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Laudatio auf Angelique Renkhoff-Mücke „Warema ist ein leuchtendes Beispiel“

Warema-Chefin Angelique Renkhoff-Mücke rückt in die Hall of Fame der Familienunternehmen auf. Vera-Carina Elter über die Unternehmerin, die aus 3500 Mitarbeitern Sonnenlicht-Manager gemacht hat.

„Sie verschuldet sich persönlich hoch. Ein starkes Bekenntnis.“ Quelle: Thorsten Jochim für Handelsblatt

Warema bezeichnet sich selbst als der „Sonnenlicht-Manager“. Entsprechend darf ich Ihnen jetzt eine ungewöhnliche Unternehmenschefin vorstellen: Angelique Renkhoff-Mücke, Europas führende Sonnenlicht-Managerin. Angesichts des Klimas in Deutschland sollte man meinen: ein Job mit trüben Aussichten. Aber weit gefehlt! Obwohl die Sonne in Deutschland im Schnitt nur vier Stunden täglich scheint, hat diese Unternehmerin seit ihrem Amtsantritt Beachtliches geschafft: Sie hat den Umsatz auf knapp eine halbe Milliarde Euro mehr als verdoppelt und die Mitarbeiteranzahl auf rund 3500 erhöht.

Liebe Frau Renkhoff-Mücke, bei der Recherche zu meiner Laudatio habe ich mit unterschiedlichen Menschen aus Ihrem Umfeld gesprochen. Vom Aufsichtsrat über den Mitarbeiter bis hin zum Taxifahrer in Marktheidenfeld. Dabei konnte ich sehr schnell ein durchgängiges Motiv ausmachen: Stolz. Stolz auf das erfolgreiche Unternehmen und Stolz auf eine so ungewöhnliche Unternehmenschefin. Heute ist das Unternehmen europäischer Marktführer für Sonnenschutzprodukte wie Rollläden, Jalousien und Markisen.

Irgendwann einmal die Nachfolge ihres Vaters anzutreten – das ist ursprünglich gar nicht das Ziel von Frau Renkhoff-Mücke. Doch Ende der 90er-Jahre plötzlich der Schock für die Familie: Ihr Vater erkrankt ernsthaft. Schnell ist klar: Er wird die Geschäfte nicht weiterführen. Wie soll es nun weitergehen? Hat doch der Vater die Zügel des Unternehmens bisher fest in den Händen gehalten. Gemeinsam mit der Familie und Frau Renkhoff-Mücke als Interims-Chefin sucht der Aufsichtsrat einen externen Geschäftsführer. Monatelang. Ohne Erfolg.

In der Belegschaft herrscht große Unsicherheit. Im Laufe der Suche entwickelt sich Frau Renkhoff-Mücke zur Hoffnungsträgerin. Sie wird gefragt, ob sie die Firmenleitung dauerhaft übernehmen möchte. Nach gründlicher Überlegung entscheidet die 35-Jährige, Mutter von zwei kleinen Kindern: Ich mache es!

Gemeinsam mit ihren drei Schwestern besitzt sie damals 30 Prozent der Anteile am Unternehmen. Die Mehrheit von 70 Prozent gehört nach wie vor dem Vater. Dem kauft sie in den kommenden Jahren so viele Anteile ab, dass sie fortan die Mehrheit besitzt. Sie verschuldet sich also persönlich hoch. Ein starkes Bekenntnis.

Für den Aufsichtsrat gewinnt Frau Renkhoff-Mücke erfahrene Manager und Unternehmer. Solche, von denen sie weiß, dass sie sie herausfordern und ihre Planungen kritisch hinterfragen werden. Keine Selbstverständlichkeit. Außerdem bringt sie Neugier, Lernbereitschaft und Gespür für Trends in das Unternehmen ein.

Ihre soziale Kompetenz, gepaart mit Klarheit und Verbindlichkeit, stellt sie seit 2011 auch in Tarifgesprächen unter Beweis, als Verhandlungsführerin für die bayerische Metall- und Elektroindustrie. Ihr gelingt es, in einem männlich geprägten Umfeld einen Pilotabschluss zu erzielen – der schien seit 20 Jahren undenkbar. Liebe Frau Renkhoff-Mücke, Warema ist ein leuchtendes Beispiel für ein hervorragend geführtes Familienunternehmen.

Vera-Carina Elter ist Bereichsvorständin bei KPMG.

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