WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Kaufhof-Interessent Richard Baker Der Willy Wonka der Warenhäuser

Immobilienhai mit einem Faible für Luxus: Richard Baker. Der Eigentümer von Hudson's Bay könnte Galeria Kaufhof übernehmen. Sollte er den Kauf durchziehen, könnte sich der deutsche Handelsmarkt verändern.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Die Metro wollte die 140 Filialen seit längerem abstoßen. Quelle: dpa

Düsseldorf Große Ziele haben Richard Baker noch nie geschreckt, wenn sie Rendite versprechen: Schon zu Schulzeiten schrieb er lieber Businesspläne, als mit Freunden Bier zu trinken. Damals wollte er noch eine eigene Imbiss-Kette gründen, dafür jobbte er sogar bei einer Catering-Firma. Heute gilt der 49-jährige Baker tatsächlich als einer der schärfsten Unternehmer von Nordamerika. Und das ganz ohne ein zweites McDonald's.

Statt eine Imbiss-Kette zu gründen, hat Baker in den vergangenen Jahren mehrere große Handelsketten aus Nordamerika aufgekauft. Sein neues großes Ziel: Jetzt will er in den europäischen Markt eintreten. Insidern zufolge soll es ein erstes Angebot für die Metro-Tochter Kaufhof geben – unverbindlich und von beiden Seiten nicht bestätigt. Mit dieser Übernahme könnte Baker eine transatlantische Warenhaus-Kette formen. Baker wird damit zum aktuell größten Rivalen von René Benko, dem österreichischen Karstadt-Eigentümer, der ebenfalls um Kaufhof wirbt.

Sanieren statt vermieten: Mit Konkurrenten wie Benko dürfte Baker umgehen können – auf Augenhöhe, denn er hat Erfahrung mit ertragsschwachen Kaufhäusern und ihrer Sanierung. 2006 kaufte er die Traditionskaufhauskette Lord & Taylor. Da zeigten sich zum ersten Mal sein strategisches Geschick und sein Ehrgeiz. In nur vier Monaten zog er die Übernahme durch, für einen Betrag von 1,2 Milliarden Dollar. Die Belastung für Baker betrug allerdings nur einen Bruchteil davon. Er finanzierte das Geschäft vor allem, indem er die Immobilien der Lord & Taylor-Häuser mit Krediten belieh. So musste Baker selbst nur 25 Millionen Dollar aufbringen.

Und so ging es weiter, als er nur ein Jahr später Hudson’s Bay kaufte. Die 1670 in Kanada gegründete Kaufhauskette zählt zu den größten Unternehmen Nordamerikas. Zunächst übernahm Baker zwanzig Prozent für 100 Millionen Dollar. 2008 wollte der Besitzer Jerry Zucker auch die restlichen 80 Prozent loswerden. Er verlangte einen Kaufpreis von 1,3 Milliarden Dollar - von denen Baker eine Milliarde durch neue Schulden finanzierte.

2013 kam der vorerst letzte Teil zu Bakers Aktiengesellschaft Hudson’s Bay Company (HBC) hinzu: Den Kauf der die Luxus-Kaufhauskette Saks Fifth Avenue finanzierte er ebenfalls durch das Beleihen von Immobilien. Mittlerweile beschäftigt der Kaufhauskonzern mehr als 70.000 Mitarbeiter in den USA und Kanada, der Umsatz liegt bei 8,1 Milliarden Dollar.

Mit der Übernahme der 140 Galeria-Kaufhof-Filialen könnten 3,1 Milliarden Euro obendrauf kommen. Falls sich Metro auf den Deal einlässt, würde Baker zudem nicht nur dem langjährigen Kaufhof-Interessenten Benko ein Schnippchen schlagen – der Amerikaner würde auch eine wichtige Größe auf dem deutschen Handelsmarkt.

Luxus statt Discount: Worum es Richard Baker heute bei seinen Geschäften geht, sind zuverlässige Gewinne und anscheinend auch die Qualität. So wurde die Discount-Kette Zellers, die einst zu Hudson’s Bay gehört hatte, zügig abgeworfen. Stattdessen setzt Baker auf Hochglanz-Angebote.

Doch damit könne Baker zumindest in Deutschland nicht punkten, meint Thomas Roeb. „Der Deutsche strebt nicht unbedingt nach Luxus“, sagt der Handelsexperte. So wachse der Marktführer für wertige Mode in Deutschland, Peek & Cloppenburg, deutlich langsamer als das günstige schwedische Modehaus H&M.


Hat Bakers Vater die Fäden gezogen?

Auch die Erfahrung bei Karstadt spreche gegen das Konzept, die Warenhäuser in Deutschland zu Edel-Läden umzubauen: „Vor zehn Jahren hat der damalige Karstadt-Chef Thomas Middelhoff versucht, große Kaufhäuser in Deutschland höher zu positionieren. Das hat nicht funktioniert“, sagt Roeb. „Da haben die Lieferanten nicht mitgespielt.“ Der Handelsexperte bezweifelt, dass Baker das schaffen kann, woran viele andere Unternehmer vor ihm gescheitert sind. „Der kanadische und der US-amerikanische Markt funktionieren anders als der deutsche. Dort finden große Einkaufsketten bei der Bevölkerung mehr Akzeptanz, in Deutschland wird die Ketten-Kultur eher abgelehnt.“

Roeb schließt zwar nicht gänzlich aus, dass Baker ein innovatives Konzept für Galeria Kaufhof in petto hat, ist aber pessimistisch. „Bestenfalls hält Baker den Umsatz stabil. Schlimmstenfalls wiederholt sich das Berggruen-Desaster.“ Nicolas Berggruen hatte Karstadt im Jahr 2010 Karstadt gekauft und 2013 an Benko weiter veräußert.

Business statt Party: Richard Baker wurde am 27. November 1965 in eine jüdische Immobilien-Familie geboren, sein Vater Robert Baker war ein erfolgreicher Manager in der Gegend von New York. Bakers Eltern ließen sich scheiden als er 12 Jahre alt war. Die meiste Zeit verbrachte er bei seinem Vater . Der bescheinigte seinem Sohn früh ein Faible für Geld.

Zunächst führten Bakers Ambitionen ihn auf eine Kochschule in Paris. Doch der Traum vom Einstieg ins Imbiss-Geschäft platzte. Robert Baker ist daran wohl nicht ganz unschuldig: „Ich habe zu ihm gesagt 'Du weißt, in einem Chicken-Wings-Restaurant musst du früh aufstehen und bis in die Nacht arbeiten.“ Richard Baker hinter einem Tresen eines amerikanischen Diners, in dem Chicken-Wings und Pommes auf der Karte stehen? Stattdessen schrieb sich Baker bei der renommierten Cornell Universität ein – die Eintrittskarte in die New Yorker Geschäftswelt.

Bevor Richard Baker seinem Faible für teure Warenhäuser nachging, gründete er mit seinem Vater und zwei Partnern eine Kapitalbeteiligungsgesellschaft. 2005 investierte Baker zum ersten Mal viel Geld in eine Firma, die kurz darauf pleiteging. Seine Lehredaraus: Eine Investition bedürfe Kontrolle. Seiner Kontrolle. Und die übt er am liebsten von der Rückbank seines SUV, einem Cadillac Escalade, aus.

Greenwich statt New York City: Sein Privatleben hält Baker aus der Presse heraus. Man weiß lediglich, dass er mit seiner Frau Lisa M. Burell und den gemeinsamen Kindern Henry, Jack und Serena in seinem Geburtsort Greenwich, einem Vorort von New York, lebt. Und im Internet ist eine Meldung über die Verlobung von Baker und Burell zu finden – New York Times, 1993.

In seiner Freizeit schlendert er gelegentlich durch die Filialen seiner eigenen Luxuskaufhäuser. Die „New York Times“ titelte 2011 über Baker: „Der Prinz von Lord&Talor“. Die Anspielung auf den Erfolgsfilm „Charlie und die Schokoladenfabrik“ verdeutlicht die Botschaft: Willy Wonka, ein reicher und exzentrischer Unternehmer, betreibt eine eigene Schokoladenfabrik – und gilt in dem Film als geheimnisvoll und skurril. Ist Richard Baker der Willy Wonka der Warenhäuser in Übersee? „Wenn es so aussieht, als wäre Baker ein reiches Kind, das mit seinen neuen Spielzeugen spielt, ist es, weil er ein reiches Kind ist, das mit seinen neuen Spielzeugen spielt“, schreibt die „New York Times“. Das nächste Spielzeug könnte Galeria Kaufhof heißen.

Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%