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Konjunkturprognose Wirtschaftsinstitute: Mehr Wachstum und Jobs im kommenden Jahr

Führende Wirtschaftsinstitute blicken optimistisch auf das Jahr 2022. Anders ist die aktuelle Lage: Im Herbst tritt die Konjunktur auf der Stelle.

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Beteiligt an der Prognose sind das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, das ifo Institut, das Institut für Weltwirtschaft Kiel und das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Quelle: dpa

Kräftiges Wachstum, sinkende Arbeitslosigkeit, geringeres Staatsdefizit: Die künftige Bundesregierung kann den führenden Wirtschaftsinstituten zufolge in ihrem ersten Jahr mit konjunkturellem Rückenwind loslegen. Das Bruttoinlandsprodukt soll 2022 mit 4,8 Prozent doppelt so schnell wachsen wie in diesem Jahr mit 2,4 Prozent, wie die Forscher am Donnerstag zu ihrer Herbstprognose mitteilten.

Im Frühjahr hatten die Institute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose für die Bundesregierung lediglich ein Wachstum von 3,9 Prozent für das kommende Jahr vorhergesagt. Wegen der akuten Materialengpässe in der Industrie fällt der Aufschwung dafür im zu Ende gehenden Jahr eine Nummer kleiner aus: Hier war bisher ein Plus von 3,7 Prozent erwartet worden. 2023 soll Europas größte Volkswirtschaft um 1,9 Prozent zulegen. 2020 war sie wegen der Corona-Krise um 4,6 Prozent geschrumpft.

„Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist nach wie vor von der Corona-Pandemie gekennzeichnet“, so die Institute. „Eine vollständige Normalisierung kontaktintensiver Aktivitäten ist kurzfristig nicht zu erwarten.“ Außerdem behinderten Lieferengpässe - etwa bei den für die Autobranche unentbehrlichen Halbleitern - die Industrie. „Im Verlauf des Jahres 2022 dürfte die deutsche Wirtschaft wieder die Normalauslastung erreichen“, hieß es.

Die Bundesregierung selbst bestätigt: Die anhaltenden Lieferengpässe in der Industrie bringen die Erholung von der Coronakrise ins Stocken. Im zurückliegenden Sommer-Quartal dürfte es zwar noch „zu einem merklichen Anstieg der Wirtschaftsleistung gekommen sein“, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums. „Für das vierte Quartal zeichnet sich hingegen eine Normalisierung des Wachstums ab.“ Die Entwicklung werde hier „seitwärts verlaufen“, also mehr oder weniger stagnieren.

Die Lage am Arbeitsmarkt dürfte sich laut Bericht der Wirtschaftsinstitute schrittweise bessern. So soll die Zahl der Erwerbstätigen im kommenden Jahr mit knapp 45,4 Millionen wieder über dem Vorkrisenniveau liegen und 2023 nochmals um fast 400.000 steigen. Die Arbeitslosenzahl soll bis dahin auf 2,356 Millionen sinken, was aber immer noch rund 89.000 mehr wären als 2019.

Inflation soll wieder fallen

Der Aufschwung füllt auch die Staatskassen. Das Defizit soll in diesem Jahr wegen der Corona-Kosten noch 173,7 Milliarden Euro oder 4,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes betragen, 2022 aber auf 80,5 oder 2,1 Prozent fallen. 2023 könnte die schwarze Null näher rücken: Der Fehlbetrag soll dann auf 35,1 Milliarden oder 0,9 Prozent sinken.

Entspannung erwarten die Ökonomen bei der Inflation. Die Teuerungsrate dürfte wegen höherer Energiepreise in diesem Jahr mit durchschnittlich 3,0 Prozent wohl so hoch ausfallen wie seit 27 Jahren nicht mehr. Im kommenden Jahr soll sie aber auf 2,5 Prozent und 2023 auf 1,7 Prozent fallen.

Im September sind die Verbraucherpreise mit 4,1 Prozent so stark gestiegen wie seit 1993 nicht mehr. Dafür sorgten auch eine Reihe von Sondereffekten - etwa das extrem niedrige Ausgangsniveau bei den Rohstoffpreisen, Pandemie- und Lockdown-bedingte Nachholeffekte oder die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung im Kampf gegen die Coronakrise in der zweiten Jahreshälfte 2020. Ähnlich bewertet das Wirtschaftsministerium im Monatsbericht die Inflation. Entspannung erwartet auch die Regierung erst im kommenden Jahr, wenn Sondereffekte auslaufen.

Die Gemeinschaftsdiagnose dient der Bundesregierung als Basis für ihre eigenen Projektionen, die wiederum die Grundlage für die Steuerschätzung bilden. Erarbeitet wird das Gutachten federführend vom RWI in Essen, vom DIW in Berlin, vom Ifo-Institut in München, vom IfW in Kiel und vom IWH in Halle.

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