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Konjunktur Pleitewelle bleibt im ersten Halbjahr aus

Entgegen der Befürchtungen von Ökonomen ist die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen gesunken. Dafür meldet das statistisch Bundesamt mehr Privatinsolvenzen Quelle: dpa

Die Forderungen von Gläubigern haben sich fast verdoppelt. Verbraucherinsolvenzen stiegen im ersten Halbjahr auch wegen einer Gesetzesänderung stark an.

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Die befürchtete Pleitewelle infolge der Corona-Krise ist im ersten Halbjahr wegen staatlicher Hilfen ausgeblieben. Die Zahl der Insolvenzen von Unternehmen sank sogar, und zwar um 17,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 7408. Diese Zahlen gab das Statistische Bundesamt am Freitag bekannt. Staatliche Konjunkturhilfen für die Unternehmen sowie die erst seit Mai wieder durchweg geltende Insolvenzantragspflicht dürften zu den niedrigen Zahlen beigetragen haben.

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger waren mit 31,8 Milliarden Euro allerdings fast doppelt so hoch wie vor Jahresfrist mit 16,7 Milliarden Euro. „Dieser Anstieg ist darauf zurückzuführen, dass mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten“, so die Statistiker.

Experten gehen davon aus, dass auch im kommenden Jahr keine Insolvenzwelle auf Deutschland zurollen wird. „Die staatlichen Hilfsmaßnahmen zur Abmilderung der Pandemiefolgen beeinflussen nach wie vor die Entwicklung der Insolvenzzahlen“, sagte der Vorsitzende des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter (VID), Christoph Niering. „Die erkennbare Bereitschaft zu weiteren Unterstützungsmaßnahmen – auch in einer neuen Regierung – wird diesen Trend bis in das Jahr 2022 nicht grundsätzlich verändern.“

Privatinsolvenzen steigen stark an

Einer Studie zufolge ist die Zahl der Firmenpleiten zuletzt sogar auf ein Rekordtief gefallen: Nur noch 570 Personen- und Kapitalgesellschaften wurden im August als insolvent gemeldet, wie das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ermittelte. Das seien elf Prozent weniger als im Vormonat und 15 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Daten basieren unter anderem auf Insolvenzbekanntmachungen der Registergerichte und Unternehmensbilanzen.

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen nahm von Januar bis Juni sprunghaft zu. 42.304 wurden gemeldet – gut 51 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2020. „Der starke Anstieg ist im Zusammenhang mit einem Gesetz zur schrittweisen Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre zu sehen“, so die Statistiker.



Die Neuregelung gilt für ab dem 1. Oktober 2020 beantragte Verfahren. Sie ermöglicht den Betroffenen einen schnelleren wirtschaftlichen Neuanfang im Anschluss. „Daher ist davon auszugehen, dass viele überschuldete Privatpersonen ihren Insolvenzantrag zunächst zurückhielten, um von der Neuregelung zu profitieren.“

Mehr zum Thema: Die große Corona-Pleitewelle ist zwar nicht in Sicht. Doch auch im ersten Halbjahr 2021 mussten millionenschwere Unternehmen Insolvenz anmelden. Wer die umsatzstärksten Insolvenzfälle betreut hat.

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