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Kommentar zur Industrie 4.0         Die letzte digitale Chance für deutsche Unternehmen

Bei der zweiten Digitalisierungsrunde geht es vor allem um neue Geschäftsmodelle. Gerade deutsche Unternehmen müssen hier Kreativität und Mut beweisen.

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Die Datenflut ermöglicht und erfordert ganz neue Geschäftsmodelle. Quelle: dpa

Noch sind längst nicht alle Fabriken digitalisiert. Doch in der ersten Runde der Digitalisierung der Industrie haben sich die deutschen Unternehmen nicht so schlecht geschlagen. Die Idee einer durchgängigen Digitalisierung in der Fertigung – vom Entwurf eines Produkts am Computer über die gleichzeitige Planung seiner Produktion bis hin zur Überwachung der Fertigung mit unzähligen vernetzten Sensoren – unter dem Schlagwort Industrie 4.0 ist ja quasi auch eine deutsche Erfindung.

Es ist kein Zufall, dass die Chinesen gleich hochinteressiert waren am deutschen 4.0-Konzept. Auch die US-IT-Konzerne mussten lernen, dass sie zwar die Algorithmen beherrschen. Doch das Wissen um Branchen und Prozesse, das zum Beispiel die deutschen Maschinenbauer seit Jahrzehnten angesammelt haben, ist genauso wichtig.

Doch hat die zweite Runde der Digitalisierung bereits begonnen. Es gilt jetzt, aus den unzähligen Daten, die von Sensoren im Betrieb der Maschinen gewonnen und in die Cloud geschickt werden, Nutzen zu ziehen. Die Datenflut ermöglicht und erfordert ganz neue Geschäftsmodelle – und da sind Kreativität, Innovationsfähigkeit, Expertise und Mut gefordert.

Firmen wie Amazon, Netflix, Uber und Facebook haben gezeigt, wohin die Entwicklung geht. Sie haben zum Beispiel Wertschöpfungsketten im Handel radikal verkürzt, früh erkannt, dass man Filme statt verkaufen auch im Stream bereitstellen kann, und sich mit Kundendaten Geld verdienen lässt.

Die Sensibilität im Umgang mit Daten in Deutschland ist richtig. Doch reicht es künftig nicht mehr, nur gute Produkte zu entwickeln und zu verkaufen. Die deutschen Unternehmen müssen mithilfe der Daten ganz neue Dienstleistungen und Services entwickeln. Beim Computertomografen könnten dies gleich die – womöglich schon vorausgewerteten – Bilder sein, bei Zügen eine Verfügbarkeits- und Pünktlichkeitsgarantie, um nur zwei Beispiele zu nennen. Erste Ansätze gibt es, dieser Weg muss nun mutig weiter beschritten werden.

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