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Kurssturz Facebook-Skandal trifft auch die Schweizer Notenbank

Die SNB ist einer der größten Facebook-Aktionäre – und vom Kurssturz unmittelbar betroffen. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf ihre Anlagerisiken.

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Die Notenbank hält mehr Facebook-Aktien als Gründer Mark Zuckerberg. Quelle: Reuters

Zürich Wegen des Datenskandals suchen nicht nur viele Nutzer von Facebook das Weite. Viele Aktionäre des Tech-Konzerns werfen die Aktie aus dem Depot. Seit bekannt wurde, dass die Firma Cambridge Analytica Millionen von Nutzerdaten abgeschöpft hat, ging es für die Facebook-Aktie um fast 20 Prozent bergab.

Das traf auch einen eher ungewöhnlichen Aktionär: Die Schweizerische Nationalbank (SNB). Mit einem Anteil von 0,37 Prozent hielt die Notenbank zuletzt mehr reguläre Facebook-Aktien als Firmengründer Mark Zuckerberg. Wie die „Handelszeitung“ errechnet hat, dürfte sich der Wert der SNB-Investition seit dem Kurseinbruch um rund 150 Millionen US-Dollar verringert haben.

Doch wieso ist die SNB überhaupt am Aktienmarkt aktiv? Damit der Schweizer Franken nicht weiter aufwertet, hat die SNB am Devisenmarkt interveniert: Sie kaufte Fremdwährungen und hat dabei enorme Reserven aufgebaut. So lagen die Devisenreserven der Notenbank Ende Februar bei 768 Milliarden Schweizer Franken. Mit derartigen Reserven können Notenbanken beispielsweise Wechselkurse stabilisieren.

Ihre Devisenreserven hält die Bank nicht als Bargeld im Tresor. Sie legt die Fremdwährungen an – und setzt dabei anders als etwa die US-Notenbank Fed oder die Europäische Zentralbank nicht nur auf Anleihen, sondern auch auf Aktien. Das hat die SNB zu einem der größten staatlichen Spieler am Aktienmarkt gemacht. Wo genau die SNB investiert, verraten die Notenbanker nicht im Detail.

Daten der US-Börsenaufsicht SEC zeigen, dass die Nationalbank bei Firmen wie Apple, Amazon oder eben Facebook zu den größten Aktionären gehört. Dabei handelt es sich allerdings nur um eine Momentaufnahme, denn einzelne Transaktionen muss die SNB nicht veröffentlichen

Aus den Daten lässt sich schließen, dass die SNB zur Jahreswende mehr Facebook-Aktien hielt als Mark Zuckerberg. Trotzdem bleibt der Firmengründer der Herr im eigenen Haus. Denn Aktie ist bei Facebook nicht gleich Aktie. Der Manager kontrolliert den Konzern mit den Stimmrechten der so genannten B-Aktien, von denen er eine satte Mehrheit besitzt. An der Börse werden dagegen A-Aktien gehandelt, die auch die SNB hält.

Die Notenbanker haben nicht gezielt in Facebook investiert. Sie orientieren sich bei der Anlage an breiten Börsenindizes wie dem amerikanischen Dow Jones und bilden einen derartigen Leitindex teilweise nach.

Mit dieser Strategie hat die SNB auf dem Papier satte Gewinne gemacht. Allein im vergangenen Jahr stand unterm Strich ein Rekordgewinn von rund 54 Milliarden Franken. Dass es nun für die Facebook-Aktie bergab geht, dürfte die Notenbank also verschmerzen können.

Der Fall wirft dennoch ein Schlaglicht auf die Anlagerisiken der Notenbank – und er sorgt paradoxerweise wohl auch für neues Interesse von Privatanlegern. Als eine von wenigen Notenbanken ist die SNB nämlich selbst an der Börse notiert. Dort legte der Kurs der SNB an Gründonnerstag zwischenzeitlich bis auf nahezu 8000 Franken zu.

Die Rally der SNB-Aktie ist für Anleger ein gefährliches Spiel. Nur wenige SNB-Aktien werden an der Börse gehandelt. Deswegen sorgen schon kleinste Transaktionen für enorme Kurssprünge. Und von den milliardenschweren Gewinnen der SNB profitieren Kleinaktionäre nur in einer homöopathischen Dosis. Die Dividende für Kleinaktionäre ist gesetzlich auf 15 Franken gedeckelt – egal, welchen Gewinn die Notenbank erzielt.

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