Landesbank Steinhoff beschert der BayernLB einen Millionenverlust

Die BayernLB verkauft wohl einen Großteil ihrer Forderungen gegenüber Steinhoff – mit Millionenverlusten. Dabei stehen eigentlich genug wichtige Aufgaben an.

Die Landesbank hat offenbar mit deutlichen Abschlägen drei Viertel ihrer Forderungen gegenüber dem Möbelkonzern Steinhoff veräußert. Quelle: dpa

MünchenDie Kundenliste hat BayernLB-Chef Johannes-Jörg Riegler schon vor einem Jahr im Handelsblatt umrissen. Ohne dabei natürlich konkrete Namen zu nennen. „29 von 30 Dax-Konzerne sind unsere Kunden, dazu die Hälfte der MDax-Unternehmen“ sagte er damals. Dass sich aus einer solchen Konstellation nicht nur Chancen, sondern auch Risiken ergeben, sollte es bei einem Kunden mal nicht gut laufen, versteht sich von selbst.

Ein MDax-Wert, über den es seit Monaten schon Vorwürfe von gefälschten Zahlen bis hin manipulierten Bilanzen gibt, ist der Möbelkonzern Steinhoff. Der ist in Deutschland vor allem durch die Möbelkette Poco bekannt. Glaubt man den Vorwürfen, dann hat das stark verästelte Unternehmen wenig ausgelassen, um die eigene Lage und den Expansionskurs weitaus positiver darzustellen als er in Wirklichkeit war. Die Aktie, die vor Bekanntwerden des ganzen Ausmaßes Anfang Dezember noch rund 3,50 Euro wert war, kostete am Freitag 37 Cent, zwischendurch waren es auch schon mal 25 Cent.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte am Freitag gemeldet, dass auch die BayernLB wie rund ein halbes Dutzend anderer Großbanken auf Forderungen in Millionenhöhe bei Steinhoff sitzen würde. Von 200 Millionen Euro war die Rede, von denen angeblich 150 Millionen Euro in dieser Woche an neue Besitzer abgegeben wurden. Natürlich, wie es in einem solchen Fall üblich ist, mit einem Abschlag, der in diesem Fall bei 60 Millionen Euro liegen soll. Die weiteren 50 Millionen Euro sollen durch Immobilien besichert sein, hieß es.

Bei der BayernLB wollte sich am Freitag niemand konkret zu den Zahlen äußern. Stattdessen wurde betont, dass die Landesbank ihre Prognose eines Konzerngewinns im mittleren dreistelligen Millionenbereich weiterhin aufrecht hält. Diese Ansage gibt es bereits seit dem vergangenen Frühjahr. Nach drei Quartalen stand zudem bereits ein Vorsteuerergebnis von 554 Millionen Euro zu Buche, sodass zu diesem Zeitpunkt viele in der Branche mit einer etwas mutigeren Prognose gerechnet hatten. Dass es anschließend nach zwölf Monaten zu einem Einbruch gekommen wäre, halten hingegen viele für unwahrscheinlich.

Ohnehin stehen bei der BayernLB im Moment andere Themen im Vordergrund. Der erwartete Gewinn erweckt bei manchem Eigner wieder Begehrlichkeiten. Die Landesbank gehört zu drei Vierteln dem Freistaat Bayern, zu einem Viertel dem Sparkassenverband. Beide mussten in den vergangenen Jahren, als die Bank in einem Beihilfeverfahren der Europäischen Union steckte, auf eine Ausschüttung verzichten. Im Sommer vergangenen Jahres hatte die BayernLB dann die letzte Milliarde an die EU zurückgezahlt, sodass es hier durchaus wieder Freiraum gäbe.

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) als Statthalter des Freistaats hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass die BayernLB nach dem Münchener Hofbräuhaus seine zweitliebste Beteiligung sei. Von dort fließt traditionell jedes Jahr eine üppige Ausschüttung. Von der BayernLB erwarten sie das im Finanzministerium insgeheim künftig auch, heißt es in Finanzkreisen. Genaueres könnte es bei der Verkündung der Bilanzzahlen am 22. März geben.

Von der Politik dürften auch wichtige Personalentscheidungen abhängen, die bei der Bank in nächster Zeit anstehen. Allerdings wirkt die Politik im Moment eher wie ein Bremsklotz. Finanzminister Söder ist dabei, das Amt des Ministerpräsidenten von Horst Seehofer zu übernehmen. Als Nachfolger im Finanzministerium ist unter anderem Ilse Aigner im Gespräch. Entschieden ist aber nichts.

Daran hängt wiederum die entscheidende Frage, wer bei der BayernLB den Vorsitz im Aufsichtsrat übernimmt. Da will wohl auch der künftige Finanzminister ein Wörtchen mitreden. Der bisherige Amtsinhaber Gerd Häusler hatte Ende des Jahres seinen Rückzug im April angekündigt. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Es gebe Bewerbungen aus dem Sparkassenlager, außerdem Interessenten aus der Politik, heißt es. In der Bank präferieren sie einen Banker, am besten mit nicht allzu großem Abstand zum operativen Geschäft.

Der neue Aufsichtsrat müsste sich als erste Aufgabe gleich um die wichtigste Personalie im Haus kümmern: Der Vertrag von Vorstandschef Riegler endet in einem Jahr. Eine Verlängerung können sich beide Seiten vorstellen. Andererseits erweckt einer wie Riegler, der die einstige Skandalbank finanziell stabilisiert und ihre eine neue Zukunftsstrategie gegeben hat, auch anderweitig Begehrlichkeiten. Erfolgreiche Banker sind in Deutschland schließlich eher Mangelware. Der BayernLB stehen somit spannende Monate bevor.

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