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Konjunktur Bremen und Berlin sind Deutschlands überraschende Wachstums-Champions

Zwei Stadtstaaten wachsen deutlich stärker als die Bundesrepublik insgesamt. Die Entwicklung eines ostdeutschen Flächenlandes ist bedenklich.

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Das Wiederanziehen deutscher Exporte kommt dem Hafen zugute. Quelle: dapd

Berlin Der Überraschungssieger unter den Bundesländern heißt Bremen. Beim Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr legte das kleinste Bundesland mit einem Plus von 3,3 Prozent am stärksten zu.

Der Schub kommt überraschend. Denn der Stadtstaat war in den Jahren zuvor weniger stark gewachsen als der Durchschnitt der Bundesländer. Vermutlich hängt der kräftige Schub in Bremen mit dem Wiederanziehen des Exports im vergangenen Jahr zusammen, der dem Hafen zu Gute kommt.

Auf Platz zwei der wachstumsstärksten Länder folgt der Champion des Vorjahres, Berlin, mit einem 3,1 prozentigen Plus im Jahr 2017. Berlin bleibt damit seit drei Jahren in der Gruppe der stark wachsenden Bundesländer, denn auch 2015 hatte es Platz zwei erreicht.

Der Arbeitskreis „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder“ hat am Mittwoch die neuen Zahlen über die Wirtschaftsentwicklung der Bundesländer bis 2017 veröffentlicht. Das Wachstumsplus von deutschlandweit 2,2 Prozent verteilt sich danach recht unterschiedlich auf die Bundesländer.

Stärker als der Bundesdurchschnitt wuchs auch der dritte Stadtstaat Hamburg mit 2,4 Prozent. Bayern mit 2,8 Prozent, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz mit je 2,5 Prozent legten ebenfalls überdurchschnittlich zu, während Baden-Württemberg mit 2,3 und Hessen mit 2,2 Prozent das Mittelfeld bilden.

Die übrigen westdeutschen Bundesländer schnitten leicht unterdurchschnittlich ab, wobei ausgerechnet das größte Bundesland NRW nur 1,7 Prozent erreichte. Das Saarland wiederum schwächelte mit 1,2 Prozent und schnitt damit so schlecht ab wie sonst nur die neuen Bundesländer.

In absoluten Zahlen produzierte Berlin Waren und Dienstleistungen im Wert von knapp 137 Milliarden Euro, Bremen für etwa 34 Milliarden Euro. Mit fast 692 Milliarden Euro hatte das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen die höchste absolute Wirtschaftsleistung.

Die ostdeutschen Flächenländer bereiten Sorgen

Für die Bundesregierung dürfte das weitere Zurückfallen der ostdeutschen Flächenländer das am meisten besorgniserregende Detail aus den langen Zahlenkolonnen der Statistiker sein: Mecklenburg-Vorpommern, das beste neue Bundesland außer Berlin, erreichte 1,8 Prozent, gefolgt Thüringen mit 1,6 Prozent.

Auch Brandenburg profitierte nicht wirklich von seiner Rolle als Umland der Boomtown Berlin: Mit 1,4 Prozent lag es gleichauf mit Sachsen.  Die wirtschaftliche Ost-West-Spaltung vertiefte sich 2017 also, wenn der Westen so deutlich stärker wächst als der Osten.

Ernsthaft sorgen muss sich die Politik um Sachsen-Anhalt: Seit 2010 hinkt das Bundesland beim Wachstum hinterher. Das Bruttoinlandsprodukt dort liegt, bezogen auf den Indexwert 100 im Jahr 2010, nur bei 104,9 Punkten. Bayern dagegen hat seither 118,3 Indexpunkte erreicht, Berlin 116,6.

Im Westen ist es das Saarland, das seit Jahren nicht aus seinem Tief herausfindet: Es liegt bei 104,2 Punkten. Selbst wenn Bayern beim Wachstum 2017 nur auf Platz drei liegt, so kann es doch auf die dauerhaft tragfähigste Wirtschaft unter allen Bundesländern verweisen. Im vergangenen Jahr ist etwa die Produktivität je Erwerbstätigem um ein Prozent gestiegen, und das auf hohem Niveau.

Das Küstenland Mecklenburg-Vorpommern hat bei dieser Kennziffer allerdings deutlich aufgeholt. Über den Zeitraum seit 2010 steigerte es seine Produktivität noch ein klein wenig stärker als Bayern. Insgesamt schnitt Ostdeutschland bei dieser Kennziffer gut ab: Das nährt die Hoffnung auf künftig kräftigeres Wachstum zumindest ein wenig.

Berlin allerdings steigerte sein Bruttoinlandsprodukt offenbar vor allem durch den starken Zuzug neuer Bewohner. Die Produktivität je Erwerbstätigem stagniert seit 2010 in der Hauptstadt, wohl auch, weil noch immer Industriearbeitsplätze fehlen und die Dienstleistungen stark sind.

Von der wachsenden Wirtschaft profitierten allerdings in Berlin auch die Arbeitnehmer. Ihre Löhne stiegen um 3,8 Prozent deutschlandweit am stärksten.

Aus Sicht von Arbeitgebern dürfte es interessant sein, sich das Lohnkostengefälle zwischen Berlin und Brandenburg anzuschauen: Während die Lohnkosten je Arbeitnehmer und Jahr in der Hauptstadt 42.632 Euro erreichten, liegen sie in Brandenburg bei nur 34.747 Euro. Nur in Mecklenburg-Vorpommern lagen sie mit 33.296 Euro noch niedriger. Am teuersten ist die Beschäftigung eines Arbeitnehmers in Baden-Württemberg mit 44.826 Euro, gefolgt von Bayern mit 44.315 Euro.

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