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Konjunkturprognose DIW sieht „hohe Risiken“ und senkt seine Wachstumsprognose deutlich

Die Konjunktur in Deutschland kühlt deutlich ab. DIW und Bundesregierung machen dafür die außenpolitische Lage verantwortlich.

Weltwirtschaftliche und weltpolitische Entwicklungen bremsen im Moment die deutsche Wirtschaft. Quelle: dpa

BerlinDas Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die seine Prognosen für das Wachstum der deutschen Wirtschaft deutlich gesenkt. Das Bruttoinlandsprodukt werde 2018 nur noch um 1,9 und 2019 um 1,7 Prozent zulegen, sagte das DIW am Mittwoch in Berlin voraus. Im März hatten die Forscher ihre Vorhersagen noch von 2,2 auf 2,4 Prozent für dieses und von 1,6 auf 1,9 Prozent für kommendes Jahr angehoben. 2017 hatte es noch zu 2,2 Prozent gereicht.

Als Grund für die gesenkte Prognose nannten die Experten den Handelskonflikts mit den USA und Sorgen vor einem Wiederaufflammen der Euro-Krise. „Der Handelskonflikt mit den USA und die Sorgen um bestimmte Länder des Euro-Raums, in erster Linie Italien, verunsichern die Unternehmen und führen zu Investitionszurückhaltung“, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner.

Auch das Bundeswirtschaftsministeriums erklärte, dass der Aufschwung der deutschen Wirtschaft an Fahrt verloren hat. „Angesichts der gestiegenen außenwirtschaftlichen Risiken verhalten sich die Wirtschaftsteilnehmer erst einmal abwartend“, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Ministeriumsbericht zu aktuellen Wirtschaftslage.

„Die Außen- und Handelspolitik der Vereinigten Staaten sowie die Regierungsbildung in Italien haben die Unsicherheit und die Risiken für die weitere Entwicklung erhöht“, erklärten die Ministeriumsexperten. In der Wirtschaft habe dies anscheinend zu einem gewissen Attentismus, insbesondere auch bei Investitionen geführt. „Die deutsche Wirtschaft ist aber weiterhin in guter Verfassung“, hieß es ergänzend.

Laut dem DIW wird die Konjunktur aktuell aber vor allem in zweierlei Hinsicht beeinträchtigt. „Zum einen sinken die Investitionen der deutschen Unternehmen. Zum anderen leiden darunter die deutschen Exporte.“ Auch wegen des unerwartet schwachen ersten Quartals, das unter Streiks und vieler Arbeitsausfälle durch die schwere Grippewelle litt, müsse die Prognose gesenkt werden. Dadurch halbierte sich das Wachstum von Januar bis März auf 0,3 Prozent zum Vorquartal.

Trotzdem sieht das DIW keinen Grund zur Schwarzmalerei: „Die Hochkonjunktur hat Bestand“, ergänzte Fichtner. Garant dafür sei der private Konsum, der von der guten Lohnentwicklung und steigender Beschäftigung profitiere. So soll die Zahl der Erwerbstätigen im kommenden Jahr mit 45,1 Millionen um gut 800.000 über dem Niveau von 2017 liegen, die Arbeitslosigkeit gleichzeitig um 300.000 auf rund 2,2 Millionen sinken.

Hinzu komme, dass die Bundesregierung im kommenden Jahr durch steigende Transfers – etwa höheres Kindergeld und steigende Renten – das Wachstum zusätzlich um etwa 16 Milliarden Euro oder 0,3 Prozentpunkte anschieben werde.

Ungeachtet der schwächeren Konjunktur erwartet das DIW Rekordüberschüsse im Staatshaushalt. In diesem Jahr dürften die Einnahmen die Ausgaben um 49,4 Milliarden Euro übersteigen, 2019 um 46,3 Milliarden. „Das ist eher das Resultat von Glück als von guter Politik“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Ohne die extrem niedrigen Zinsen bliebe von diesen Überschüssen kaum etwas übrig. Sie sollten dazu genutzt werden, um mehr in Qualifikation, Bildung, Infrastruktur und Innovation zu stecken.

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