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Laudatio auf Klaus und Ralf Murjahn „Leidenschaft für Innovationen“

Die DAW-Eigentümer Klaus und Ralf Murjahn sind neue Mitglieder der Hall of Fame der Familienunternehmen. Sven Afhüppe über eine Familie, die seit 120 Jahren wirtschaftlichen Erfolg konsequent mit Nachhaltigkeit verbindet.

„Es waren Unternehmer wie Robert Murjahn, die Schumpeter inspirierten. “ Quelle: Thorsten Jochim für Handelsblatt

Wer eine Laudatio über die Gründer und die Eigentümerfamilie der Deutschen Amphibolin-Werke (DAW) halten soll, muss sich auf eine wissenschaftliche Expedition einlassen. Der liest über Hornblende-Minerale und Calcium-Amphibole.

Nichts anderes hat Robert Murjahn 1895 getan, als er im Odenwald auf der Basis von Kalk und Kreide ein völlig neues Verputzpulver entwickelte. Ein Produkt, das zu dieser Zeit seinesgleichen suchte. Nur wenige Jahre später begannen die Murjahns mit der Produktion von Pulverfarbe aus geleimter Kreide. Sie wird seit 1909 unter dem Namen Alpinaweiß vertrieben.

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass ein gewisser Joseph Schumpeter in genau dieser Zeit an seinem Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ schrieb. In dem Buch, das zu den bekanntesten Werken der Wirtschaftswissenschaften des 20. Jahrhunderts zählt, erklärt Schumpeter die Dynamik kapitalistischer Systeme. Es waren Unternehmer wie Robert Murjahn, die Schumpeter nicht nur inspirierten. Der junge Ökonom war davon überzeugt, dass Pionierunternehmer die Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Entwicklung in einer Volkswirtschaft haben. Unternehmer, die nach „neuen Kombinationen“ suchen, wie er Innovationen umschrieb, und diese auch gegen Widerstände durchsetzen. Der erfolgreichste Unternehmer ist der, der auf die „schöpferische Zerstörung“ setzt.

Nichts anderes hat Robert Murjahn getan, als er durch innovative Kombination ein neues Produkt entwickelte. Zu Recht stand in den Anfangsjahren auf einem Werbeplakat von Alpinaweiß – wenn auch noch reichlich umständlich und unserer heutigen Werbesprache wenig entsprechend: „Beste und billigste Farbe für wetterfeste Fassaden- und waschbare Innenanstriche.“ Dieser Satz brauchte keine weitere Erklärung.

Was damals in kleinen Verhältnissen begann, ist heute ein erfolgreiches Milliardenunternehmen mit 5600 Mitarbeitern, aktiv in mehr als 30 Ländern. Dazu gehören auch Produktionsstätten in Russland, Italien, Frankreich und natürlich in China. Nach und nach ist ein Global Player im deutschen Mittelstand entstanden. Im Stammwerk Ober-Ramstadt steht Europas modernste Dispersionsfarbenfabrik. Weltweit gibt es nur wenige Fabriken, die eine größere Kapazität haben.

Doch aus der Größe des Unternehmens folgte kein Größenwahn. Bescheidenheit und Bodenständigkeit zeichnet Familie Murjahn heute noch aus. Das zeigt auch die neue Firmenzentrale. Ein lichtdurchflutetes Gebäude, das für Transparenz, Nahbarkeit und kreative Kommunikation steht.

DAW ist größer und internationaler geworden, doch eines ist immer geblieben: die Leidenschaft an Innovationen. Die Unternehmensführer, ob Klaus oder jetzt Ralf Murjahn, haben bestehende Produkte nicht nur besser gemacht: emissionsärmer, nachhaltiger, umweltschonender. Sie haben immer wieder neue Produkte entwickelt – wie Wärmedämmung aus Hanf.

Auch im eigenen Unternehmen hat Klimaschutz eine hohe Priorität. Nachhaltigkeit ist wesentlicher Bestandteil der Unternehmensphilosophie. An den deutschen Standorten produziert DAW zu 100 Prozent klimaneutral – und ist damit ein absolutes Vorbild für andere Unternehmen. Kein Wunder, dass DAW mit dem dritten Platz des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2018 in der Kategorie „mittelgroße Unternehmen“ ausgezeichnet wurde.

Wirtschaftlicher Erfolg durch Innovationen in Verbindung mit sozialer Verantwortung und Schonung der Umwelt – das sind die Bausteine der Unternehmensgeschichte und der Familie Murjahn. Gesellschaftliche Verantwortung ist bei DAW kein Lippenbekenntnis, sondern über mehr als ein Jahrhundert gelebte Praxis.

Und ganz nebenbei ist der Familie Murjahn bereits viermal der Generationenwechsel gelungen. Viele von Ihnen wissen: Das ist keine Selbstverständlichkeit. Denn ein eigenes Unternehmen zu führen ist einfacher als ein gut geführtes Unternehmen in die Verantwortung eines Nachfolgers zu legen.

Sven Afhüppe ist Chefredakteur des Handelsblatts.

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