokratisch entscheidet. Besprechungen zur gemeinsamen Entscheidungsfindung sind oft mühsam: Zuerst müssen Meinungen und Argumente ausgetauscht, dann muss gemeinsam ein Kompromiss gefunden werden. Langwierige Diskussionen können die Folge sein – und das dauert leider entsprechend. Darum wird in vielen Unternehmen gar nicht erst versucht, gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Meistens entscheidet nur eine Person – der Chef. Alle anderen müssen damit leben.

Das vermeidet zwar das lästige Ringen um den besten Kompromiss, führt aber oft nicht zum optimalen Ergebnis. Denn eine Gruppe hat zusammen meist größeres Wissen und mehr Erfahrung als der Einzelne. Sie kann ein Problem aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Die besten Lösungen kommen also dann zustande, wenn alle Teilnehmer ihre Gedanken einbringen und die verschiedenen Ideen miteinander kombiniert werden – falls alle bereit sind, ihre Erfahrungen zu teilen.

Weiterer Vorteil: Hinterher identifizieren sich alle mit den gefundenen Lösungen und bemühen sich intensiver um die Umsetzung, weil sie bei der Entscheidung Verantwortung übernommen haben – ein entscheidender Faktor für der Unternehmenserfolg, wie Studien immer wieder belegen.


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Für beide Herangehensweisen gibt es also gute Argumente. Was also tun? Im vergangenen Jahr stellte der deutsche Management-Vordenker Gunter Dueck, ehemaliger IBM-Manager und Mathematiker, sein Buch „Schwarmdumm“ vor. Darin spricht er sich mitnichten gegen die Weisheit der Vielen aus. Vielmehr kritisiert Dueck in seinem Buch die schlechte Arbeitsorganisation. Bei Besprechungen seien die Ziele unklar, zu viele Teilnehmer anwesend und die Abläufe unkoordiniert. Das Ergebnis sind weitere Diskussionen und noch mehr Arbeit. Dueck plädiert daher dafür, Meetings nur dann abzuhalten, wenn sie absolut notwendig sind.

Tatsächlich werden solche Teambesprechungen von vielen Mitarbeitern nur als Zeitverschwendung wahrgenommen, die sie von ihrer eigentlichen Arbeit abhalten. Frei nach dem Motto: „Viele gehen rein, wenig kommt heraus.“

Gute Aussichten auf Erfolg

Das liegt daran, dass vor allem in großen Runden mit vielen Teilnehmern meist nur über abstrakte Probleme gesprochen wird. Konkretes machen viele Kollegen lieber im kleinen Kreis unter sich aus. Stattdessen nutzen einzelne Mitarbeiter oder der Chef das Forum als Plattform zur Selbstdarstellung, während die anderen gelangweilt den endlosen Monologen folgen. Daran sind die Angestellten allerdings oft selbst schuld: Viele Teilnehmer gehen derart unvorbereitet in Besprechungen, dass sie nicht einmal wissen, worum es geht, geschweige denn konstruktive Zwischenfragen stellen.

Dementsprechend sind dann auch die Ergebnisse: Selten wird wirklich kreativ zusammengearbeitet. Bei den meisten Meetings wird entweder nur gestritten oder es kommen nur theoretische, allgemeine Absichtserklärungen heraus: „Wir müssten dann demnächst...“, heißt es dann oft. Oder auch: „Wir wollen in Zukunft...“

Was Meeting-Floskeln wirklich bedeuten

Wie die Lösung eine Problems konkret aussieht, wissen die meisten Mitarbeiter hinterher leider trotzdem nicht. Stattdessen fragen sie sich, ob sie nicht am Schreibtisch produktiver gewesen wären – und meist ist die Antwort eindeutig.

In Arbeit
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Aber es geht auch anders. Das zeigt zum Beispiel eine Studie der Berliner Humboldt-Universität. Demnach führen Besprechungen zu besseren Ergebnissen, wenn die Teammitglieder strukturiert Erfahrungen und Wissen austauschen, Fehler tolerieren und gemeinsam daraus lernen. In Unternehmen, in denen Angstkultur und Konkurrenzdenken herrschen, ist das nicht möglich. Die Wissenschaftler empfehlen vor allem kurze, tägliche Runden, bei denen die Teilnehmer stehend Auskunft über den aktuellen Status Quo ihrer Arbeit geben.

Team-Entscheidungen müssen also längst nicht so kompliziert sein. Viele Teilnehmer nehmen die schlechte Organisation jedoch als „chefgegebene“ Situation an, der sie vermeintlich hilflos ausgeliefert sind. Von wegen. Jeder kann selbst dazu beitragen, dass eine Besprechung erfolgreich wird.

Die Autorin betreibt das Blog "Berufebilder". Sie können auch über Twitter mit ihr in Kontakt treten.

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