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Konjunktur Ökonom Wieland: Wirtschaft steuert wohl auf Stagnation zu

Der Ökonom sieht eine Stagnation des deutschen Wirtschaftswachstums nicht mehr weit entfernt. Zudem sieht er für die Autobranche im Coronavirus eine Belastungsprobe.

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Die Wirtschaft hatte zuletzt mit einem Produktionseinbruch Erinnerungen an die Rezessionszeiten vor mehr als einem Jahrzehnt geweckt. Quelle: dpa

Die deutsche Wirtschaft hat nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen Volker Wieland vor der Jahreswende nahezu stagniert. Das Statistische Bundesamt hatte nach einem mageren Wachstum von 0,1 Prozent im Sommer für das vierte Quartal 2019 „Anzeichen einer leichten Erholung“ ausgemacht.

Top-Ökonom Wieland sagte der Nachrichtenagentur Reuters dazu in einem am Dienstag veröffentlichten Interview: „Eine leichte Revision der Zahlen nach unten, würde mich nicht überraschen. Da ist dann eine Stagnation nicht mehr weit entfernt und ein mögliches Szenario.“ Die offiziellen Daten für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal werden am Freitag veröffentlicht. Experten rechnen mit einem Zuwachs von 0,1 Prozent.

Die Wirtschaft hatte zuletzt mit einem Produktionseinbruch Erinnerungen an die Rezessionszeiten vor mehr als einem Jahrzehnt geweckt. Industrie, Bau und Energieversorger stellten im Dezember zusammen 3,5 Prozent weniger her als im Vormonat. Das war das dickste Minus seit Anfang 2009, als die globale Krise Deutschland mit voller Wucht erfasste.

Auch wenn sich die Industrie in der Rezession befinde, gebe es einen sehr starken Dienstleistungssektor, sagte Wieland. „Er ist nicht betroffen von der Coronavirus-Krise oder zumindest nicht in gleicher Weise, wie es die Industrie trifft.“ Der warme Winter komme zudem der Bauwirtschaft entgegen. „Welche Zahl letztlich beim BIP herauskommt, hängt also nicht allein von der Industrie ab“, sagte der Frankfurter Wirtschaftsprofessor.

Auf die Coronavirus-Krise in China bezogen sagte Wieland, diese würde zusehends zur Belastungsprobe für die exportabhängige deutsche Autobranche. „Es wird eine bedeutende Verwerfung für die Autoindustrie in diesem Quartal geben“, sagte er.

Auf die Frage, ob deutsche Hersteller wie Daimler oder Volkswagen ihre Gewinnziele wegen der Viruskrise zurückstutzen müssten, antwortete er: „Ich denke schon. Auf jeden Fall wird es beim Absatz in China einen Einbruch geben – wenn auch nur temporär.“ Wieland hält es für möglich, dass es nach Abklingen der Krise einen positiven „Rückpralleffekt“ im nächsten und übernächsten Quartal geben wird.

China für deutsche Hersteller wichtigster Markt

Die Autoindustrie spürt zurzeit weltweit die Folgen des Virusausbruchs in der Volksrepublik. Für die deutschen Hersteller ist China der wichtigste Markt und ein wachsender Produktionsstandort. Die Epidemie könnte Experten zufolge den Autoabsatz und die Fertigung in China in diesem Jahr um drei bis fünf Prozent nach unten drücken.

Wieland verwies darauf, dass die deutschen Autounternehmen auch sehr viele Fahrzeuge in China produzieren. „Und das nicht nur für den chinesischen Markt. Das heißt, dass es auch Lieferprobleme geben wird, wenn sie oder ihre Zulieferer den Betrieb temporär einstellen.“

Doch werde das Virus auch wieder abklingen. „Und deswegen denke ich, dass man es als einmaligen Schock kategorisieren kann – wobei es auch nachfolgend eine gewisse Erholung gibt und nicht eine strukturelle Schwäche“, sagte der Frankfurter Ökonom, der auch als Nachfolger des scheidenden Chefs der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, gehandelt wird.

In China sind an dem Virus nach Angaben der Gesundheitsbehörden bislang mehr als 1000 Menschen gestorben. Die Zahl der festgestellten Infektionen liegt bei mehr als 42.000. Die Führung in Peking strebt an, ihre wirtschaftlichen und sozialpolitischen Ziele für dieses Jahr trotz des Virusausbruchs zu erreichen. Wie Reuters von Insidern erfuhr, wird in Peking jedoch auch über eine Absenkung des angestrebten Wachstumsziels für 2020 von sechs Prozent diskutiert. Viele Ökonomen halten es ohnehin für nicht mehr haltbar.

Wieland sagte dazu: „Für uns als Beobachter ist es immer schwierig, mit den offiziellen chinesischen Wachstumszahlen umzugehen.“ Es gebe keine Volkswirtschaft, die so exakt und stabil sei wie China, was die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts betreffe. Ob die Zahlen „auf die eine oder andere Weise“ vielleicht doch angepasst würden, lasse sich nicht ausschließen. „Ob die Wachstumsziele in China gehalten werden, hat vielleicht auch einiges mit politischen Entscheidungen zu tun und nicht nur mit wirtschaftlicher Messung“, sagte Wieland.

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