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Ken Moelis Der Banker, den Trump beim Münzwurf austrickste – und der jetzt Milliardär ist

Ken Moelis ist als dritter Banker überhaupt zum Milliardär geworden. Und sein größter Coup steht erst bevor: der größte Börsengang der Geschichte.

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Der Banker gehört zu den reichsten Menschen der Welt. Quelle: Bloomberg

Düsseldorf Auch wenn Geld ihr Geschäft ist, gelingt es den wenigsten Bankern, zu den Reichsten der Reichen aufzusteigen. Unter die Milliardäre schafften es bislang nur Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, und Lloyd Blankfein von Goldman Sachs. Doch nun gehört ein dritter zu diesem kleinen Kreis, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg vermeldet: Kenneth Moelis, Gründer der Investmentbank-Boutique Moelis & Co. Wer ist der Mann, den alle nur Ken nennen? Und was macht ihn so erfolgreich?

Die Wall-Street-Karriere des heute 59-Jährigen begann mit einer Enttäuschung. Nachdem er seinen Abschluss an der Wharton School der Universität von Pennsylvania gemacht hatte, bewarb er sich bei Morgan Stanley, wurde jedoch abgewiesen. Er schloss sich der Investmentbank Drexel Burnham Lambert an, damals eine eher zweitklassige Adresse. 1990 musste das Institut, das sich auf Ramschanleihen spezialisiert hatte, wegen Unregelmäßigkeiten im Markt Insolvenz anmelden.

Moelis landete bei Donaldson, Lufkin & Jenrette. Anfang der 90er-Jahre traf er bei einem Meeting auf Donald Trump, der damals nach Geld für sein erst kürzlich eröffnetes und in finanzielle Schwierigkeiten geratenes Casino „Taj Mahal“ suchte. Dort, so berichtete Moelis im vergangenen Jahr im Interview mit dem US-Magazin „Institutional Investor“, habe ihm der Immobilienmogul Trump angeboten, eine Münze zu werfen, um die Gebühr für den Deal um eine Million Dollar zu drücken.

Moelis willigte ein – und verlor, da er die Münze so geworfen hatte, dass ihm Trump keinen Blick auf das Ergebnis gewährte. Trotzdem blieb der Kontakt bestehen. Moelis war es auch, der dem heutigen Präsidenten beim Börsengang seiner Firma geholfen und früh auf seinen Sieg bei den Wahlen getippt hat.

Nach Stationen bei der Credit Suisse und der UBS, die er als Co-Chef des Investmentbankings zu einer der Top-Adressen machte, gründete Moelis 2007 seine eigene Firma, mitten in der Finanzkrise. Trotz der widrigen Umstände konnte sich der Finanzmanager durchsetzen, auch und vor allem dank seines weit verzweigten Netzwerks.

Moelis und Co. war unter anderem beteiligt an der Übernahme des Ketchup-Riesen Heinz durch Warren Buffett und des Private-Equity-Spezialisten 3G sowie an der Übernahme der Hotelkette Hilton durch den Finanzinvestor Blackstone. In Deutschland beriet Moelis Pro Sieben Sat 1 bei der Akquisition des Youtube-Netzwerks Collective Digital Studio.

Moelis scheut sich auch nicht, schwierige Kunden zu übernehmen. So berät seine Firma den Vorstand der Weinstein-Filmstudios, die nach Bekanntwerden der Missbrauchs-Vorwürfe gegen den langjährigen Chef Harvey Weinstein verkauft werden sollen.

Nun steht Moelis größter Coup an: der Börsengang des Ölkonzerns Saudi Aramco, mit dem er und sein Team betraut wurden. Mit einem erwarteten Erlös von 100 Milliarden Dollar würde es der größte Börsengang der Geschichte. Die Provision soll sich auf einen dreistelligen Millionenbereich belaufen.

Schattenseiten des Erfolgs

Der Erfolg hat jedoch auch seine Schattenseiten. Im Mai 2015 beging ein junger Angestellter des Investmenthauses Selbstmord, nachdem er, von einer Geschäftsreise kommend, die folgende Nacht und den Morgen durchgearbeitet hatte. In seinem Blut wurden Spuren von Kokain und anderen Drogen gefunden.

Und kürzlich wurde eine interne Mail publik, in der sich ein Personaler kritisch dazu äußerte, dass viele der Analysten um zwei Uhr morgens nicht mehr im Büro seien.

Ken Moelis selbst äußerte sich bislang nicht zu den Geschehnissen. Er selbst kennt den harten Arbeitsalltag der Investmentbanken nur allzu gut. Die ersten Anrufe, berichten ehemalige Kollegen, tätige Moelis bereits um fünf Uhr morgens. Um einen Kunden am anderen Ende der Welt zu treffen, steige er von jetzt auf gleich in den Flieger. Und Freunden zufolge werden Abendessen regelmäßig von stundenlangen Geschäftstelefonaten unterbrochen.

Auch das ist der Preis, den man zahlen muss, um Milliardär zu werden.

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