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Kontaktnachverfolgung Millionen Menschen laden Corona-App herunter – Kosten höher als gedacht

Innerhalb von rund 24 Stunden haben 6,5 Millionen Menschen die neue Corona-Warn-App heruntergeladen. Warum jetzt die Telefone der Gesundheitsämter nicht stillstehen.

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Die App soll die Kontaktverfolgung von Infizierten ermöglichen und dadurch die Infektionsketten verkürzen. Quelle: dpa

Die Corona-Warn-App entwickelt sich in Deutschland zum Renner. Innerhalb von rund 24 Stunden wurde die App 6,5 Millionen Mal heruntergeladen, sagte SAP-Chef Christian Klein am Mittwoch. „Es ist ein großer Erfolg und zeigt, es ist benutzerfreundlich und es hilft der Gesellschaft.“

Gesundheitsminister Jens Spahn warb für weitere Downloads und twitterte: „Dieser starke Start sollte noch mehr Bürger motivieren, mitzumachen. Denn Corona eindämmen, das ist ein Teamspiel.“ Nicht alle potenziellen Nutzer kamen allerdings auf Anhieb mit der App zurecht und suchten Hilfe bei den Gesundheitsämtern, die dafür gar nicht zuständig sind.

Die App wurde binnen sechs Wochen von SAP und der Deutschen Telekom entwickelt und kann seit Dienstagvormittag in den App-Stores von Google und Apple auf Smartphones heruntergeladen werden. Allgemein wurde die Benutzerfreundlichkeit und die Datensicherheit gelobt.

Die Nutzung ist freiwillig. Die App soll Nutzern anonymisiert anzeigen, ob sie in den vergangenen 14 Tagen mit Corona-Infizierten in Kontakt gekommen sind. Dann können sie sich kostenlos testen lassen. Die Regierung hofft auf eine möglichst große Nutzerzahl, will aber keine Zielmarke nennen. Ein positiver Effekt im Kampf gegen Infektionen werde schon bei geringeren Nutzerzahlen erreicht.

Bei den Hotlines der Gesundheitsämter stünden allerdings die Telefone wegen Fragen zur App nicht still, bemängelt die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst, Ute Teichert, in einem RTL-Interview. „Die Hotline-Mitarbeiter haben gesagt: Es sprengt alle Dimensionen, die wir je hatten. Die Leute kommen mit der App nicht klar und sie kommen auch nicht klar mit der Telefonnummer, die da angegeben ist.“ Deshalb riefen die Menschen bei der Corona-Hotline und bei den Gesundheitsämtern an, weil das der vertraute Weg sei.“ Bei der Hotline des Berliner Gesundheitsamts etwa hätten sich Hunderte Menschen gemeldet.

Derweil entpuppen sich die Gesamtkosten der App als höher als bislang bekannt. Bis Ende 2021 könnten sie sich auf mehr als 69 Millionen Euro belaufen, wie aus der Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage des Linken-Finanzpolitikers Victor Perli hervorgeht. Während die Entwicklungskosten wie zuvor von der Bundesregierung angegeben rund 20 Millionen Euro betragen, die an die Telekom und SAP gezahlt werden, laufen erheblich höhere Kosten für den Betrieb auf.

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