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Landesbank Heute wird die HSH Nordbank verkauft – oder abgewickelt

HSH Nordbank: Cerberus und J.C. Flowers übernehmen Landesbank Quelle: dpa

Die Finanzinvestoren Cerberus und J.C. Flowers übernehmen aller Voraussicht nach die HSH Nordbank. Der Deal steht aber noch unter Vorbehalt.

Nach einer gemeinsamen Kabinettssitzung wollen die Regierungschefs und Finanzminister der Länder Schleswig-Holsteins und Hamburgs am heutigen Mittwoch um 12 Uhr in Kiel vor die Presse treten. Dann dürften Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Schleswigs-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) offiziell verkünden, was seit Wochen die Runde macht: Die HSH Nordbank, die 2003 aus der Fusion der Landesbanken der beiden Bundesländer entstand, wird wohl an die Finanzinvestoren Cerberus und J.C. Flowers für rund eine Milliarde Euro verkauft. Flowers ist bereits mit gut fünf Prozent an dem Institut beteiligt.

Die Entscheidung steht allerdings noch unter Vorbehalt. Denn das letzte Wort in dieser Angelegenheit hat die EU-Kommission. Sie prüft das Übernahmekonzept auf Rentabilität. Und auch die beiden Länderparlamente müssen den Deal noch absegnen.

Bis zuletzt verhandelten die Eigner über Details. So soll offensichtlich ein Teil der Problemkredite – die Rede ist von bis zu vier Milliarden Euro – aus der Bank herausgelöst und in eine Zweckgesellschaft der Finanzinvestoren überführt werden. Das würde die Bilanz der Bank weiter entlasten, allerdings müssten bei der Verwertung des Portfolios Garantien der Länder berücksichtigt werden, hieß es in Finanzkreisen.

Probleme, die offensichtlich rechtzeitig gelöst wurden. Die Mehrheitseigner müssen sich auf Geheiß Brüssels von der Landesbank trennen. Im Gegenzug segnete die Behörde Beihilfen ab, machte aber kein Geheimnis daraus, dass sie die Bank in der damaligen Struktur für nicht überlebensfähig hielt. Noch im Jahr 2016 bestand die HSH Nordbank aus einer Kernbank und einer Abbaubank, in der faule Schiffskredite und nichtstrategisches Geschäft gebündelt waren. In der damaligen Konstellation war es schwer vorstellbar, dass für die Gesamtbank ein positiver Preis erzielt werden könnte. Doch dem Vorstand unter Stefan Ermisch gelang es, die faulen Kredite kräftig abzubauen und die Bank so aufzustellen, dass sie für Investoren wieder attraktiv war.

Zum Nulltarif war das möglich. So wurde die 2009 gewährte Bilanzgarantie der Länder über zehn Milliarden Euro durch den Altkredit-Abbau vollständig genutzt. Weitere Belastungen sind absehbar, da eine Anstalt der Länder Alt-Kredite im Nominalwert von fünf Milliarden Euro für 2,4 Milliarden Euro übernahm. Auch diese Summe muss wohl größtenteils abgeschrieben werden.

Obwohl die Bank stets im Fokus der Öffentlichkeit stand und eine Abwicklung nie ganz ausgeschlossen werden konnte, gelang es der Bank, das Neugeschäft anzukurbeln. Gemeinsam mit dem Abbau der Altkredite war das auch der Schlüssel dafür, dass die Bank das abgelaufene Jahr mit einem unerwartet hohen Vorsteuerergebnis von rund 300 Millionen Euro abschloss. Und die Finanzinvestoren dazu trieb, tiefer als gedacht in die Taschen zu greifen.

Für die HSH Nordbank könnte der Mittwoch also ein guter Tag werden. Allerdings wird sie nicht mehr lange unter diesem Namen firmieren. Nach Vorgaben der EU-Kommission muss die Bank drei Monate nach der Veräußerung ihren Namen ändern.

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